Frau verunglückt mit Pkw / Gutachten bestätigt Verdacht: Bremsanlage trotz HU-Plakette nicht verkehrssicher

„Mit dem Wagen stimmt was nicht“

Anfang Mai hat sich Jennifer Stein einen gebrauchten Ford Ka gekauft. Nicht mal eine Woche später verunglückte sie mit dem Fahrzeug. „Ich hatte keine Chance, der Wagen hat einfach nicht gebremst“, erzählt die junge Frau aus Lesum. Dass dies keine Schutzbehauptung ist, hat sie jetzt schriftlich. Ein Sachverständiger bezeichnet die Bremsanlage des Wagens in seinem Gutachten als „nicht verkehrssicher“. Dabei hatte der Ford erst am 23. April die TÜV-Plakette bekommen.
23.06.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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„Mit dem Wagen stimmt was nicht“
Von Ralf Michel

Anfang Mai hat sich Jennifer Stein einen gebrauchten Ford Ka gekauft. Nicht mal eine Woche später verunglückte sie mit dem Fahrzeug. „Ich hatte keine Chance, der Wagen hat einfach nicht gebremst“, erzählt die junge Frau aus Lesum. Dass dies keine Schutzbehauptung ist, hat sie jetzt schriftlich. Ein Sachverständiger bezeichnet die Bremsanlage des Wagens in seinem Gutachten als „nicht verkehrssicher“. Dabei hatte der Ford erst am 23. April die TÜV-Plakette bekommen.

Schon zweimal hat der WESER KURIER in diesem Jahr über Gebrauchtwagen berichtet, die trotz erfolgreicher Hauptuntersuchung schwere Mängel aufwiesen. In beiden Fällen war der Ärger bei den Käufern groß. Zumindest aber wurden die Schäden entdeckt, bevor ein Unfall passierte. Jennifer Stein hatte dieses Glück nicht. Am 8. Mai prallte sie mit ihrem Wagen auf der Autobahnauffahrt Bremen-Vahr in die Leitplanke.

Die junge Frau erlitt dabei ein Schleudertrauma und verrenkte sich die Halswirbelsäule. Ihre sechsjährige Tochter, die ebenfalls im Auto saß, blieb unverletzt, erlebte aber das volle Programm mit – Polizei, Krankenwagen, Feuerwehr und Abschleppdienst. „Ich hatte keine Chance, der Wagen ist erst nach rechts und dann nach links ausgebrochen. Irgendwas stimmte nicht mit dem Wagen“, erzählt Jennifer Stein.

Ein Sachverständigen-Gutachten bestätigt jetzt ihren Verdacht: Die Bremsanlage des Fahrzeuges sei nicht verkehrssicher gewesen. Und das ist nicht der einzige Mangel, den der Gutachter festgestellt hat.

Die 24-Jährige war im Internet auf den Ford Ka gestoßen. Baujahr 1999 zwar, aber mit gut 82 000 Kilometern für 1000 Euro ein gutes Geschäft, wie sie dachte. Auf dem Hof des Autohändlers in Verden schien alles in Ordnung. „Er hat mir sogar angeboten, den Wagen auf die Hebebühne zu fahren, damit wir ihn von unten anschauen konnten“, berichtet die junge Frau. Der Verkäufer habe dann fachmännisch mit dem Schraubenzieher am Wagen herumgeklopft. Dass dabei ein wenig Rost abbröselte, hätte er mit der Erklärung „Das ist nur Flugrost“ abgetan.

Damit gab sich Jennifer Stein zufrieden. „Ich habe ohnehin keine Ahnung von Autos“, räumt sie freimütig ein. Aber schließlich war der Wagen erst eine gute Woche zuvor ohne Probleme durch die Hauptuntersuchung gekommen. „An dem Fahrzeug wurden keine erkennbaren Mängel festgestellt“, heißt es in dem Bericht des „Fahrzeug-Sicherheitsprüfung Büro Hannover“ (FSP), eine amtlich anerkannte Überwachungsorganisation, die als „Partner des TÜV-Rheinland“ die Hauptuntersuchung an dem Ford Ka durchgeführt hatte. Diesen Angaben habe sie vertraut, sagt die Bremerin.

Darauf, dass mit dem Fahrzeug tatsächlich etwas nicht stimmen konnte, habe sie einer der Polizisten am Unfallort gebracht. Der wollte angesichts des zerbeulten Wagens nicht glauben, dass sie nur mit 30 Stundenkilometern unterwegs gewesen war. „Der hat mir empfohlen, ein Gutachten oder eine TÜV-Mängelliste einzuholen.“

Genau das hat Jennifer Stein getan. Sie beauftragte ein Sachverständigenbüro und schaltete eine Anwältin ein. Die schrieb schon vor Fertigstellung des Gutachtens den Autohändler in Verden an, forderte die Rücknahme des Wagens und Erstattung des Kaufpreises, außerdem die Übernahme der durch den Unfall entstandenen Kosten – 1000 Euro für die kaputte Leitplanke und 300 Euro Abschleppkosten – sowie Schmerzensgeld. Anderenfalls müsse er mit einer Anzeige rechnen. Doch der Händler habe sich davon nicht beeindrucken lassen, berichtet Jennifer Stein. „Er will für den Schaden nicht aufkommen und mir auch mein Geld nicht zurückzahlen.“

Post von Rechtsanwältin

Nun wird der Mann erneut Post von ihrer Anwältin bekommen, die den Händler in ihrem Schreiben mit den Ergebnissen des Gutachtens konfrontieren will. Darin sind nicht nur Sätze wie „Die Bremsbelege der vorderen Scheibenbremsen sind rechtsseitig komplett verbraucht“ oder „Beide vorderen Bremsscheiben sind als mangelhaft einzustufen“ zu lesen, sondern auch von „massiven Korrosionsschäden“, die als „erheblicher Mangel einzustufen sind“. Und davon, dass der Wagen nicht unfallfrei war. Laut Gutachten wurden ein Teil der rechten Seitenwand erneuert sowie umfangreiche Nachlackierungen an dem Fahrzeug durchgeführt.

Auch das Sicherheitsprüfungsbüro FSP wird ein Schreiben der Anwältin bekommen. Denn die festgestellten Mängel dürften samt und sonders bereits während der Hauptuntersuchung vorhanden gewesen sein, stellt der Sachverständige in seinem Bericht fest.

Zeigen die Schreiben keine Wirkung, „werde ich den Händler und das Büro in Hannover verklagen“, kündigt Jennifer Stein an. Nach dem Ergebnis des Gutachtens sei sie mehr denn je entschlossen, „mir so etwas nicht bieten zu lassen“.

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