Klimaforscherin Ursula Schauer Mit der Polarstern ins ewige Eis

Bremen. Mit der 'Polarstern' ins Eis fahren, inmitten von Gletschern und endlosen wasser- und schneebedeckten Weiten arbeiten - das klingt spannend. Und das sei es auch, sagt Professorin Ursula Schauer vom Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven. Vor allem aber laufe dort Grundlagenforschung, die dringend notwendig ist, um die Funktion der Polarsysteme, die als entscheidend für die Entwicklung des Erdklimas angesehen werden, zu verstehen. In ihrem Vortrag beim Frauenkultur- und Bildungszentrum Belladonna sprach die Ozeanografin über ihre Arbeit.
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Von Sandra TöBE

Bremen. Mit der 'Polarstern' ins Eis fahren, inmitten von Gletschern und endlosen wasser- und schneebedeckten Weiten arbeiten - das klingt spannend. Und das sei es auch, sagt Professorin Ursula Schauer vom Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven. Vor allem aber laufe dort Grundlagenforschung, die dringend notwendig ist, um die Funktion der Polarsysteme, die als entscheidend für die Entwicklung des Erdklimas angesehen werden, zu verstehen. In ihrem Vortrag beim Frauenkultur- und Bildungszentrum Belladonna sprach die Ozeanografin über ihre Arbeit.

'Polarforschung braucht eine große Infrastruktur und Logistik. Entweder man macht es mit sehr viel Geld, sehr viel Aufwand oder gar nicht', sagt die wissenschaftliche Leiterin zahlreicher Expeditionen ins Eis, unter anderem auch mit der deutschen 'Polarstern'.

Bei diesen Forschungsreisen werden in erster Linie Daten zu klimarelevanten Faktoren in den Polargebieten gesammelt. Dass es zu einer globalen Erwärmung gekommen ist, bestätigen Messwerte, die bis ins Jahr 1880 zurückgehen. Demnach verzeichnen vor allem die nördlichen Regionen Nordamerikas, wie beispielsweise Kanada, deutlich höhere Werte. 'Deutschland ist zurzeit gar nicht so sehr betroffen', sagt Schauer.

Zu den klimarelevanten Faktoren in der Arktis, die im Gegensatz zur Antarktis im Wasser liegt, gehört beispielsweise der Eisschild Grönlands, der zurzeit noch drei Kilometer dick ist. 'Es gibt Anzeichen, dass das weniger wird', betont die Ozeanografin. Auch der Permafrost, der etwa 25 Prozent der Kontinentalflächen bedeckt, könnte eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung des Klimas spielen. Sollte dieser Dauerfrostboden auftauen, würde Methan freigesetzt, ein Treibhausgas, das für die Atmosphäre schlimmer ist als Kohlendioxid. Dadurch würden sich der Treibhauseffekt und damit auch der Tauvorgang verstärken.

Der Professorin geht es nicht darum, Weltuntergangsszenarien aufzubauen. Zu komplex gestaltet sich das Ökosystem der Polarregionen, um aus den Daten eines extrem warmen Jahres wie beispielsweise 2007, als die Eisdecke auf ein Rekordminimum von einem Meter geschrumpft war, eine langfristige Zukunftsprognose zu erstellen. Quantität und Qualität der Daten spielen eine große Rolle für die anschließende Analyse, weshalb auch das Alfred-Wegener-Institut ständig an einer Verbesserung der Messverfahren arbeitet.

'Die billigste Methode um die Eisdicke zu messen ist: Man bohrt ein Loch', sagt Schauer ein wenig scherzhaft. Für eine regelmäßige und großflächige Erhebung von Daten ist diese Methode natürlich zu umständlich. Also hat man im Institut ein elektronisches Verfahren entwickelt, bei dem eine Sonde am Hubschrauber oder Flugzeug befestigt wird, die den Abstand zum Wasser und damit die Eisdicke ermittelt. Auch der Satellit CryoSat 2, seit April 2010 über Grönland und der Antarktis im Einsatz, übermittelt Daten über die Meereisausdehnung und die Eisdicke.

Besonders stolz ist man in Bremerhaven auf ein Gemeinschaftsprojekt mit Norwegen, bei dem man eine Sonde entwickelt hat, die bis in Tiefen von fünf Kilometern herabgelassen und verankert werden kann. 'Ein kleines Wunderwerk', meint Ursula Schauer. Über einen Zeitraum von bis zu zwei Jahren sammelt dieses 'Bündel elektronischer Sensoren' Daten über Temperatur und Salzgehalt des Wassers und entnimmt Wasserproben. Sie geben Aufschluss über die Ozeanzirkulation, also das System von warmer Oberflächenströmung und kalter Tiefenströmung, die unser Klima entscheidend mitgestalten.

Bei aller Euphorie über die Möglichkeiten der Polarforschung heute und im Wissen darum, dass sie zum Verständnis unseres Klimas zwingend notwendig ist, ganz unproblematisch ist sie nicht. 'Durch die Fahrten tragen wir zur Treibhausproduktion bei', merkt Schauer an. 'Die Akustik ist ebenfalls ein Punkt.' Aber auch da gibt es hohe Auflagen. 'Wenn man etwas untersucht, greift man immer ein', betont die Ozeanografin, die auch im nächsten Jahr wieder eine Expedition mit der 'Polarstern' in die Arktis leiten wird.

Ursula Schauer wurde in Berlin geboren, studierte dort zunächst zwei Semester Physik, bevor sie nach Kiel überwechselte und dort Ozeanografie studierte. In diesem Bereich promovierte sie auch. Danach ging sie nach Hamburg zum Deutschen Hydrographischen Institut. Seit 1989 ist sie als Ozeanografin beim Alfred-Wegener-Institut Bremerhaven. Ihr Forschungsschwerpunkt ist die globale Tiefenzirkulation.

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