Borgward-Treffen

Mit dem Hansa 1800 über den Kanal

Aus Australien, Neuseeland, Kanada, USA und vielen europäischen Ländern sind Teilnehmer des Borgward-Welt-Treffens nach Bremen gekommen. Rund 15 Nationen sind nach Auskunft Organisatoren dabei.
06.05.2016, 21:50
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Mit dem Hansa 1800 über den Kanal
Von Frauke Fischer
Mit dem Hansa 1800 über den Kanal

Nick Driscoll aus England gehört zu den Teilnehmern des Borgward-Welt-Treffens, die ihre geliebten Oldtimer von weit her an die Weser gesteuert haben.

Christina Kuhaupt

Der erste kleine Konvoi voll blitzeblank polierter Isabellas ist am Morgen bereits auf der Nordstraße Richtung Waterfront unterwegs.

Auf dem Weg muss noch getankt werden, wie sich herausstellt, als die Limousinen und Coupés wie verabredet die Blinker setzen und rechts rausfahren. Später werden sich die Liebhaber schöner Oldtimer Gleichgesinnten zugesellen. Das Borgward-Welt-Treffen auf dem sonnenbeschienenen Platz neben dem Einkaufszentrum zieht an diesem Wochenende bis zu 1000 Teilnehmer und zigtausende Besucher an. Anlässlich des 125. Geburtstags des legendären Bremer Autokonstrukteurs Carl F. W. Borgward sind Liebhaber seiner Automodelle aus Neuseeland, Australien, Kanada, den USA, aus Schweden, Italien, Belgien und anderer europäischer Länder gekommen.

Nick Driscoll ist einer von ihnen. Aus England, auf der Fähre von Harwich nach Hoek van Holland über den Kanal, hat er seinen Hansa 1800 Diesel, Baujahr 1954, mitgebracht. Am Freitagmorgen wird das gute Stück mit Rechtslenkrad und dem Kennzeichen PFF 566 erst einmal eigenhändig poliert. Driscoll hat keine Angst, sich die Hände schmutzig zu machen. Dass er an seinen insgesamt fünf Borgwards immer etwas sauber machen und reparieren muss, steigert die enge Beziehung zu den Autos offenbar eher noch.

Dabei sind die Wagen, so erzählt er stolz, keineswegs Schaufensterpuppen. „Sie sind unsere Alltagsautos“, sagt Driscoll. Und für den Sammler liegt auf der Hand, warum: „Die Borgwards lassen sich wie moderne Autos fahren.“ Seine Frau, so Driscoll, fährt täglich mit dem Isabella Coupé. Es gibt noch nicht einmal Garagenplätze für alle Wagen, beteuert der Oldtimer-Freund.

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Ausgerechnet eine deutsche Automarke! Und das im Land von Austin, Morgan und Rover! Nick Driscoll und seine Freunde wissen, was sie an den Borgwards haben. „Wir mögen das etwas Ungewöhnliche“, sagt John Wallis, der eine glänzende Isabella mit über den Kanal zum Welt-Treffen gebracht hat. So etwa 100 Borgward-Modelle, schätzt er, fahren noch auf Englands Straßen.

60 Liebhaber gehören zur englischen Borgward-Community, die eigentlich jedes Jahr auf Events in der ganzen Welt mit ihren Wagen vertreten ist. Im Mai 2017 wird es auf der Insel ein Borgward-Treffen des United Kingdom Borgward Drivers’ Club geben, und für September/Oktober 2017 wird schon mal eine USA-Fahrt im Borgward von New York nach Los Angeles angekündigt, die unter anderem über die legendäre Route 66 führt. Für Wallis und Driscoll durchaus eine Überlegung wert, die Autos im Container rüberzuschaffen und dann Strecke zu machen. Den Motoren ihrer Wagen – der Hansa hat etwa eine halbe Million Kilometer auf dem Tacho – trauen sie es zu.

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Vorsichtshalber werden sie sich an diesem Wochenende auf dem großen Teilemarkt mit nötigen Ersatzteilen eindecken. Driscolls Hansa – „er ist in der Tat ein Scheunenfund“ – ist noch im Originalzustand. Darauf ist der Engländer stolz. Die Autos in Schuss zu halten, sei heute auch viel einfacher als noch vor Jahren. „Man kann ja alles über das Internet besorgen“, freut sich John Wallis.

Borgwards findet man auf der ganzen Welt

Überhaupt Borgward: Die findet man auf der ganzen Welt, hat er festgestellt. In Australien, Neuseeland, Thailand und Indonesien gibt es Sammler, die ihre Schätze hüten und vor allem auch noch fahren. An diesem Wochenende kommen viele von ihnen in Bremen zusammen. Es gibt viel „Hallo“ zwischen den geparkten Wagen auf der großen Freifläche. Man kennt sich von anderen Treffen, tauscht sich aus, begutachtet, gibt Tipps und vergleicht wohl manches Mal auch im Stillen, ob das eigene Isabella Coupé nicht noch ein bisschen stärker glänzt als der Nachbarwagen.

Gelegenheiten, sich umzusehen, an Ausfahrten teilzunehmen, womöglich noch einen weiteren Wagen zu kaufen oder aus der Kröll-Sammlung zu ersteigern (wir berichteten), gibt es genügend. Das Programm des Welt-Treffens ist vielfältig. Es gibt auf der großen Bühne an der Waterfront Borgward-Geschichten zu hören, Musik und Theater. Im Einkaufszentrum vor dem Kino sind besonders alte Automodelle sowie Hubschrauber und deren Modelle aus der Zusammenarbeit von Henrich Focke und Carl F. W. Borgward zu bewundern.

Es gibt allerlei Utensilien zum 125. Geburtstag des legendären Unternehmers, Erfinders und Autokonstrukteurs: Quartetts, Wanduhren, eine Broschüre sowie ein Hörbuch, das Hans-Peter Raiß mit Gesprächen von Weggefährten, Sammlern und Fachleuten, mit Geschichten, Reportagen und Musik zusammengestellt hat. Titel: „Mir hat das bewegliche Objekt Freude gemacht“, Untertitel: „Carl F. W. Borgward“.

Übertragung in chinesischen Fernsehsendern

Dass dieses Borgward-Wochenende an der Weser zum Teil sogar live in chinesischen Fernsehsendern übertragen wird, hat eine besondere Bewandtnis, wie Marion Kayser aus dem Organisationsteam des Welt-Treffens gern erläutert. Ein Dutzend chinesischer Journalisten verschiedener Medien ist eigens nach Bremen gereist, um die Wurzeln des Borgwards aufzuspüren, dessen Nachfolger, der SUV BX 7, seit zwei Wochen in China auf dem Markt sind. Nach dem tragischen Ende des Unternehmens Borgward in den 60er-Jahren in Bremen gibt es ja seit einiger Zeit die Bemühungen, die Marke wiederzubeleben. Ein chinesisches Unternehmen hat die Rechte gekauft und mit der Borgward Group, die in Stuttgart sitzt, als erstes einen Geländewagen namens BX7 für den chinesischen Markt produziert. Aufsichtsratsvorsitzender ist der Borgward-Enkel Christian Borgward, der am Freitag in Bremen Auskunft gab.

Die Borgward Group ist Hauptsponsor des Welt-Treffens und nach Borgwards Bekunden auch noch im Gespräch mit Bremen über den künftigen deutschen Firmensitz. Derzeit laufe eine Machbarkeitsstudie. „Zur finalen Entscheidung werden rein strategische Aspekte führen“, betonte Christian Borgward, bevor er zu einem Gespräch mit Bürgermeister Carsten Sieling aufbrach. Eine solche Entscheidung solle voraussichtlich im September fallen, hieß es weiter.

Auf jeden Fall haben Borgward-Fans bis Sonntag noch Gelegenheit, Oldtimer und den neuen BX 7 nebeneinander zu bewundern. Mit dem Modell, das im kommenden Jahr auch auf den deutschen Markt kommen soll, trage man den Pioniergeist von Carl F. W. Borgward weiter, heißt es von Unternehmensseite.

Borgward-Welt-Treffen, 5. bis 8. Mai, Waterfront in Gröpelingen.

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