Therese und Garrelt Garrels pflegen die Kultursprache Mit einem "Moin" ist alles gesagt

Hemelingen. Noch können viele Platt verstehen, aber immer weniger können Platt sprechen. Am "Plattdüütschen Dischkring'"sind einige von ihnen rgelmäßig zu finden.
31.03.2010, 12:23
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Mit einem
Von Ulrike Troue

Hemelingen. Noch können viele Platt verstehen, aber immer weniger können Platt sprechen. Am "Plattdüütschen Dischkring" sind einige von ihnen rgelmäßig zu finden. Die für jeden offene Gesprächsrunde "Hoch un Platt, von beiden wat" im Bürgerhaus Hemelingen geht heute um 19 Uhr ins achte Jahr. Unsere Redakteurin Ulrike Troue sprach mit den Initiatoren, Therese und Garrelt Garrels, über ihr Engagement für den Erhalt der plattdeutschen Sprache.

Frage: Welchen Bezug haben Sie persönlich zur Plattdeutschen Sprache?

Therese Garrels:Wir sind plattdeutsch aufgewachsen. Das ist unsere Muttersprache.

Was genau war der Anlass für Sie, den plattdeutschen Gesprächskreis in Hemelingen zu gründen?

Therese Garrels:Wir sind vom Bürgerhausleiter Wilfried Mammes angesprochen worden. Er wollte etwas Plattdeutsches anbieten. Zuerst waren Kurse vorgesehen. Aber die Resonanz war nicht wie erhofft.

Garrelt Garrels:Daraufhin haben wir einen offenen Gesprächskreis angeboten.

Womit beschäftigt sich der Dischkring inhaltlich und welche sonstigen Aktivitäten sind damit verbunden?

Therese Garrels:Mit Tagesthemen, mit Hemelingen und umzu und sehr viel mit der plattdeutschen Sprache, weil viele Mitglieder gebürtig aus verschiedenen Regionen sind und alle unterschiedlich sprechen.

Garrelt Garrels:Im Winter machen wir auch immer einen Ausflug mit Mittagessen und Spaziergang, in diesem Jahr nach Habenhausen.

Wie setzt sich die Runde zusammen?

Therese Garrels:Die meisten sind über 50, Rentner, und bis auf eine sprechen alle Platt. Alles Leute, die Plattdeutsch pflegen.

Garrelt Garrels:Der Dischkring ist ein offener Gesprächskreis. Es geht ganz locker zu und heißt ja "Hoch un Platt, von beiden wat". Denn auch diejenigen, die nicht Plattdeutsch sprechen, aber das verstehen und sich damit beschäftigen, sollen kommen.

Therese Garrels:Es gibt viele Leute, die so gar keine Gelegenheit mehr zum Sprechen haben, weil zum Beispiel der Ehepartner diese Sprache gar nicht kann.

Was hat aus ihrer Warte dazu geführt, dass Plattdeutsch aus dem Alltag nahezu verschwunden ist?

Therese Garrels:Das liegt weit zurück. Nach dem Krieg kamen viele Flüchtlinge, die verstanden kein Platt, so hat man sich arrangiert - auf Hochdeutsch. Und der zweite Grund war, dass die Kinder in der Schule zurechtkommen mussten, wo Hochdeutsch gesprochen wurde. Heute erübrigt sich das, weil die Schüler schon durch die vielen Medien Hochdeutsch lernen.

Es werden Rettungsversuche für den Erhalt der Sprache unternommen, zum Beispiel der Plattdeutsch-Lesewettbewerb in den Schulen. Doch er leidet ebenso unter sinkenden Teilnehmerzahlen wie Laienspielgruppen unter Nachwuchsmangel. Werden die falschen Angebote gemacht?

Garrelt Garrels:Nein, es gibt viele plattdeutsche Veranstaltungen zum Beispiel einmal im Monat in der Stiftungsresidenz Luisental, aber auch in allen Stadtteilen und jedes Jahr plattdeutsches Theater, so ist die "Neestädter Speeldeel" ganz aktiv.

Therese Garrels:Eigenartigerweise hat Platt auf dem Land mehr Erfolg.

Wie könnte Ihrer Ansicht nach bei jüngeren Menschen wieder (mehr) Interesse für Platt geweckt werden?

Therese Garrels:In der Stadt, wo die Sprache nicht benutzt wird, ist es schwer, weil die Jugend zur Hälfte schon Englisch spricht. Überall sieht man in den Läden fast nur noch englische Worte.

Garrelt Garrels:Plattdeutsch müsste in der Schule stärker forciert und die Lehrerausbildung integriert werden, sonst fehlt die Durchschlagkraft. Aber ich finde, Plattdeutsch hat sich behauptet.

Sie meinen, die Niederdeutsche Sprache, sei im Allgemeinen im Kommen. Woran machen Sie das fest?

Therese Garrels:In Ostfriesland redet zum Beispiel im Kindergarten eine Betreuerin Hochdeutsch mit den Kindern und eine nur Plattdeutsch. Aber es fehlen Kräfte, die das bewerkstelligen könnten. Dazu kommt manchmal auch Schwellenangst.

Garrelt Garrels:"Moin moin" war lange verpönt, da wurde man als "Sabbelmors" angesehen. Aber ein kurzes "Moin" zur Begrüßung breitet sich immer weiter aus. Das Wort "Moin" kommt aus dem Ostfriesischen, ein Gruß zu jeder Tageszeit. Er bedeutet im weitesten Sinn soviel wie schön, fein, wunderbar. Das 'Moin' heißt am Morgen schönen guten Morgen, und das Moin um Mitternacht eben gute Nacht. Mit einem freundlichen 'Moin' ist alles gesagt. Sogar Moderatoren benutzen es wieder des Öfteren.

Lässt sich davon ableiten, dass die plattdeutsche Sprache direkter, unkomplizierter und vielleicht sogar persönlicher ist?

Garrelt Garrels:Ja, eindeutig.

Therese Garrels:Man kann mit wenigen Worten viel sagen. Schimpfen auf Platt ist zum Beispiel nie beleidigend.

Worin liegt Ihre Motivation, sich für den Erhalt der Sprache einzusetzen?

Garrelt Garrels:Für Ostfriesen ist es ein Stück Kulturgut, Plattdeutsch genauso ein Stück Alltag wie die Tasse Tee. "Un twee düütske Spraken sünd mehr as een."

Therese Garrels:Die Sprache ist hochinteressant. Es gibt hervorragende plattdeutsche Literatur, daher haben wir uns mehr oder weniger da reingekniet.

Der "Plattdüütsch Dischkring" trifft sich ab 1. April immer am ersten Donnerstag im Monat um 19 Uhr im Bürgerhaus Hemelingen, Godehardstraße 4. Weitere Auskünfte erteilt das Ehepaar Garrels unter Telefon 45 33 68.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+