Fotografie-Lehrlinge der Wilhelm-Wagenfeld-Schule gestalten Ausstellung über Huckelriede

Mit der Kamera durchs Sanierungsgebiet

Grüne Flaniermeile, verschmierte Hausecken und nächtliches Lichterspiel auf den Straßen – der Neustädter Ortsteil Huckelriede zeigt sich jedem Betrachter von einer anderen Seite. Im Auftrag der Verkehrsbehörde haben Fotografen-Lehrlinge von der Wilhelm-Wagenfeld-Schule mit ihren Kameras nun ungewöhnliche Perspektiven von diesem Quartier im Umbruch eingefangen. In einer Fotoausstellung im Siemens-Hochhaus können Besucher sich von dem gelungenen Ergebnis überzeugen.
21.02.2013, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Karin Mörtel
Mit der Kamera durchs Sanierungsgebiet

Philip Meyerdierks hat sich ein paar besondere Schmuddelecken als Motive ausgewählt.

Grüne Flaniermeile, verschmierte Hausecken und nächtliches Lichterspiel auf den Straßen – der Neustädter Ortsteil Huckelriede zeigt sich jedem Betrachter von einer anderen Seite. Im Auftrag der Verkehrsbehörde haben Fotografen-Lehrlinge von der Wilhelm-Wagenfeld-Schule mit ihren Kameras nun ungewöhnliche Perspektiven von diesem Quartier im Umbruch eingefangen. In einer Fotoausstellung im Siemens-Hochhaus können Besucher sich von dem gelungenen Ergebnis überzeugen.

Bremen. Wenn junge Menschen mit der Kamera einen Ortsteil wie Huckelriede erkunden, entdecken sie dabei viele Perspektiven, die selbst den Alteingesessenen noch neu sind, auch wenn sie die Motive bereits kennen. Zu dieser Erkenntnis können Besucher einer Ausstellung von Berufsschülerinnen und -schülern der Huchtinger Wilhelm-Wagenfeld-Schule kommen, die derzeit im Siemens-Hochhaus an der Contrescarpe zu sehen ist.

Im Auftrag der Baubehörde sollten die Schüler des Fotografenhandwerks das Sanierungsgebiet Huckelriede im Wandel dokumentieren. "Das Ergebnis hat mich allerdings vollkommen überrascht", sagte Bianca Urban anlässlich der Ausstellungseröffnung. Die im Bauressort zuständige Abteilungsleiterin für Stadtentwicklung lobte die "wunderbaren Einzelstücke, die die Schüler mit dem Blick durch die Linse auf den Punkt gebracht haben."

Manche Schüler haben sich auch in verborgenere Ecken aufgemacht, zum Beispiel in die Wohnzimmer der Bewohner eines Mietshauses oder in den Hinterhof der Silbermanufaktur Koch und Bergfeld. Dort rostet ein alter Transporter vor sich hin, auf den Fotos strahlt der Ort jedoch eine Würde aus, die der offensichtlichen Vergänglichkeit stand hält.

"Die Behörde hat sich nach anfänglichem Zögern darauf eingelassen, dass wir nicht nur die schönen Seiten zeigen, dafür haben wir inzwischen viele positive Reaktionen bekommen", unterstrich Foto-Dozent Jan Meier, der an der Wilhelm-Wagenfeld-Schule unterrichtet. Ihm sei es sehr wichtig gewesen, dass die Schüler völlig ohne Schranken im Kopf das Sanierungsgebiet erkunden konnten.

Genau aus diesem Grund hat sich Philip Meyerdierks auch ein paar besondere Schmuddelecken rund um die Endhaltestelle Huckelriede als Motive ausgewählt: Graffiti, Müll und baufällige Fassaden sind auf seinen Bildern zu sehen. "Ich wollte die Schwachstellen zeigen, an denen noch etwas passieren muss", sagt der Schüler.

Lars Brandt, Denise Nahrmann und Mareike Brugger wollten dagegen lieber das Nachtleben auf den Straßen einfangen. Die Lichtspur einer vorbeifahrenden Straßenbahn und Arbeiter, die ein Gleis reparieren, seien dafür typisch, finden sie. "Da kann man sehen, dass es nachts vor Ort nicht unbedingt Angsträume sind, sondern dass auf den Straßen ganz normale Menschen unterwegs sind", sagt Nahrmann. Andere Mitschüler haben eindrucksvolle 360-Grad-Panorama-Aufnahmen von der kleinen Weser gemacht und eher die Grünzüge wie den Huckelrieder Park oder den Friedhof als Erholungsraum dokumentiert.

"Ich finde es gut, dass die Schüler auch Seiten des Ortsteils zeigen, die viele von außerhalb aufgrund ihrer Vorurteile nicht erwarten", findet Huckelriedes Quartiersmanager Kay Borchers. Denn auch die abgebildeten schicken Neubauwohnungen und frisch gestalteten Grünanlagen gehörten zu dem neuen Gesicht des Quartiers. Eine Auswahl der Schülerfotos ist künftig auch außerhalb der Ausstellung auf Postkarten und in einer Image-Broschüre des Bausenators über das Sanierungsgebiet zu sehen. Dort allerdings dann doch nur die Fotos, die die schönen Seiten Huckelriedes zeigen.

Die Ausstellung ist bis Freitag, 1. März, von montags bis freitags von 8 bis 18 Uhr im Foyer des Siemens-Hochhauses, Contrescarpe 72, geöffnet. Der Eintritt ist frei.

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