Bremisch-kenianisches Projekt

Mit Kreativität gegen den Klimawandel

Bereits mehrere Jare gibt es einen regelmäßigen Schüler-Austausch zwischen Bremen und Kenia. Am 12. April wird an der GSM das Schulprojekt zum Klimaschutz präsentiert.
11.04.2018, 19:25
Lesedauer: 3 Min
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Mit Kreativität gegen den Klimawandel
Von Sigrid Schuer
Mit Kreativität gegen den Klimawandel

In intensivem Arbeitsprozess: Hale Richter, Emma Himmelreich, Fredrick Otieno, Juma Wanje, Alicia Gross, Ahmed Majid und David Manga Muyanzi. Die Präsentation der Ergebnisse in der Gesamtschule Mitte ist an diesem Donnerstag.

Roland Scheitz

Frederick Otieno schließt die Augen halb und stimmt gemeinsam mit Hale Richter den „Rain Song“ an, das Regenlied, das in ganz Afrika berühmt ist. In den melancholischen Gesangslinien manifestiert sich die Trauer um Tiere und Menschen, die auf ihrer Flucht vor der großen Dürre im ausgetrockneten Kenia umgekommen sind. Der erlösende Regen ist zu spät gekommen. Der Klimawandel hat besonders in Afrika dramatische Auswirkungen.

In Südafrika ist das Wasser bereits rationiert worden. Und auch in Nairobi, der Hauptstadt Kenias, komme oft genug kein Tropfen Wasser aus dem Hahn, erzählt Lucy Nyakanini Njuguna, die wie Frederick Otieno an der Lulu Highschool, einem Internat in Nairobi, unterrichtet. Lulu bedeutet auf Kisuaheli so viel wie Kind. Beide machen sich Sorgen. „Schon der Januar und der Februar waren viel zu trocken, und auch jetzt im April, in dem wir normalerweise Regenzeit haben, will es bisher immer noch nicht regnen“, erzählen sie. „Kommt dann das Wasser endlich, dann so sturzbachartig, dass der ausgetrocknete Boden es gar nicht aufnehmen kann.“ Kenia müsse große Mengen an Mais, eines der Hauptnahrungsprodukte, importieren, weil im Land selbst kein Mais mehr angebaut werden könne.

Mit zehn ihrer Schülerinnen und Schüler sind die beiden Lehrkräfte für drei Wochen nach Bremen gekommen, um mit 13 Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufen 8 bis 10 von der Gesamtschule Mitte (GSM) an einem Projekt zu arbeiten, das ihnen besonders am Herzen liegt: Es geht um den Klimawandel. An diesem Donnerstag, 12. April, stellen sie um 19 Uhr die multimedialen Ergebnisse ihrer Arbeit in der GSM an der Hemelinger Straße vor. Der Eintritt ist gratis. Mit Hilfe des Landesinstituts für Schule (LIS) in der Bahnhofsvorstadt haben sie Kurzfilme gedreht und Fotopräsentationen der verheerenden Auswirkungen des Klimawandels vorbereitet. Bei ihren Theaterstückeh, die sie eigenständig entwickelt haben, hat unter anderem Hale Richter die Gruppe angeleitet. Er wirkt bereits seit 2009 bei den Jungen Akteuren im Theater Bremen mit, und 2012 war er das erste Mal in Ukunda.

Und Kenianer und Bremer werden gemeinsam gegen den Klimawandel singen, beispielsweise den „Earth song“ von Michael Jackson: „We are the world...“. „It is just amazing“, es sei schon erstaunlich, schwärmt Esther Irungu, die gerade mit Helena Becker im LIS an einem Rechner sitzt und Fotos bearbeitet. Es habe von beiden Seiten sofort gepasst. „Wir haben an diesem tollen Projekt auf Augenhöhe miteinander gearbeitet.“ Die kenianische Schülerin berichtet, dass die extrem hohen Temperaturen in Kenia und vor allem die Brandrodungen und das Fällen von Bäumen für Siedlungsbau fatale Auswirkungen auf die CO₂-Bilanz hätten. Gegen diesen Raubbau engagiert sich auch Frederick Otieno mit seinem Sensibilisierungs-Seminar zur Erhaltung und Anpflanzung von Mangrovenwäldern (siehe auch Seite 8), die viel CO₂ absorbieren. Er hat mit den Schülerinnen und Schülern einen Poetry Slam zum Thema entwickelt.

Prägend sei für die jungen Teamer, darunter die Neustädter Paul Göttle und Paulina Düchting vom Verein „Partner über Grenzen“, und die Schülerinnen und Schüler der GSM gewesen, das alles mit eigenen Augen zu sehen. „Durch diese Erfahrungen und Eindrücke hat sich uns eine ganz neue Perspektive eröffnet“, betont Schatzmeister Paul Göttle, der nicht nur pädagogische Aufgaben übernommen hat, sondern auch für die Organisation und den Zusammenhalt im Team zuständig ist. Die ehemaligen Absolventen der GSM arbeiten gemeinsam mit Hale Richter gemeinsam an dem Projekt. Über die Jahre des Schüleraustausches hinaus haben Freundschaften zwischen den deutschen und kenianischen Schülerinnen und Schülern gehalten.

Erst im vergangenen Jahr haben deutsche und kenianische Jugendliche gemeinsam an einem Menschenrechts-Projekt gearbeitet, für das dem Verein „Partner über Grenzen“, in dem die jungen Teamer tätig sind, der „Bridge it!“-Award verliehen worden ist, eine Auszeichnung für herausragende Süd-Nord-Partnerschaften von Jugendlichen. Der Verein wurde 2015 aus den guten Erfahrungen des kenianisch-bremischen Schüleraustausches heraus gegründet. Die Jugendbegegnungen, die von „Partner über Grenzen“ ermöglicht werden, sind auf den Namen „Out of the Box“ getauft worden. „Es geht um Kreativität und das Verlassen gewöhnlicher Begrenzungen“, sagt Vereinsmitglied Eckardt Kreye aus dem Viertel, der an der GSM Kunst, Werken und Medien unterrichtet.

Der Lehrer ist auch Landeskoordinator für UNESCO-Projektschulen. Im Sommer werden junge, kenianische Erwachsene nach Bremen kommen. Gefördert werden die Schülerbegegnungen durch ENSA, ein entwicklungspolitisches Schulaustauschprogramm des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

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