Rotary-Club unterstützt Hauptschüler Mit ehrenamtlicher Hilfe zum Traumjob

Bremen. Norbert Schulz hat es geschafft. Der 17-Jährige steht seit zwei Monaten in der Küche des Hotel Munte am Stadtwald und macht eine Ausbildung zum Koch - seinem Traumberuf. Dass er sein Ziel erreicht hat, ist nicht selbstverständlich.
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Mit ehrenamtlicher Hilfe zum Traumjob
Von Matthias Lüdecke

Bremen. Norbert Schulz hat es geschafft. Der 17-Jährige steht seit zwei Monaten in der Küche des Hotel Munte am Stadtwald und macht eine Ausbildung zum Koch - seinem Traumberuf, wie er sagt. Dass er dieses Ziel erreicht hat, ist nicht selbstverständlich. Denn Norbert hat lediglich die Erweiterte Berufsbildungsreife, die früher einmal Hauptschulabschluss hieß und nach Chancenlosigkeit klang. Doch die Chancen für Schüler wie ihn werden größer - auch, weil sich ehrenamtliche Paten ihrer annehmen.

Vor ein paar Jahren noch wäre Norbert Schulz' Bewerbung im Hotel Munte wohl noch aussichtslos gewesen. "Wir haben lange Zeit nur Bewerber mit höheren Abschlüssen eingestellt", erzählt Geschäftsführer Jan Pauls. Er kann sich das noch erlauben, bei 120 Bewerbungen und derzeit 11 Ausbildungsplätzen in seiner Küche. Doch auch bei Pauls hat inzwischen ein Umdenkprozess eingesetzt, wie er sagt. Der Grund dafür ist der demografische Wandel, die Tatsache, dass die Gesellschaft immer älter wird, und es immer weniger Schulabgänger gibt, die sich auf einen Ausbildungsplatz bewerben.

Viele Möglichkeiten

Dieser Wandel macht sich inzwischen bemerkbar, wie auch Susanne Schäfer, Berufsberaterin in der Agentur für Arbeit Bremen berichtet. "In den letzten Jahren haben viele Jugendliche, von denen ich gedacht hätte, dass wir sie mit einer Förderung unterstützen müssen, auch so einen Ausbildungsplatz bekommen", sagt sie. Deswegen ist sie auch überzeugt: "Es gibt ausreichend Möglichkeiten für Hauptschüler", erklärt sie, "die Frage ist allerdings: Kennen die Schüler diese Möglichkeiten?"

Denn auf dem Ausbildungsmarkt hat sich in den letzten Jahren einiges verändert. Förderinstrumente wie die Einstiegsqualifizierung - eine Art Langzeitpraktikum, das auch dazu dienen soll, mit Betrieben in Kontakt zu treten - sind hinzugekommen. Aber auch die Ausbildungsberufe selbst sind zum Teil neu geordnet worden. Stufenmodelle sollen qualifizierende Abschlüsse auch auf niedrigerem Niveau anbieten.

Denn in vielen Berufen sind die Anforderungen gestiegen. Es ist ein Versuch, denen entgegen zu kommen, die nicht so viel theoretisches Wissen aus der Schule mitbringen. Fachkräftemangel und demografische Entwicklung machen es nötig. Und doch: Die Industrie klagt nicht nur über zu wenig Fachkräfte, sie klagt auch über schlecht qualifizierte Bewerber. "Einfache Dinge wie Schreiben, Lesen und Rechnen werden zum Teil nicht beherrscht", berichtet Frank-Dieter Lutz, stellvertretender Leiter für Aus- und Weiterbildung bei der Bremer Handelskammer. Gravierender noch ist aber eine andere Entwicklung, die auch Susanne Schäfer beobachtet hat - und die auch andere Schulformen betrifft. "Probleme wie unentschuldigte Fehlzeiten haben in den letzten Jahren zugenommen" sagt sie, "und die Arbeitgeber achten verstärkt darauf, denn für sie ist es ein Zeichen für Unzuverlässigkeit."

So geht auch Jan Pauls vor. Schüler mit vielen unentschuldigten Fehltagen oder Fünfen auf dem Zeugnis haben bei ihm keine Chance. Und selbst, wenn sie seine Kriterien erfüllen, haben diejenigen die früher Hauptschüler genannt wurden, es bei ihm nicht leicht. Ein sechstägiges Praktikum machen bei Pauls alle potenziellen Auszubildenden. Doch an ein solches kommt man mit Erweiterter Berufsbildungsreife derzeit nur über Beziehungen

Norbert Schulz hatte diese Beziehungen. Der Rotary Club Bremen-Bürgerpark hat sich Schülern der Albert-Einstein-Schule angenommen und sie im Jahr vor dem Abschluss begleitet - mit Workshops, Hilfe bei der Bewerbung und Gesprächen über die beruflichen Wünsche und Möglichkeiten. "Viele Schüler brauchen jemanden, der immer wieder nachhakt ", sagt Hans-Uwe Stern, ehemaliger Geschäftsführer der Bremer Arbeitsagentur und Initiator des Projektes. "Viele Eltern können das nicht leisten und ein Pate genießt bei vielen Jugendlichen noch einmal eine andere Autorität."

Der Pate als Türöffner

13 Schüler bekamen im letzten Schuljahr einen Paten von den Rotariern, sieben von ihnen gehen weiter zur Schule, sechs haben jetzt einen Ausbildungsplatz. Auch, weil Stern etwa bei seinem Paten Norbert Schulz noch mehr tat, als am Ball zu bleiben. Er öffnete eine Tür, die Schulz sonst wohl verschlossen geblieben wäre, die Tür zur Küche im Hotel Munte. "Wenn man Unternehmen direkt anspricht, kann man mitunter dafür sorgen, dass die Bewerber nicht direkt durchs Rost fallen", sagt Stern.

Diese Erfahrung hat auch Uwe Labatzki gemacht. Er ist Koordinator der Bremer Ausbildungsbrücke. Denn die Rotarier sind nicht die einzigen in Bremen, die Schülern die Hilfe eines Paten anbieten. Die Ausbildungsbrücke startete als Initiative des Diakonischen Werks 2008 in Berlin. Ein Jahr später kam sie auch nach Bremen, inzwischen ist sie bundesweit in 36 Städten aktiv. Und hier geht die Unterstützung sogar noch weiter. Nicht nur bis zum Ende der Schulzeit will die Ausbildungsbrücke die Jugendlichen begleiten, sondern über einen Zeitraum von drei bis vier Jahren, bis sie ihre erste Stelle antreten. In Bremen unterstützt die Ausbildungsbrücke Jugendliche an vier Bremer Schulen, 50 Paten hat sie dafür schon gewinnen können. - bei weitem nicht genug. Die Zahl der Interessenten ist so groß, dass eine Warteliste eingerichtet werden musste.

Denn die Jugendlichen wissen, wie hilfreich so ein Pate sein kann. "Dadurch habe ich eine Ausbildungstelle ergattert", sagt Norbert Schulz, "das hat mich sehr gefreut." Und mehr noch: "Wenn ich in der Berufsschule erzähle, wo ich meine Ausbildung mache, dann schauen mich viele beeindruckt an", erzählt er, "das Hotel hier ist schon sehr bekannt."

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