Nordbremer Fachleute beantworten Fragen zum Umgang mit Hunden, Katzen und Pferden an den Festtagen Mit Fiffi gut ins neue Jahr

Bremen-Nord. Im Winter, besonders an Weihnachten und Silvester, gelten für Tierhalter andere Regeln. Sie müssen zum Beispiel beachten, dass auch dem Tier draußen bei Frost arg kalt werden kann.
22.12.2016, 00:00
Lesedauer: 5 Min
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Von Katja Bettina Wild

Bremen-Nord. Im Winter, besonders an Weihnachten und Silvester, gelten für Tierhalter andere Regeln. Sie müssen zum Beispiel beachten, dass auch dem Tier draußen bei Frost arg kalt werden kann. Und dass sich auch wild lebende Tiere mitunter über Unterstützung freuen. Eine Tierärztin und ein Pädagoge der Ökologiestation geben Auskunft.

Müssen Pfoten eingecremt werden?

Unabhängig von der Jahreszeit gilt: Rissige Pfotenballen werden wieder geschmeidig, wenn man sie mit einer fettreichen Creme behandelt. Als winterliche Standardpflege ist das Eincremen aber „nur bei Hunden erforderlich, die eine sehr empfindliche Ballenhornhaut haben, wie zum Beispiel Dalmatiner“, sagt die Tierärztin Veronika Kaplan. „Bei Streusalz bringt das Eincremen leider nur für die ersten Meter etwas“. Die Ritterhuder Tierärztin und Hundetrainerin empfiehlt, gestreute Wege beim Gassigehen generell zu meiden, um die Pfoten vor Verletzungen und Entzündungen zu schützen. Wer nicht auf salzfreie Straßen ausweichen kann, sollte die Pfoten nach dem Spaziergang gründlich mit lauwarmem Wasser waschen. Von einem weiteren Winterproblem sind Hunde betroffen, die viel Fell zwischen den Ballen haben: Laufen sie durch den Schnee, können sich an den Pfoten harte Eisklumpen bilden, die hinderlich und überdies schmerzhaft sein können. „Auch hier hilft Eincremen nur wenig. Besser ist es, das Fell unter den Pfoten mit einer Schermaschine zu entfernen“, rät sie.

Brauchen Hunde einen Mantel?

„Ein Mantel ist als Kälteschutz für Hunde zu empfehlen, die dünne Haut oder dünnes Fell haben oder insgesamt dünn sind“, so Veronika Kaplan. Für ältere Vierbeiner, die nicht mehr so agil sind, sich wenig oder nur langsam bewegen, befürwortet sie ebenfalls wärmende Bekleidung. In bestimmten Situationen kann Hundekleidung sinnvoll sein, so zum Beispiel in der Hundeschule, wenn der Hund angeleint ist und sich nicht frei bewegen kann. „Manche Hunde lieben es, im Schnee herumzutoben. Sie würden sich eingeengt fühlen, wenn sie einen Mantel tragen müssten. Huskys, Berner Sennenhunde und andere Rassen mit dichtem Fell genießen die Kälte oft sogar.“

Soll ich Eichhörnchen füttern?

Notwendig ist die Winterfütterung von Eichhörnchen nicht. Dazu sagt Jochen Kamien von der Ökologiestation in Schönebeck: „Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass Wildtiere wie Eichhörnchen eine Winterfütterung durch den Menschen nicht benötigen, da sie jahrtausendelang ohne diese zusätzliche Fütterung überlebt haben. Auf eine Fütterung von Vögeln oder anderen Tieren sind die Menschen erst gekommen, weil sie großflächig deren Lebensraum zerstört haben.“ Andererseits sieht er aber auch keine negativen Auswirkungen auf den Bestand, wenn man Eichhörnchen füttert. Geeignet sind zum Beispiel Haselnüsse, Esskastanien, Sonnenblumenkerne, Kürbiskerne, Äpfel und Karotten.

Sollte man Tieren etwas schenken?

Ob Hunde, Katzen oder Wellensittiche: Viele Tiere werden von ihren Besitzern als Teil der Familie betrachtet – und zu Weihnachten entsprechend mit Geschenken bedacht. So auch bei Veronika Kaplan. „Unsere Tiere bekommen immer Weihnachtsgeschenke. Für unsere Hunde und Katzen haben wir außerdem einen Adventskalender, unter dem sie morgens immer schon brav warten“, erzählt sie schmunzelnd.

Wie gefährlich ist Schokolade?

Das in Schokolade enthaltene Theobromin kann sowohl bei Hunden als auch bei Katzen lebensbedrohliche Vergiftungen hervorrufen. „Die Dosis macht das Gift. Bei Zartbitter-Schokolade oder anderer Schokolade mit einem hohen Kakaoanteil reicht schon eine geringe Menge aus, um den Hund gesundheitlich zu beeinträchtigen“, erläutert Veronika Kaplan. „Milchschokolade hat einen niedrigeren Kakaoanteil. Wenn ein Labrador einen Schoko-Weihnachtsmann aus Milchschokolade frisst, übersteht er das in der Regel.“ Wie viel Gramm Schokolade für den Hund gefährlich sei, hänge von seinem Gewicht ab. „Ein 40-Kilogramm-Hund kann mehr ab als ein Chihuahua.“

Soll man Tiere verschenken?

Tiere sind keine Gegenstände, sondern fühlende Lebewesen mit individuellen Bedürfnissen. Als Weihnachtsgeschenke sind sie nicht geeignet. Es mag gut gemeint sein, wenn man jemandem mit einem Kätzchen oder einem Welpen eine Freude machen möchte. Aber was passiert mit dem Tier, wenn der Beschenkte es nicht haben möchte oder nach einer Weile feststellt, dass er sich mit dieser Aufgabe überfordert fühlt? Wer übernimmt die Betreuung, wenn ein Urlaub ansteht oder ein Krankenhausaufenthalt? Immer wieder warnen Tierschützer davor, Tiere als Geschenk zu wählen. „Viele Tiere, die zu Weihnachten verschenkt werden, landen im Tierheim, sobald erste Schwierigkeiten auftauchen“, gibt auch Veronika Kaplan zu bedenken.

Dürfen Katzen Silvester raus?

„Davon würde ich dringend abraten“, sagt die Tierärztin. „Wir erhalten jedes Jahr dramatische Meldungen, dass Katzen Silvester verschwunden sind.“ Betroffen sind vorwiegend junge, unerfahrene Katzen. Wenn plötzlich ein Feuerwerkskörper explodiert, erschrecken sie sich und rennen in Panik weg. „Dann besteht die Gefahr, dass sie auf die Straße laufen oder nicht wieder zurück nach Hause finden.“ Katzen sollte man daher Silvester nicht aus dem Haus lassen und ihnen die Möglichkeit geben, sich unter dem Bett oder im Schrank zu verkriechen. Geschlossene Vorhänge und Rollläden sorgen für etwas Abschirmung vom Silvestergeschehen.

Gibt es Beruhigungsmittel für Hunde?

Zischende Raketen, Lichtblitze und Silvesterkracher setzen Hunde extrem unter Stress. Auch sie sollten im Haus bleiben und abgeschirmt werden, sobald die Knallerei losgeht. „Am besten macht man vorher einen großen Silvesterspaziergang und füttert danach nicht mehr so viel – dann halten die Hunde das sehr gut durch“, lautet der Tipp der Tierärztin. Da vereinzelt auch an den Tagen vor und nach Silvester Feuerwerkskörper gezündet werden, sollten Hunde in dieser Zeit draußen immer an der Leine bleiben. „Wer bereits weiß, dass sein Hund besonders sensibel auf den Silvesterlärm reagiert, sollte sich rechtzeitig an einen Tierarzt wenden und nach einem Beruhigungsmittel fragen.“

Wie reagieren Pferde auf Böller?

Viele Pferdebesitzer verbringen den Jahreswechsel im Stall, um zu verhindern, dass ihre Tiere in Panik geraten. Tierärztin Kaplan empfiehlt: „Schließen Sie Fenster und Türen des Stalls, lassen Sie das Licht an und schalten sie zur Ablenkung das Radio ein. Bitten Sie Nachbarn, in der Nähe der Pferde keine Feuerwerkskörper zu zünden.“ Auf Ausritte sollte man in der Zeit um den Jahreswechsel besser verzichten, denn schon ein einzelner Böller kann dazu führen, dass das Pferd durchgeht.

Sollte man auf Feuerwerk verzichten?

Dass Hunde teilweise große Angst vor der Knallerei haben, ist bekannt. Wildvögel würden diese Entscheidung auf einen Verzicht aber vermutlich auch begrüßen, weil sie durch Lärm und Lichtblitze aufgeschreckt werden und dann mitunter fluchtartig ihre Schlafplätze verlassen. Jochen Kamien von der Ökostation glaubt zwar nicht, dass die Wildvogelbestände durch Feuerwerk am Silvesterabend gefährdet sind. Allerdings hat er selbst beobachtet, dass ziehende Wildgänsegruppen durch Silvesterraketen irritiert und voneinander getrennt wurden.

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