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Mit diesen Tipps gelingt ein nachhaltigeres Weihnachtsfest

Weihnachten wird Konsum regelrecht zelebriert, die Öko-Bilanz des Festes ist hingegen weniger berauschend. Dabei gibt es für viele Bräuche Alternativen. Sieben Tipps für ein nachhaltiges Weihnachtsfest.
19.12.2019, 14:30
Lesedauer: 5 Min
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Von Eleni Maurischat
Mit diesen Tipps gelingt ein nachhaltigeres Weihnachtsfest

Adventskranz mit nachhaltiger Dekoration aus getrockneten Orangen, Zimtstangen, Tannenzapfen und Schokoladenfiguren.

ARNO BURGI

Im Weihnachtsstress laufen viele Menschen mit Tüten in den Händen durch die Stadt. Sie sind auf der Suche nach dem perfekten Weihnachtsgeschenk. Auch wenn das Bewusstsein für Nachhaltigkeit und Umweltschutz vieler immer größer wird, steigert sich das Konsumverhalten zur Weihnachtszeit enorm. Laut Prognose des Handelsverbands Deutschland wird das Weihnachtsgeschäft dieses Jahr erstmals die 100-Milliarden-Euro-Grenze durchbrechen. Der WESER-KURIER hat Tipps zusammengestellt, wie Weihnachten nachhaltiger gestaltet werden kann.

Nachhaltigkeitstipp Nr. 1: Die Verpackungen

Zur Weihnachtszeit erhöht sich laut dem Rohstoffmanagement Bremen der Verpackungsmüll. Eine Studie belegt, dass der pro Kopf Verbrauch 2017 bei 226,5 Kilogramm lag, 2016 waren es noch fast vier Prozent weniger. Viele Verpackungen werden falsch entsorgt. Zu Weihnachten ist es vor allem das Geschenkpapier, das oft im Altpapier landet. Allerdings ist Geschenkpapier in vielen Fällen beschichtet. Diese Beschichtung besteht meist aus Kunststofflacken oder -folien oder Plastik. Solches Papier wird im Gelben Sack oder der gelben Tonnen entsorgt.

Um bei den Verpackungen die Öko-Bilanz des Festes zu verbessern, kann man auf Recycling setzen und alte Zeitungen, Kalender- und Notenblätter, selbst gebastelte Collagen aus Magazin-Bildern oder eigenen Fotos zum Einpacken der Geschenke verwenden. Oder die Verpackung selbst zum Geschenk machen: Blechdosen, verzierte Schachteln Küchenhandtücher, Stoffsäckchen, bemalte Gläser. „Die Auswahl ist groß“, erklärt Alexander Meier von Greenpeace Bremen.

Nachhaltigkeitstipp Nr. 2: Die Geschenke

Laut einer Umfrage kaufen 46,5 Prozent der Befragten Gutscheine zum Weihnachtsfest. Dieser Trend ist vor allem gewachsen, um Umtausche zu vermeiden. Trotzdem müssen nach Weihnachten viele Geschenke zurückgegeben werden. Vor allem bei online gekauften Artikeln ist das problematisch: Laut Studie der Uni Bamberg werden die meisten Artikel nach dem Rückversand nicht weiterverkauft, sondern weggeschmissen.

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Um die Suche nach nachhaltigen Produkten zu vereinfachen, gibt es Shops, die sich auf Öko-Produkte spezialisiert haben. Ein weiterer Tipp sind auch regionale Geschäfte: In Bremen haben sich die „Bremer Stadtfabrikanten“, Manufakturen aus Bremen, zusammengeschlossen und achten auf einen nachhaltigen Umgang mit ihren Produkten. Außerdem gibt es Märkte, die handgefertigte Artikel verkaufen und wissen, was in den Produkten steckt.

Laut Hannah Meyer von Greenpeace Bremen ist auch das Upcycling von Produkten eine nachhaltige Geschenkalternative und könne helfen, den Konsum generell zu reduzieren: „Selbstgemachte Kosmetik oder Zero-Waste-Ideen in upgecycelter Geschenkverpackung finde ich immer gut.“ Geschenke wie Keksmischungen, Gestricktes oder Erlebnisse, könnten sowohl beim Herstellen als auch beim Verschenken Freunde bereiten. Auch Zeit selbst, in Form von Erlebnissen, sei ein nachhaltiges Geschenk. „Noch dazu spart das wohl die meiste Verpackung.“

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Wer nicht nur selbst beschenkt werden will, wünscht sich ein Spendengeschenk oder eine Patenschaft für den guten Zweck. Die Organisation sollte mit dem Spendensiegel, das seriöses Spenden verspricht, gekennzeichnet sein.

Nachhaltigkeitstipp Nr. 3: Der Einkauf

Zu Weihnachten bietet es sich an, vieles selber zu machen. „Es gibt drei Ebenen beim nachhaltigen Einkaufen: biologische, regionale und saisonale Artikel“, erklärt Hannah Meyer. Wenn es doch etwas Fertiges sein soll, raten die Experten von Greenpeace im Unverpackt-Laden einzukaufen. Auch der Weihnachtsmarkt bietet eine gute Gelegenheit zum unverpackten Einkaufen.

Nachhaltigkeitstipp Nr. 4: Das Essen

Ein weiterer Weihnachtsbrauch ist der Festtagsbraten. Der WWF hat mit seinem Einkaufsführer eine Richtlinie für ökologischen Einkauf von Fisch und Fleisch-Artikel entworfen, der es Verbrauchern erleichtert, nachhaltiger einzukaufen. Zudem rät Meier zu hinterfragen, woher das Futter der Tiere stammt: „Viele Masttiere werden mit Soja gefüttert, das zum Beispiel im Gebiet des Amazonas angebaut und dann nach Deutschland transportiert wird.“

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Das Weihnachtsfest kann auch ein guter Anlass sein, Alternativen zur klassischen Wahl des Menüs auszuprobieren: „Vegetarische Ernährung würde ich immer unterstützen, denn Fleisch gehört in der Landwirtschaft zu den Produkten, die in der Produktion am meisten Treibhausgase verursachen“, sagt Alexander Meier. Meyer hält die Ergänzung des traditionellen Weihnachtsmenüs um einige vegetarische oder vegane Gerichte für den besten Mittelweg.

Nachhaltigkeitstipp Nr. 5: Die Deko

Kaum ein Fest wird mit mehr Dekoration zelebriert als Weihnachten. Das fängt beim Adventskranz an und hört beim Weihnachtsbaum noch lange nicht auf. Lichterketten, Plastik-Kugeln und -rentiere soweit das Auge reicht. „Wer sich Dekoration kauft, sollte auf etwas Zeitloses setzten, das lange gefällt“, meint Alexander Meier.

Natürliche Dekoartikel sind eine Alternative: Wer sich beim Spazierengehen genauer umschaut, entdeckt Tannenzapfen, knorrige Äste, Eicheln, Kastanien und Moos. Mit Farbe und Bastel-Utensilien werden aus den recycelten Naturprodukten Dekoartikel – und das fast kostenlos. Außerdem lohnt ein Blick in die Vorratskammer: Getrocknete Orangenscheiben, Mandarinen, Nüsse und Zimtstangen geben eine traditionelle und nachhaltige Dekoration ab. Diese lassen sich mit Bindfäden an den Weihnachtsbaum hängen oder auf den Adventskranz stecken.

Glänzende Lichter sind für viele ein Stimmungsmacher zu Weihnachtszeit. Überall, wo es der Brandschutz erlaubt, können Kerzen als ökologischere Alternative zu elektrischem Licht eingesetzt werden. Beim Kauf sollte man auf Paraffin-Kerzen verzichten. Alternativen sind Kerzen aus natürlichem Material wie Bienenwachs oder aufbereitetem Fett aus der Gastronomie.

Nachhaltigkeitstipp Nr. 6: Der Baum

Alternative Weihnachtsbäume sind laut sozialen Netzwerken ein Trend. Weihnachtsbäume aus Ästen, ausgedienten Büchern und Zeitungen, an die Wand gemalt oder gehängt, die Möglichkeiten sind nahezu endlos. Solche nicht-verwelkenden Alternativen lassen sich wiederverwenden und schonen den Geldbeutel. Kreative Inspirationen und Tipps für Öko-Deko liefert auch die Fotostrecke zu Alternativen-Weihnachtsbäumen.

Wer trotzdem nicht auf einen Nadelbaum verzichten möchte, kann auf regionale und öko-zertifizierte Bäume setzten.

Nachhaltigkeitstipp Nr. 7: Die Aktivitäten

Auch beim weihnachtliche Freizeitprogramm kann man auf Nachhaltigkeit setzten. Weihnachtsmärkte mit ökologischem und veganem Angebot verbessern die eigene Öko-Bilanz. In Bremen gibt es immer wieder Veranstaltungen, die bewusst auf Nachhaltigkeit setzen: Beispielsweise die regelmäßig veranstalteten Kleidertauschparties, bei denen Kleidungsstücke die Besitzer wechseln und so nicht entsorgt werden müssen. Außerdem ist das altbekannte Schrottwichteln eine ideale nachhaltige Weihnachtsbeschäftigung. Während der Feiertage möchten viele etwas zurückzugeben. Suppenküchen freuen sich über Unterstützung und Bedürftige über Care-Pakete, die von wohltätigen Organisationen versendet werden.

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