Hinduistisches Lichterfest wird zum achten Mal in der Botanika gefeiert mit Gesang und Tanz zum Mitmachen

Mit 108 Kerzen gegen das Böse

Horn. Wenn Yoga-Meister Nepal Lodh die 108 Buddhakerzen am Lichterkranz entzündet, ist der Höhepunkt der Diwali, dem hinduistischen Lichterfest, gekommen. Dann siegt das Licht über die Dunkelheit, das Gute vertreibt das Böse.
26.10.2017, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Marie Bornickel

Horn. Wenn Yoga-Meister Nepal Lodh die 108 Buddhakerzen am Lichterkranz entzündet, ist der Höhepunkt der Diwali, dem hinduistischen Lichterfest, gekommen. Dann siegt das Licht über die Dunkelheit, das Gute vertreibt das Böse. So steht es zumindest in der Geschichte über die Gottheit Rama geschrieben, wie Ausstellungsleiter Armin Schlüter erklärt. Er leitet die Ausstellung in der Botanika und hat zusammen mit seinen Mitarbeitern am vergangenen Sonntag einen ganzen Veranstaltungsblock anlässlich des Diwalis auf die Beine gestellt. Bereits zum achten Mal wird das Fest in der Botanika gefeiert.

„Rama kehrte mit seiner Familie nach langer Verbannung aus dem Dschungel in ­seine Heimat zurück“, erzählt Armin Schlüter, „auf den Flächen außerhalb des Dorfes wurden sie von den Bewohnern empfangen, die Rama mit Lichtern und Öllampen den Weg ins Dorf zeigten.“ Diese Geschichte erzähle man sich vor allem in Nordindien zu ­Diwali. Im Süden des Landes gedenken die Menschen stattdessen Krishna und seinem Sieg über den Dämon Naraka.

Doch das Diwali ist mehr als nur das Gedenken an Gottheiten. „Man kann das Lichterfest ein bisschen mit Weihnachten vergleichen“, erklärt Schlüter weiter. So wie auch Weihnachten in den verschiedenen Regionen der Welt ganz unterschiedlich gefeiert werde, begehe man auch in den verschiedenen hinduistischen Regionen Diwali ganz verschiedenartig. „Das Fest dauert einen Tag bis eine ganze Woche – je nach Landstrich“, weiß Schlüter, „man trifft sich in den Familien, isst und tanzt. Es gibt rituelle Waschungen oder man kauft bestimmte Dekorationsartikel. Gemein ist aber bei allen Hindus, dass man gemeinsam singend die Lichterkränze entzündet. Von diesen Kerzen hat das Fest auch seinen Namen. Diwali leitet sich vom Sanskrit Dipavali ab, was Lichterkette bedeutet.“ Meist werden 108 Kerzen entzündet, denn die Zahl gilt als vollkommen. „Die Eins steht für das göttliche Prinzip, die Null für das Nichts und die Acht für die Fülle – one thing, nothing, everything“, erklärt Schlüter.

Indischen Tanz und Gesang wollen die Organisatoren auch nach Bremen bringen. Neben den Tanzvorführungen können die Besucher des Diwalis dieses Jahr erstmalig auch selbst das Tanzbein schwingen. Unter der Leitung von Andreya Pandara lernen die gut 15 Interessierten, wie sie in einer Stunde erste orientalische Tanz- und Bewegungsformen ausführen können. Zu Beginn wirken die Tänzer in spe noch etwas schüchtern, doch Pandara gelingt es, mit einfachen Bewegungen die Gruppe aufzulockern: „Wir bewegen uns jetzt mal nach rechts und links. Das kann jeder, das sieht nicht komisch aus. Und jetzt gibt es einen Trick, damit das ­Ganze orientalischer aussieht – die Arme hoch.“ Indischer wirken die Bewegungen hingegen, wenn der Fuß vor dem anderen Bein kreuzt und mit der Ferse aufgestellt wird, erklärt Pandara ihren Teilnehmern.

Den weniger sportlichen Besuchern nimmt sich Sabine Schlüter aus Walle an. Die Religionswissenschaftlerin erklärt, wie sich Buddhismus und Hinduismus unterscheiden, und führt in das Diwali ein. „Der Buddhismus kennt keine Götter. Die Hindus haben aber eine Vielzahl an Göttern, die sie verehren“, erklärt die Religionswissenschaftlerin. „Der Karma-Glaube spielt im Hinduismus eine große Rolle. Gute Taten werden gebraucht, um aus dem Kastensystem auszubrechen.“

Allerdings sei es manchmal tatsächlich gar nicht so einfach, eine gute von einer schlechten Tat zu unterscheiden, berichtet Schlüter weiter: „Wenn ein Krieger gebeten wird, in den Krieg zu ziehen, um sein Land zu ­schützen, wird er das als gute Tat verstehen. Die Bekriegten könnten das aber anders ­sehen.“

Sabine Schlüter wird nicht müde zu betonen, dass der Hinduismus eine sehr reflektierte Religion ist. Die Menschen sollen über ihre Taten nachdenken, den Blick auf ihr Inneres lenken. „Im Hinduismus gibt es das dritte Auge. Es ist nach innen gerichtet“, erzählt sie der Gruppe, „Wir kennen das zum Beispiel vom Bindi, dem roten Punkt, den verheiratete Frauen auf der Stirn tragen. Aber auch der Nirwana-Buddha hier hat ein drittes Auge. Der blaue Punkt steht für Weisheit.“ Ein farbiger Punkt wird auch beim Entzünden des Lichterkranzes auf dem Vorplatz der Botanika verteilt. Statt mit roter Farbe malt Nepal Lodh gelbe Punkte auf die Stirn der Besucher. „Das ist dann ein Segenspunkt“, erklärt Sabine Schlüter ihren Zuhörern.

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