Revierförsterei Heidhof Mit der Hitze steigt die Waldbrandgefahr

Revierförster Bernd Wiedenroth und Knut Sierk von den Landesforsten zeigen auf einer Erkundungstour durch das Heidhof-Revier, was gegen Waldbrände getan werden kann und wann es brenzlig wird.
14.07.2018, 07:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Alexander Bösch

Schwanewede/Landkreis. Hohe Temperaturen, anhaltende Trockenheit: Trotz einer kurzfristigen Abkühlung mit Niederschlägen ist auch in den nächsten Tagen wieder mit hohen Temperaturen zu rechnen. Vor allem in trockenen Nadelhölzern steigt dann die Waldbrandgefahr. Bernd Wiedenroth von der Revierförsterei Heidhof und Knut Sierk, Pressesprecher für die Landesforsten im nordöstlichen Niedersachsen und Waldbrandbeauftragter für den Heidekreis, zeigen auf einer Erkundungsfahrt, wie sich die Lage aktuell im Heidhofrevier darstellt. „Im Moment ist alles einigermaßen entspannt, große Brände hatten wir seit Jahren nicht“, sagt Wiedenroth, seines Zeichens Stellvertreter des Obersten Waldbrandbeauftragten des Kreises Osterholz Heiko Ehing.

Aktuelle Gefahrenmeldungen landen auch bei Bernd Wiedenroth auf dem Tisch. „Die Förster haben ja die Ortskenntnisse und kooperieren im Ernstfall mit den Feuerwehren“, erklärt er. Die präventiven Möglichkeiten eines Revierförsters seien hingegen begrenzt. Wenn er Menschen mit Zigaretten im Waldbereich sehe, agiere er „freundlich, diplomatisch und ein bisschen hintenrum“, statt sofort mit didaktischen Anweisungen zu kommen.

Im Bereich des Friedwalds in Brundorf bestehe trotz der höheren Fluktuation von Menschen und Autos keine gesteigerte Gefahr. Dieser Umstand sei vor allem der hier vorherrschenden Laubvegetation mit Eichen, Buchen und Birken geschuldet. Wegen der starken Niederschläge im April befinde sich im Unterboden immer noch genügend Wasser.

Knut Sierk hat einen Ausdruck der Karte des Amts für Brand- und Katastrophenschutz der Polizeidirektion Lüneburg dabei. Der Bereich des Weser-Elbe-Dreiecks ist derzeit orange-braun unterlegt, Gefahrenstufe 3. „Das steht für mittlere Gefahr, da kann was passieren. Bei Stufe 5 besteht sehr hohe Gefahr, da geht’s sofort ab, sobald nur ein Funke ins trockene Gras fällt“, verdeutlicht Sierk.

Der Waldbrandindex setzt sich zusammen aus dem Temperaturverlauf der letzten Wochen, Luftfeuchtigkeit, der Windrichtung und der Art der Vegetation. Die Vegetation stelle im jahreszeitlichen Verlauf einen entscheidenden Faktor dar. Zu Beginn des Frühjahrs, wenn die Bäume noch kahl sind, sei die Waldbrandgefahr besonders hoch. „Wenn es beginnt, grün zu werden, sinkt die Waldbrandgefahr dann prinzipiell, steigt aber durch lang anhaltende Trockenheit ebenso rasch wieder an“, verdeutlich Knut Sierk. Vor allem trockene Sandböden könnten das Wasser nicht halten, es versickere stattdessen.

„Wenn heißgelaufene Autos mit Katalysatoren oder Landmaschinen, die länger nicht in Betrieb waren, auf Stoppelfeldern oder trockenen Wiesen abgestellt werden, kann schnell was in Brand geraten“, weiß der Waldexperte. Manchmal handle es sich aber auch nur um Luftverwirbelungen von Windkraftanlagen oder die Feldberegnung der Landwirte: „Wenn Feuchtigkeit verdampft, sieht das auf den ersten Blick nämlich genau wie Feuer aus“, erläutert Sierk. Neben Fahrlässigkeit durch weggeworfene Zigarettenkippen oder liegen gelassene heiße Grillkohle bereiten den Waldschützern zuweilen auch vorsätzlich zündelnde Pyromanen oder Blitzschlag Sorgen. “Der Blitz wird ja in den Boden abgeleitet. Wenn es dort brennbares Material gibt, kann sich das entzünden und noch Tage später für einen Waldbrand sorgen“. Nach einem Blitzeinschlag habe er sogar einmal durch eine Schneedecke hindurch Rauchentwicklung beobachten können, erzählt Knut Sierk. Es sei daher immer wichtig, die Ursache für einen Waldbrand zu erkennen.

Während in Meyenburg „sich tief hineinfressende Moorbrände“ immer wieder mal die Feuerwehr in Schach halten, hatte man in der Försterei Heidhof zumindest bis 2004 regelmäßig um die 50 Brände zu beklagen, die durch Schießübungen auf dem Truppenübungsgelände entstanden. Bernd Wiedenroth hat noch einen großen Waldbrand in der Garlstedter Heide im Jahr 1992 miterlebt. „Damals haben Panzer von der Kaserne Querschneisen in den Wald gezogen und wir sind mit Feuerpatschen herumgelaufen und haben gelöscht“ erinnert er sich.

Besonders anfällig für Waldbrände seien Nadelhölzer wie etwa Kiefern und Fichten. „Die dünnen Kiefernadeln mit ihren ätherischen Ölen brennen explosionsartig“, weiß Sierk. „Was wir hier haben, ist schon fast die grüne Hölle“, sagt Bernd Wiedenroth bei einem Stopp im Bereich „Alte Buche“. Er zeigt auf einen Bereich mit Laubhölzern und einem Streifen trockener Gräser und Kräuter davor. „Natürlich entzündet sich hier auch mal ein Feuer im Gras, wenn jemand eine Zigarette aus dem Auto wirft. Aber das läuft dann nur ein kleines Stück in die Böschung rein und ist tot. Im trockenen Laub würde es ein bisschen glimmen, aber schnell ausgehen."

Ein sogenanntes Vollfeuer entstehe fast immer als Bodenfeuer, oft auf trockenem Reisig und Gras. „Dann brennen vielleicht mal zehn Quadratmeter, aber dann kommt eine Laubholzsperre und das Feuer geht aus“, erklärt Wiedenroth. Das gezielte Anpflanzen von Laubhölzern führe dazu, dass sich ein Waldbrand gar nicht erst ausbreiten könne. Die Wahrscheinlichkeit eines gefährlichen Vollfeuers samt Funkenflug und herumfliegenden brennenden Ästen könne durch eine Laubholzsperre beziehungsweise einen Brandschutzriegel klar eingedämmt werden. „Das ist vor allem gut, wenn es auf einem Areal viele Besucher gibt“, betont Wiedenroth.

Im Bereich Schmidts Kiefern befindet sich ein Roteichenstreifen, später folgen Kiefern und Buchen. Die etwa ein Kilometer lange Brandschutzschneise aus Pfeifengras und Kräutern wird an dieser Stelle regelmäßig gemulcht. Soll heißen: Vertrocknetes Gras, das im Zweifelsfall nicht mehr brandhemmend wirken würde, wird abgemäht, frisches Grün kommt nach. Wiedenroth zeigt auf eine Schicht aus abgefallenen oder vom Holzeinschlag stammenden Ästen, Reisig und Kiefernzapfen: „Wenn da ein Feuer durchläuft, braucht es Material, das frisst sich dann auch in die Humusschicht ein.“ Im Fall eines Feuers müsse daher immer gewährleistet sein, dass Nachlöschtrupps auch entstandene Glutnester löschen.

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Zur Sache

Effektiver Waldbrandschutz

Für einen effektiven Schutz vor Waldbränden sorgt in Niedersachsen das "LÖWE"-Programm, ein Kürzel für „Langfristige Ökologische Waldentwicklung“. Das Programm steht für die konsequente Erhöhung des Laubholzes und Mischwalds. Statt der zuvor praktizierten Methode des radikalen Kahlschlags setzt das LÖWE-Programm auf die Entnahme einzelner Bäume. „Wenn der Standort es hergibt, setzten wir in diesen Lücken dann Buchen oder andere Laubhölzer ein. Durch die Laubholzanreicherung wird die Brandgefahr automatisch minimiert“ sagt Revierförster Bernd Wiedenroth, der seit 1985 in Schwanewede tätig ist. „Um das ,LÖWE'-Programm beneiden uns die anderen Bundesländer“, macht auch der Pressesprecher für die Landesforsten im nordöstlichen Niedersachsen und Waldbrandbeauftragter für den Heidekreis, Knut Sierk, deutlich.

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