Mein erstes Mal Mission über den Wolken

Bei der Lufthansa Aviation Training in Bremen werden zivile und militärische Piloten ausgebildet. Ein Flugschüler der Bundeswehr erzählt über die Unterschiede zu normalen Linienflügen und seine Faszination.
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Mission über den Wolken
Von Patrick Reichelt

Alles begann mit einem Familienurlaub in der Rhön. Ich war damals acht Jahre alt und kam aus dem Staunen nicht mehr heraus: Segel- und Motorflieger schwirrten durch die Luft, starteten und landeten, dazu das Bergpanorama der Wasserkuppe. Ich hätte am liebsten den ganzen Tag nur dagestanden und die Flieger beobachtet. Spätestens da hat es mich gepackt.

Zu Weihnachten musste es dann natürlich ein ferngesteuertes Segelflugzeug sein. Ich hab schon immer gerne Dinge auseinandergenommen und zusammengebaut, um zu verstehen, wie sie funktionieren, und konnte diese Leidenschaft nun mit dem Fliegen verbinden. Sechs Jahre später steuerte ich das erste Mal allein einen echten Segelflieger durch die Luft. Das Gefühl war atemberaubend und ich wollte mehr.

Schnell war klar: Ich möchte Pilot oder Ingenieur werden, am liebsten beides zusammen. Zunächst stand aber die Bundeswehr an, damals gab es noch die Wehrpflicht. Mir hat das gut gefallen, sodass ich nach dem Grundwehrdienst die Offizierslaufbahn einschlagen und Pilot bei der Bundeswehr werden wollte. Dazu musste ich zuerst in einem Assessmentcenter in Köln meine Eignung unter Beweis stellen, es folgte eine flugmedizinische und schließlich eine psychologische Untersuchung. Diese dritte Phase wird oft nur als „Simulatorfliegen“ bezeichnet, ist aber mehr: An vier Tagen musste ich vier verschiedene Szenarien im Simulator meistern. Die Zeit, um die Abläufe zu lernen, ist dabei sehr knapp bemessen. Fehler sind erlaubt, es ist aber wichtig, dass man daraus lernt.

An einem Freitagnachmittag kam der Anruf: Ich durfte Pilot werden! Die Freude war riesengroß und ich konnte es erst einmal nicht glauben. Ich musste mich nun entscheiden: Transport- oder Jetpilot. Ich entschied mich für den Weg des Transportpiloten: nicht ganz so schnell und etwas ruhiger. Nach der einjährigen Offiziersausbildung in Fürstenfeldbruck konnte ich bereits einen meiner Träume erfüllen und über die Bundeswehr in der Schweiz ein Ingenieurstudium absolvieren.

Das erste Mal, dass ich in Uniform in einem Flugzeug saß, war in Goodyear in den USA im vergangenen Jahr. Ich glaube, jeder von uns hatte vor dem Alleinflug am Ende des Lehrgangs ein kleines bisschen Angst und Respekt, was aber auch gut ist, wenn man es unter Kontrolle hat. Als ich alleine in dem Flugzeug saß, hab ich mich wieder an meine Zeit als 14-jähriger Segelflieger erinnert, das hat geholfen. Das Trainingsflugzeug ist aber natürlich sehr viel komplexer und hat etwa ein Triebwerk, das überwacht und eingestellt werden muss.

Ich glaube nicht, dass man für den Job hochbegabt sein muss. Piloten müssen viele Dinge unter einen Hut bekommen und dürfen dabei nicht den Überblick verlieren. Klar, das Fliegen ist anspruchsvoll, doch genau das macht die Spannung und den Reiz aus. Der Mensch ist eigentlich nicht für das Fliegen gemacht, aber durch komplexe Maschinen schafft er es doch, sich in der Luft zu bewegen.

Der Unterschied zur zivilen Luftfahrt ist vor allem, dass es etwas weniger auf Effizienz und Kosten ankommt, sondern darauf, den Auftrag bestmöglich zu erfüllen – egal ob es sich um einen Material- oder Personentransport handelt. Auch die Bedrohungslage spielt eine Rolle. Kein Mensch begibt sich gerne in Gefahr, aber das bringt der Beruf des Soldaten nun einmal mit sich. Jeder muss für sich entscheiden, ob er dieses Risiko eingeht.

Für meine Karriere bei der Bundeswehr musste ich viel umziehen. Einerseits ist das sehr interessant, weil ich viele verschiedene Städte und neue Menschen kennenlerne. Andererseits ist es natürlich auch anstrengend. Ich bin seit vier Jahren verheiratetet, meine Frau wohnt in meiner Heimat bei Bonn. Wir sehen uns häufig nur an den Wochenenden, so habe ich aber immer einen festen Rückzugsort.

Am Ende der Ausbildung wird sich entscheiden, wo ich lande. Ob ich dann einen A400M fliege, ist noch nicht klar. Ich könnte zum Beispiel auch zur Flugbereitschaft in Köln kommen, die sich unter anderem um den Transport von Politikern kümmert. Eines wird aber immer bleiben: Dieses Kribbeln, wenn ich in das Cockpit steige – jeder Flug ist einzigartig.

Aufgezeichnet von Patrick Reichelt.

Info

Zur Person

Jens K.

ist seit August in Bremen an der Flugschule der Lufthansa, die sowohl zivile als auch militärische Piloten ausbildet. Sein Lieblingsort in Bremen ist die Schlachte, die er auch schon öfter mit seinen Mitschülern besucht hat. Der 30-Jährige ist Oberleutnant und kommt ursprünglich aus der Nähe von Bonn, wo er oft seine Wochenenden verbringt. Dafür nimmt er aber nicht das Flugzeug, sondern die Bahn.

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