Mein erstes Mal als Chauffeur Mit der Limo immer mittendrin

Andreas Harbaum arbeitete viele Jahre als Taxifahrer, bevor er zum Limoservice wechselte. Warum? Das Taxigewerbe sei problematisch gewesen. Im Artikel berichtet er von seiner ersten Fahrt als Chauffeur.
01.03.2020, 15:10
Lesedauer: 3 Min
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Mit der Limo immer mittendrin
Von Kim Torster

Harbaum, der Funker und die menschenleere Stadt. So habe ich angefangen: als Taxifahrer. Da war ich 20 Jahre alt. Ich bin viel nachts gefahren, quer durch das menschenleere Bremen. Ich habe das geliebt.

Als ich etwa Mitte 20 war, habe ich mir zwei eigene Taxis gekauft und mich so selbstständig gemacht. Und das lief prima. Aber letztendlich hat es meine Ehe zerstört. Immer, wenn einer meiner Fahrer abgesagt hat, bin ich gefahren. Das ist ein enormer Druck, immer abrufbar sein zu müssen.

Mit Mitte 40 habe ich mir dann meine erste S-Klasse gekauft. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt zwar überhaupt keine Ahnung, was ein Limousinenservice ist, aber ich habe einfach losgelegt. Die beiden Taxis habe ich dann recht schnell verkauft, weil es mir zu viel wurde. Aber der Limousinenservice, der wuchs und wuchs und ich sammelte immer mehr Erfahrungen.

Gleich zu Beginn sollte ich einen Gast von Siemens betreuen. Das war eine Südamerikanerin, die ich zwei Wochen durch Bremen gefahren habe. Für mich war damals toll zu sehen, wie viel Umsätze dabei rausgekommen sind. Heute fahren wir die Vorstandsvorsitzenden von Siemens. Das ist ganz normal.

Vor allem zu Beginn war es für mich natürlich aufregend, wenn es darum ging, jemanden direkt nach der Landung mit seinem Privatjet abzuholen. Da musste ich direkt aufs Rollfeld fahren. Und da durfte ich bloß nichts falsch machen, weil man dann vom Folgefahrzeug rund gemacht wird.

Mit den Jahren bin ich zwar entspannter geworden, wenn es um wichtige Menschen ging, aber es war noch nie so, dass ich diesen Menschen gegenüber demütig aufgetreten bin. Freundlich und zurückhaltend, aber mit einem Standing. Ich denke, das ist auch der Grund, wieso ich nie herablassend behandelt worden bin. Natürlich gab es unter meinen Kunden viele arrogante Typen, aber auch viele bodenständige. Ich hatte mal einen Kunden, der gehörte zu den Top 50 der Wirtschaft. Er kam regelmäßig nach Bremen, weil seine Mutter hier wohnte. Und immer, wenn er herkam, wollte er, dass ich bei Kiefert halte, damit er sich eine Bratwurst holen kann. Solche gibt es eben auch.

Erst einige Jahre, nachdem ich den Limousinenservice aufgemacht hatte, habe ich mir eine Stretch-Limo zugelegt. Ich fand vor allem die Junggesellinnen-Abschiede immer toll. Ich habe es regelmäßig geschafft, Hahn im Korb zu werden. Ich bin ja auch kommunikativ – da hat es nie lange gedauert, bis ich eine Gruppe Damen um mich rum hatte. Da kam es auch immer mal wieder vor, dass mich die Frauen zum Feiern mitgenommen haben. Das hat mir schon gut gefallen, das ist genau mein Ding.

Ich habe durch die Stretch-Limousinen auch viele türkische Hochzeiten kennengelernt und wurde dann auch auf ein paar eingeladen. Das fand ich immer sehr spannend. Das ist schon magisch, wenn man auf die Fahrgäste wartet und auf einmal kommt da eine große Gruppe inklusive Trommeln und Flöten an. Das hätte ich doch sonst nie erlebt. Mit der Limo war ich immer mittendrin. Und die Leute waren auch noch froh, dass ich da bin.

Der Grund, wieso ich letztendlich auf die Limousinen umgestiegen bin, ist, weil das Taxigewerbe immer schon problematisch war. Geld zu verdienen ist da nicht so einfach. Taxifahren hatte früher eine echte Magie. Mittlerweile ist ja alles digital, den Funker gibt es nicht mehr. Dafür aber viele Vorschriften. Es ist fürchterlich geworden. Auch die Kundschaft ist – gerade nachts – teilweise grenzwertig. Man erlebt da viel, das muss man nicht haben. Das Klientel im Limousinenservice ist ein ganz anderes.

Heute fahre ich nicht mehr selbst. Ich kümmere mich darum, dass alles läuft. Jetzt geht es mir nur noch darum, mir zu erhalten, was ich mir erarbeitet habe. Es muss nicht immer mehr und mehr sein. Was brauche ich denn noch? Einen Porsche? Ich fahre nicht mal gerne Auto. Nicht mehr. Ich habe eine Bob-Karte und fahre Straßenbahn. Und ich habe eine Bahncard – ich liebe Bahnfahren.

Aufgezeichnet von Kim Torster.

Info

Zur Person

Andreas Harbaum

ist 58 Jahre alt und Inhaber eines Limousinenservice in Bremen. Angefangen hat er als Taxifahrer, später arbeitete er als Chauffeur. Heute fährt Harbaum nicht mehr selbst.

Er lebt in einem Einfamilienhaus in Habenhausen.

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