Sebaldsbrücker Geschichtsschreiber Detlef von Horn im Alter von 73 Jahren gestorben Mit feinem Sinn für Humor

Sebaldsbrück. Er hat nicht nur viele Menschen miteinander verbunden, sondern auch buchstäblich Geschichte(n) geschrieben: Detlef von Horn, langjähriger Standesbeamter im Hemelinger Rathaus und Geschichtsexperte für Sebaldsbrück, ist im Alter von 73 Jahren gestorben. Seine Gefährten vom Geschichtskreis Sebaldsbrück, sind traurig.
11.08.2016, 00:00
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Von Petra Spangenberg

Sebaldsbrück. Er hat nicht nur viele Menschen miteinander verbunden, sondern auch buchstäblich Geschichte(n) geschrieben: Detlef von Horn, langjähriger Standesbeamter im Hemelinger Rathaus und Geschichtsexperte für Sebaldsbrück, ist im Alter von 73 Jahren gestorben. Seine Gefährten vom Geschichtskreis Sebaldsbrück, sind traurig. „Der Geschichtskreis Sebaldsbrück verliert damit seinen Vorsitzenden, den Verfasser aller Darstellungen zur Ortsgeschichte, den besten Kenner der Geschichte Sebaldsbrücks und einen sehr guten Freund“, heißt es in einem Nachruf der Gruppe. Auch der Hemelinger Ortsamtsleiter Jörn Hermening und Tilman Gansz-Ehrhorn, der Pastor der Versöhnungsgemeinde, mit dem von Horn im Geschichtskreis eng zusammenarbeitete, drücken ihre besondere Anteilnahme aus.

„Er hatte eine Gabe, geschichtliche Beobachtungen und Zusammenhänge flüssig, unterhaltsam und mit Akribie zu Papier zu bringen. Sein feiner Sinn für Humor klang dabei oft mit“, sagt Gansz-Ehrhorn. Und Hermening betont: „Mit Detlef von Horn ist ein fröhlicher und engagierter Bürger von uns gegangen, den wir im Stadtteil und darüber hinaus vermissen werden.“ Er habe viel lernen können vom Geschichtskreis und von Detlef von Horn, der nicht müde geworden sei, „mir in den verschiedenen Funktionen, die ich im Stadtteil innehatte, und auch privat als Bürger, immer wieder die Bedeutung und historische Einordnung von Dingen zu erläutern“, so Hermening.

Von Horn starb am 2. August nach kurzer, schwerer Krankheit. Die Trauerfeier war am gestrigen Mittwoch in der Hemelinger Kirche. Detlef von Horn wurde am 30. Januar 1943 in Oberschlesien geboren und verbrachte bereits seine Kindheit in der Eisenbahnersiedlung in Sebaldsbrück. Früh erwachte sein Interesse an der Geschichte Bremens, als Standesbeamter hatte er laut Geschichtskreis gute Beziehungen zu den Bremer Archiven, unter anderem auch zum Bremer Verein „Gesellschaft für Familienforschung – Die Maus“. Im Ruhestand fand von Horn mehr Zeit für seine Leidenschaft der Geschichts- und Stadtteilforschung.

Vor zehn Jahren stieß er zum Sebaldsbrücker Geschichtskreis, spätestens von da an gab es für den begeisterten Spurensucher kein Halten mehr: Details über das Hemelinger Rathaus, Infos zur ehemaligen „Nazi-Kirche“ (einstmals Dankeskirche), die Sebaldsbrücker Schulgeschichte, zum Privatfriedhof, zu Grenzbeziehungen Bremen-Hannover, zu Band-Leader James Last (in Sebaldsbrück geboren), Döntjes aus dem Ortsteil – die Liste seiner Publikationen ist lang. Auch Führungen gehörten zu seinem Repertoire: Als er erstmals den Bunker an der Hemelinger Bahnhofstraße zusammen mit einer Gruppe besuchte, war selbst Detlef von Horn überrascht: „Es war sehr beeindruckend, den Bunker gesehen zu haben.“ Erst im Juni präsentierte er zusammen mit seinem Kollegen Helmut Rohde vom Geschichtskreis Publikationen zur Entwicklung der Wilhelm-Busch-Siedlung und des Schlossparkbades.

Es entstanden insgesamt 16 Veröffentlichungen. „Das 17. Werk, eine Gesamtdarstellung der Geschichte Sebaldsbrücks, konnte er nur noch in einer Rohfassung fertigstellen“, bedauert der Geschichtskreis. Die Stadtteilforscher arbeiten weiter daran. Der Verstorbene mischte sich auch gerne in aktuelle Fragen ein – so in die Weiterentwicklung seiner Schule an der Parsevalstraße und die Zukunft des Rennplatzes. „Als solch wacher Zeitzeuge und als Chronist wird er jetzt fehlen – dem Sebaldsbrücker Geschichtskreis, aber auch einer Stadtgesellschaft, die nach ihren Wurzeln und ihrer Geschichte fragt,“ sagt Pastor Gansz-Ehrhorn.

Seine Kollegen vom Geschichtskreis haben nun einen ihrer führenden Köpfe verloren. In ihrem Nachruf heben sie hervor: „Seine besondere Art, Fakten der Ortsgeschichte in den globalen Zusammenhang der bremischen und der deutschen Geschichte zu stellen und aufgelockert durch Döntjes in leicht lesbarer Form darzustellen, fand sehr große Anerkennung.“

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