Stadtführungen (Teil 1) Mit Gesche Gottfried durch Bremen

Bremen. Bremens berühmte Giftmischerin ist zwar fast 200 Jahre tot, doch ihre Geschichte ist in diesen Tagen sehr präsent. Gerade erschienen zwei neue Bücher über ihr Leben. Zudem gibt es seit gut einem Jahr eine Stadtführung mit „Gesche“ höchstpersö
08.03.2010, 14:20
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Von Simone Gorecki

Bremen. Bremens berühmte Giftmischerin ist zwar fast 200 Jahre tot, doch ihre Geschichte ist in diesen Tagen sehr präsent. Gerade erschienen zwei neue Bücher über ihr Leben. Zudem gibt es seit gut einem Jahr eine Stadtführung mit „Gesche“ höchstpersönlich. Sehr lebhaft schildert Helga Bürster aus Sicht der Mörderin von deren Taten und Leben im Bremen des Biedermeier.

Treffpunkt der Führung ist der Bremer Dom, doch es geht gleich weiter in die Pelzerstraße. In dieser unscheinbaren Seitenstraße, die von der Sögestraße abzweigt, begann 1775 Gesches Leben. Das Geburtshaus steht zwar nicht mehr, doch Helga Bürster erzählt so eindrucksvoll von „ihrem“ Leben und Leiden als Gesche, dass man sich im Nu in das kleinbürgerliche Dasein um 1800 versetzt fühlt. Mit Napoleon kam eine neue Mode nach Bremen. „Endlich waren wir diese schrecklichen Korsetts los! Doch die Kleider mit den Hammelkeulen (weite Ärmel, Anm. d. Red.) gefallen mir gar nicht: Die stören beim Klavierspielen.“

Und so geht es weiter durch die ersten Jahre, bis zur Hochzeit mit Johann Gerhard Miltenberg. 1806 heirateten die beiden. Doch glücklich wurde Gesche nicht mit ihm, war er doch ein Säufer und litt an Syphilis. Das war kein Leben für sie, und so kam die berüchtigte Mäusebutter zum Einsatz. Mit dem Gemisch aus Arsen und Schmalz beförderte Gesche Gottfried insgesamt 15 Personen aus ihrem Umfeld ins Jenseits. Darunter waren ihre drei Kinder, ihre Eltern, ihr Bruder und ihr späterer Ehemann Michael Christoph Gottfried. Dieser hatte Gesche noch kurz vor seinem Tod geheiratet: „Erst wollte er ja nicht, aber dann, auf dem Sterbebett hat er mir doch noch das Ja-Wort gegeben“, berichtet seine Witwe strahlend.

An den Schweinen der Sögestraße geht es nach einem kurzen Zwischenstopp weiter, durch die Bischofsnadel in die Wallanlagen. Hier erzählt Gesche, wie Bremen damals aussah, als der Park angelegt wurde und die Stadt dort ihre Grenzen hatte. Moralisch war die Hansestadt noch recht mittelalterlich, doch langsam kam mit dem Einzug Napoleons auch die Wissenschaft aus Frankreich ins Land. Als Gesche Gottfried 1828 schließlich der Prozess gemacht wurde, plädierte ihr Verteidiger auf Unzurechnungsfähigkeit, da sie offensichtlich unter einer psychischen Störung litt. Gesche berichtete in den Verhören von Stimmen, die ihr befohlen hatten, zu töten. Doch in der Bevölkerung und auch vor Gericht waren diese Aspekte noch völliges Neuland und hatten auf das Urteil keine Auswirkungen.

Die „Gesche-Führung“ macht Halt am Wilhelm-Wagenfeld-Haus, das damals noch als Gefängnis fungierte. Nach einem Schlenker hinter der Kunsthalle vorbei, geht es nach einem Abstecher bei der Staatsanwaltschaft zurück zum Domshof, wo der Spuckstein wartet. An dieser Stelle bringen die Bremer noch heute ihre Verachtung über Gesche Gottfrieds Gräueltaten zum Ausdruck. Am 21. April 1831 wurde sie hier öffentlich hingerichtet.

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