2. Darts-Cup im Weserpark

Mit der Präzision des mehrfachen Weltmeisters

Raymond van Barneveld war der Topstar eines ungewöhnlichen Event-Formats. Der Niederländer war einer von vier Darts-Profis, die sich im Weserpark vor mehreren Hundert Zuschauern mit Breitensportlern maßen.
04.01.2020, 21:32
Lesedauer: 4 Min
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Mit der Präzision des mehrfachen Weltmeisters
Von Jörg Niemeyer
Mit der Präzision des mehrfachen Weltmeisters

Der fünffache Weltmeister Raymond van Barneveld trat erst kürzlich vom Wettkampfsport zurück.

Frank Thomas Koch

Raymond van Barneveld kennt die großen Darts-Bühnen der Welt. Noch Mitte Dezember warf er seine Pfeile bei der WM im legendären Alexandra-Palace, dem „Ally Pally“ in London. Am Sonnabend hat der 52-jährige Niederländer nun auch den Lichthof des Weserparks kennengelernt. Und er hat kein Problem damit, auf kleiner Bühne in einem Einkaufszentrum anzutreten. „Bremen ist eine Hochburg unseres Sports“, sagt er, „es ist ein gutes Gefühl, vor Hunderten Menschen zu spielen und zu sehen, wie beliebt Darts ist.“

Seit Mitte Dezember 2019, seit seinem WM-Erstrunden-Aus gegen den US-Amerikaner Darin Young, ist Raymond van Barneveld kein Topsportler mehr. Er hat, wie bereits seit Oktober 2018 geplant, seine Laufbahn als Aktiver beendet. Er war, na klar, mit dem Abgang in Runde eins nicht zufrieden. Aber wirklich überraschend kam das frühe Aus auch nicht. „Wenn du nicht gewinnst, verlierst du jedes Mal“, sagt er. Klingt banal in einer Sportart, in der es kein Unentschieden gibt.

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Weil die Erfolge in den vergangenen Jahren mehr und mehr ausgeblieben waren, reifte im fünffachen Weltmeister der Entschluss zum Ausstieg kontinuierlich heran. Kein Vertrauen mehr in die eigene Spielstärke, keine Treffsicherheit: „Dann musst du es aufgeben“, sagt er. Und hat es gemacht. Auch deshalb, „weil das Leben als Dartspieler nicht gesund ist“. Als Diabetiker muss er sehr auf seine Ernährung achten, und das viele Reisen wird ihm künftig auch nicht fehlen.

Raymond van Barneveld hat 35 Jahre lang Darts gespielt. Eine zu lange Zeit, um einfach nur tschüss zu sagen und weg zu sein. Der ehemalige Postzusteller wird dem Sport erhalten bleiben. Einige Male im Jahr als Spieler in Teamwettbewerben, als Experte und Analyst im Fernsehen. Der Niederländer will seine Sprachkenntnisse so verbessern, dass er hierzulande in Deutsch für Darts werben kann. Seine Hauptaufgabe, da hat van Barneveld keine Zweifel, wird aber das Coaching von Spielern werden.

Dart Veranstaltung im Weserpark - Jamie Caven

Der englische Darts-Profi Jamie Caven wendet sich genervt von der Scheibe ab.

Foto: Frank Thomas Koch

Das Treiben von der Galerie aus verfolgen

Dass Raymond van Barneveld ein Großer seiner Zunft ist, zeigt sich auch hier in Bremen. Für den zweiten Darts-Cup im Weserpark haben die Veranstalter, Weserpark-Marketing-Manager Dennis Bastuck und die Firma N&M Dart Events, 100 Stühle im Lichthof aufgestellt. Schon zwei Stunden vor dem ersten Wurf am Samstag sind die Stühle vor der Bühne besetzt. Als die Show mit den vier Profis Gabriel Clemens, Peter Manley, James Caven und Raymond van Barneveld gegen 13 Uhr beginnt, stehen die Menschen dichtgedrängt in Mehrfachreihen um die Sitzplätze herum und auch eine Etage höher, um von der Galerie aus das Treiben unten zu verfolgen.

„One hundred eigthy-y-y-y-y“, in Ziffern übersetzt 180, rufen die sogenannten Caller, also die Schiedsrichter, in englischer Sprache heute häufig. 180 ist der Höchstwert, den ein Spieler mit den drei Pfeilen einer Spielaufnahme erreichen kann. 180 heißt: Alle drei Darts landen in der dreifachen 20 der Dartscheibe – das ist die schmale, besonders gekennzeichnete Zone im Scheibensegment mit dem Spielwert 20. Raymond van Barneveld lässt sich nicht lumpen. Eben noch mit Riesenapplaus begrüßt, gelingt dem Ex-Champion immer mal wieder eine 180. Jedes Mal jubelt das Publikum, einige Zuschauer recken Schilder in die Höhe, auf denen eine 180 steht.

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Es ist eine richtige Gaudi an diesem Nachmittag. Cool gewinnen die Profis ihre Legs, wie die Spielabschnitte heißen, in denen die Spieler die vorgegebenen 501 Punkte auf Null bringen sollen. Cool zu sehen, wie locker die Stars das machen. Er liebe diese Spielsituationen ohne Druck, sagt van Barneveld. „Wenn du gewinnst, gewinnst du. Wenn du verlierst, verlierst du.“ Es hat keine Folgen – im Gegensatz zur Niederlage bei einer WM.

Das Schöne im Weserpark ist das Programm: kein Turnier, kein Erfolgsdruck, sondern nur Showwettkämpfe zwischen Profis und Amateuren. Letztere konnten sich entweder am Freitag beim ernsthaften Turnier mit Siegern und Verlierern – und insgesamt 4000 Euro Preisgeld – für ein Duell am Sonnabend mit ihren Idolen qualifizieren, oder sie wurden mehr oder weniger spontan vom Moderator und Dartsexperten Tomas „Shorty“ Seyler aus Bremen auf die Bühne gerufen.

Dart Veranstaltung im Weserpark - Thomas Munkelt

Der Rollstuhlfahrer Thomas Munkelt hat seinen Kurzauftritt gegen Raymond van Barneveld genossen.

Foto: Frank Thomas Koch

Amateure sind stolz und ergriffen

Alle kommen heute auf ihre Kosten. Die Profis, die später noch eifrig Autogramme schreiben, haben ihren Spaß ebenso wie die Zuschauer. Und die Amateure sind stolz und ergriffen zugleich, weil sie sich mit ihren Lieblingen messen dürfen. „Ich bin eigentlich nur als Zuschauer gekommen“, sagt beispielsweise Thomas Munkelt aus Bückeburg. Der Rollstuhlfahrer, selbst begeisterter Dartsspieler, will die Profis erleben und sich und seinen Freunden daheim Autogramme besorgen.

Dann fällt er fast aus allen Wolken, als „Shorty“ Seyler ihn auf die Bühne bittet – zum Duell mit Raymond van Barneveld. „Jetzt schwebe ich da oben – ganz ohne Flügel“, sagt Munkelt, legt beseelt seinen Kopf in den Nacken und zeigt mit den Fingern nach oben. Einen Wunsch hat er auch noch: Die Dartsszene insgesamt möge ihren Nachholbedarf in Sachen Paradarts, also Behindertensport, schnell tilgen. Auch Karin Schröder kann ihr Glück kaum fassen. Die Ex-Bremerin lebt seit zehn Jahren in Luzern in der Schweiz und reiste extra wegen des Events mal wieder in ihre Heimat. Ihre Belohnung: Auch sie darf mit Raymond van Barneveld die Bühne teilen. Egal, dass es nur eine kleine ist.

Info

Zur Sache

Bremer gewinnt Männer-Turnier

Der Darts-Cup im Weserpark bestand auch bei seiner zweiten Auflage aus zwei Teilen: dem Show-Tag am Sonnabend mit den Darts-Profis und einem Preisgeld-Turnier am Freitag. Dabei qualifizierten sich die Besten der Altersklassen für ein Kräftemessen mit den Topstars der Szene. Die Finalisten des Jugend-Turniers, der spätere Sieger Nils Schierbrock aus Beckum und Silas Christians aus Uthlede, traten am Sonnabend im Team gegen den Niederländer Raymond van Barneveld und den Deutschen Gabriel Clemens an.

„Das war ganz cool“, sagte der 14-jährige Silas Christians, „es hat viel Spaß gemacht, auch wenn ich ein bisschen nervös war.“ Ex-Weltmeister van Barneveld beendete das ungleiche Duell mit seinem Game Shot, dem letzten Pfeil des Legs. Bei den Frauen setzte sich die in Russland geborene deutsche Nationalspielerin Irina Armstrong durch. Bei den Männern triumphierte mit Andree Welge ein Bremer: Der 47-jährige mehrfache deutsche Meister und Nationalspieler und Bundesliga-Akteur des DC Vegesack sicherte sich den Siegerscheck über 1500 Euro.

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