Weber lädt ein Mit Böhmermann nach Bremen-Nord

Nach der Kritik von Jan Böhmermann, die ÖPNV-Anbindung von Bremen-Nord an die Stadt sei noch nicht gut genug, hat sich eine Debatte entzündet. Bürgerschaftspräsident Christian Weber lädt ihn zu einer Tour ein.
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Mit Böhmermann nach Bremen-Nord
Von Sabine Doll

Bremens Bürgerschaftspräsident Christian Weber (SPD) lädt Jan Böhmermann zu einer gemeinsamen Tour nach und durch Bremen-Nord ein. Anlass sind die Äußerungen des TV-Moderators beim WESER-KURIER-Talk WESER-Strand am vergangenen Freitag. Weber war in der vorhergehenden Talkrunde Gast und hatte Böhmermann als Frage hinterlassen, was der Prominente dafür tun könne, damit sich Bremen-Nord als Bestandteil der Stadt Bremen fühle. Der 37-jährige Entertainer stammt gebürtig aus dem Bremer Norden.

„Was man machen kann, um Bremen-Nord näher an Bremen heranzukriegen, ist ganz klar die Infrastruktur. Als Kind und Jugendlicher war das eine richtige Reise. Du brauchtest zwei Stunden, um mit dem Bus von Farge in die Innenstadt zu kommen. Das ist seit einigen Jahren besser, aber immer noch nicht gut genug“, antwortete Böhmermann. Mit der Nordwestbahn habe man die Verbindung zudem einem privaten Betreiber überlassen, „das hätte auch die Bremer Straßenbahn übernehmen können“.

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Weber will dem prominenten Bremen-Norder mit einer Einladung nun zeigen, dass in den vergangenen Jahren viel passiert sei. Von zwei Stunden vom Hauptbahnhof bis nach Rekum könne keine Rede mehr sein. „Die Bahn braucht jetzt eine Stunde, aber das ist auch eine ganz schöne Strecke. Selbst mit dem Auto bin ich nicht schneller“, so Weber. Seit 2015 gelte zudem ein einheitlicher Tarif für Bremen inklusive Bremen-Nord. „Auch da ist also schon einiges zusammengewachsen.“

Die Nordwestbahn hat nach Auskunft der Verkehrsbehörde den Betrieb der Regio-S-Bahn auf der Linie RS1 Farge, Vegesack, Bremen-Hauptbahnhof und Verden 2011 aufgenommen. Laut Behördensprecher Jens Tittmann hätte der Betrieb aber nicht einfach der Bremer Straßenbahn AG (BSAG) überlassen werden können. Eine Schienenstrecke müsse ausgeschrieben werden, das sei gesetzliche Vorgabe, die Nordwestbahn habe damals den Zuschlag bekommen. Seit 2011 gebe es zwischen Hauptbahnhof und Vegesack montags bis freitags einen 15-Minuten-Takt, seit November vergangenen Jahres zwischen Vegesack und Hauptbahnhof auch an Sonnabend. Ab Dezember 2017 fahre die RS1 zwischen Hauptbahnhof und Vegesack im Nachtverkehr von Freitag bis Sonntag im Stundentakt.

Senatsbeauftragter sieht "erhebliche Verbesserungen"

Für Verkehrssenator Joachim Lohse (Grüne) ist klar: „Böhmermann irrt.“ Nach Bremen-Nord sei es keine Reise mehr, die Anbindung zeige, wie erfolgreich die Verkehrspolitik der vergangenen Jahre gewesen sei. „Und noch besser wird es, wenn wir das dritte Gleis nach Bremen-Nord bekommen und den Eisenbahnknoten Bremen ausbauen. Das haben wir erfolgreich im Bundesverkehrswegeplan verankert.“ Die Planungen dafür sollen im nächsten Jahr beginnen.

„Die Zugverbindungen sind bestenfalls ausreichend“, kritisiert dagegen der CDU-Bürgerschaftsabgeordnete und Bremen-Norder, Rainer Bensch: Damit mehr Menschen auf die Bahn umsteigen, müsse es mehr Park-and-Ride-Parkplätze sowie einen Haltepunkt in Farge-Ost geben. „Außerdem ist die Nordwestbahn ein altertümliches Mittelding zwischen Straßenbahn und dem Versuch, so schnell wie ein Zug zu sein“, so Bensch. Dazu kämen regelmäßige Zugausfälle sowie eine Baustellen-Organisation, die auch die Autobahn-Verbindung zwischen Bremen und dem Norden immer wieder zum Ärgernis mache.

Der Senatsbeauftragte für Bremen-Nord, Martin Prange, sieht „erhebliche Verbesserungen“ seit der Schienenverbindung durch die Nordwestbahn: „Anders ist das aber mit den Bus-Querverbindungen im Bremer Norden selbst, weil die Taktung nicht so gut ist.“ Der Großteil der Menschen wohne nicht in der Nähe von Bahnlinien, wo sie bequem in die Regio-S-Bahn einsteigen könnten. Prange: „Ich würde mich wundern, wenn das nicht auch im Bürgerschaftswahlkampf Thema ist. Andererseits ist die BSAG ein Zuschussbetrieb, man muss sehen, ob mit einer entspannteren Haushaltslage ab 2020 mehr Geld dort eingesetzt werden soll.“

Die Querverbindungen der Buslinien im Bremer Norden seien aus Sicht der BSAG „natürlich ausbaufähig“, betont deren Sprecher Jens-Christian Meyer. „Am Ende sind wir als Dienstleister aber abhängig von der Stadt als Bestellerin. Im Rahmen der aktuellen Möglichkeiten verfügen wir daher über die beste Variante.“

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