Jürgen J. Köster und Liz Dinh arbeiten an einem Dokumentarfilm über das Leben im Stadtteil Mit der Kamera durch Gröpelingen

Gröpelingen. Wie fühlt sich das Leben im Mikrokosmos Gröpelingen an? Jürgen J. Köster und Liz Dinh wollen es herausfinden und sind deshalb seit einiger Zeit regelmäßig mit der Kamera im Stadtteil unterwegs.
10.08.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Anne Gerling

Wie fühlt sich das Leben im Mikrokosmos Gröpelingen an? Jürgen J. Köster und Liz Dinh wollen es herausfinden und sind deshalb seit einiger Zeit regelmäßig mit der Kamera im Stadtteil unterwegs. Sie drehen einen Dokumentarfilm über und mit Gröpelingern. „Wir wollen wissen, wie ein Stadtteil funktioniert, in dem 120 Sprachen gesprochen werden – und zwar ganz subjektiv von den Menschen, die hier arbeiten, wohnen und ihre Freizeit verbringen“, erklärt Regisseur und Kameramann Köster. Neustädterin Liz Dinh von der „Compagnons Cooperative inklusiver Film“, die unter anderem für alles Organisatorische verantwortlich ist, lässt dabei ihre Interviewpartner bewusst unkommentiert und authentisch erzählen, was sie in Gröpelingen machen und wie es sich anfühlt, dort zu sein.

„Wir sind der Meinung, dass gerade Gröpelingen als Stadtteil oftmals viel zu negativ dargestellt wird. Das hat zur Folge, dass Menschen im Stadtteil verunsichert werden und so die Motivation, etwas aufzubauen, genommen werden kann. Ein Film verändert zwar nicht die Welt, kann aber helfen, Wissen über Gröpelingen zu bekommen. Dies führt oft zum Abbau von Vorurteilen. Da wir als Filmproduktion international zusammengesetzt sind, haben wir ausdrücklich den Wunsch zu helfen, Vorurteile und Vorbehalte gegenüber Menschen aus anderen Kulturkreisen abzubauen“, erklären Köster und Dinh.

Dabei gehe es ihnen aber nicht etwa darum, alles schönzureden oder bestehende Probleme zu verniedlichen, betonen die beiden – sie wollten die Dinge nur eben in der angemessenen Relation zeigen. Nachdem kürzlich das Projekt Campus Ohlenhof von der neuen Regierung gestrichen werden sollte, hat Köster einen Stimmungswechsel bemerkt: „Man merkt, dass das den Menschen hier echt an die Substanz geht.“

Mehr als 50 spannende Drehorte und interessante Gesprächspartner haben Köster und Dinh bis jetzt auf ihrer Liste stehen, vom Fischimbiss über die Geschichtswerkstatt bis zur Mevlana-Moschee.

Im Stadtteil hat sich ihr Projekt inzwischen schon herumgesprochen, und immer mehr Interessierte melden sich, die vor der Kamera ihre Gröpelingen-Geschichten erzählen wollen. „Interviewpartner haben wir inzwischen genug – suchen aber noch Bilder zur türkischen und bulgarischen Kultur im Stadtteil“, sagt Köster. Schon seit 1988 macht der Diplom-Pädagoge Filme mit und über Menschen. Unter dem Label „Radio Parkstraße“ drehte er zum Beispiel 1989 den Film „Aufgetaut“ zur Auflösung der Langzeit-Psychiatrie-Klinik Kloster Blankenburg. 2010 erzählte er im 85-minütigen Spielfilm „Tanz mit dem Einhorn“ die Geschichten sieben unterschiedlicher Personen, legte 2013 gemeinsam mit seinem niederländischen Kollegen Ruben van den Belt die Dokumentation „Mobbing und nun ... Mobbing am Arbeitsplatz“ vor und 2014 schließlich den inklusiven Spielfilm „Apostel & Partner“.

Vor rund zehn Jahren war Köster mit der Videokamera in Walle unterwegs, wo er seit damals lebt. Heraus kam dabei eine Art filmische Liebeserklärung an die Menschen rund um die Vegesacker Straße: In dem 75-minütigen Dokumentarfilm „Walle für alle“ erzählten damals 16 Protagonisten wie zum Beispiel die Kulturschaffende Frauke Wilhelm, Künstlerin Delia Nordhaus, Naturkost-Pionier Erwin Jäckel, der Vorsitzende des Bremer Sportvereins (BSV), Peter Warnecke, das „Jomani“-Team oder der 2009 verstorbene Kabarettist, Journalist und Satiriker Ulrich Reineking, besser bekannt als Urdrü, unkommentiert vom alltäglichen Leben in ihrem Stadtteil.

Genauso wollen es die beiden Filmemacher auch jetzt bei ihrer Annäherung an Gröpelingen halten. „Es wird ein Film ohne Kommentar, der zeigt, was die Leute zu sagen haben“, erklärt Köster.

Beim „Gröpelinger Sommer“ sind Köster und Dinh mit türkischen Geschäftsleuten entlang der Lindenhofstraße ins Gespräch gekommen, sie haben Andreas Gebauer und Marion Erfurt von der Stadtbibliothek West getroffen, mit WiN-Quartiersmanagerin Rita Sänze gesprochen oder zum Beispiel die Gröpelinger Künstlerin Dagmar Herrmann interviewt.

Bis November wollen sie noch drehen und dann auf jeden Fall auch beim internationalen Erzählfestival „Feuerspuren“ filmen. Die Premiere ihres Gröpelingen-Films ist für Februar geplant; am allerliebsten würden Köster und Linh den Streifen dann natürlich im Cinespace zeigen – dem großen Kino in Gröpelingen.

Türkisch- oder bulgarischstämmige Gröpelinger – auch Gruppen – die am Film mitwirken möchten, können per E-Mail an j.j.koester@cine-ci.com

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