Im Roten Salon eröffnet die Ausstellung, mit der das BlauHaus an der Hafenkante teilfinanziert werden kann Mit Kunstspende das Projekt verwirklichen

Überseestadt. Den Kunstmarkt, heißt es, habe der im Mai 2006 verstorbene Maler Willi Pramann zeitlebens gehasst und sich ihm hartnäckig entzogen. Dass jetzt trotzdem Arbeiten aus dem Nachlass des Bielefelder Künstlers und Hochschullehrers zum Verkauf kommen, geschieht aber mit dessen zu Lebzeiten gegebener ausdrücklicher Zustimmung. Was genau dahinter steckt, auch darum ging es am Freitagabend im Roten Salon bei der Vernissage der Ausstellung "Kunst für das BlauHaus an der Hafenkante".
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Von Anne Gerling

Überseestadt. Den Kunstmarkt, heißt es, habe der im Mai 2006 verstorbene Maler Willi Pramann zeitlebens gehasst und sich ihm hartnäckig entzogen. Dass jetzt trotzdem Arbeiten aus dem Nachlass des Bielefelder Künstlers und Hochschullehrers zum Verkauf kommen, geschieht aber mit dessen zu Lebzeiten gegebener ausdrücklicher Zustimmung. Was genau dahinter steckt, auch darum ging es am Freitagabend im Roten Salon bei der Vernissage der Ausstellung "Kunst für das BlauHaus an der Hafenkante".

Wie zum Beispiel der Bremer Bauunternehmer Klaus Hübotter nämlich zählte auch Willi Pramann zu den zahlreichen Sympathisanten der Blauen Karawane. Jetzt sollen 400 seiner Arbeiten der Blauen Karawane neue finanzielle Spielräume für ein alternatives Wohnprojekt eröffnen, mit dem die Blaue Karawane einen Akzent "gegen die zunehmende Entmischung verschiedener gesellschaftlicher Gruppierungen in der Stadt(teil)entwicklung - und somit gegen die Entsolidarisierung - setzen" will.

46 von Willi Pramanns Arbeiten - ein Längsschnitt aus dem Schaffensprozess des Malers von den 1950er-Jahren an bis 2005 - sind im Speicher XI zu sehen. Diese Bilder will die Familie des Bremer Psychiaters und Karawane-Mitbegründers Klaus Pramann, Sohn von Willi Pramann, nun an diejenigen verschenken, die "bereit sind, das zu spenden, was die Bilder wert sind", so Klaus Pramann, der die Arbeiten zum Freundschaftspreis anbietet. Der Erlös soll dann der Verwirklichung einer ganz bestimmten Idee der Blauen Karawane dienen: Sie plant seit längerem den Bau eines BlauHauses als Lebens-, Wohn- und Arbeits-Projekt für rund 65 Menschen. Das BlauHaus soll einmal an der Hafenkante zwischen dem Landmark-Tower und dem Molenturm stehen und ein selbstbestimmtes und barrierefreies Zusammenleben und Miteinander von alten, jungen, behinderten und nicht behinderten, berufstätigen und arbeitslosen, in- und ausländischen Menschen ermöglichen. Rund 7,5 Millionen Euro werden für das Projekt benötigt, fast

die Hälfte davon wollen Pramann und seine Mitstreiter einwerben und die restlichen vier Millionen Euro dann über Mieteinnahmen finanzieren.

Seit gut eineinhalb Jahren unterstützt auch Ex-Sozialstaatsrat Arnold Knigge, seit Kurzem Sprecher der Wohlfahrtsverbände, die BlauHaus-Idee und das damit verbundene Ziel, die Überseestadt zu einem bunten Stadtteil zu machen und nicht nur zu einem für die "Schönen und Reichen". "Je mehr man sich mit dem BlauHaus beschäftigt, desto begeisterter muss man sein", erklärte er bei der Vernissage am Freitag, denn: "Wie kaum ein anderes Projekt zuvor steht dieses Vorhaben für das, was als Inklusion bezeichnet wird: Bedingungen herzustellen, wo Behinderung keine Rolle mehr spielt - und nicht nur, wie bei der Integration, von bestehenden Bedingungen auszugehen - sondern sie auch infrage zu stellen." Er sei froh, dass auch die Politik ihre Zustimmung zu dem Projekt erklärt habe. Jetzt gehe es darum, die Erklärungen auch umzusetzen und die Idee weiter zu verbreiten.

"Wenn die Überseestadt keine kalte Hafencity werden will, dann braucht sie ein BlauHaus", ist auch Weserburg-Direktor Carsten Ahrens überzeugt, der sich in seiner Eröffnungsrede dem Thema "Kunst und soziale Utopie" widmete und dabei eine inhaltliche Verbindung zwischen der Kunst und der Blauen Karawane herstellte: "Eines können Künstler: Sie alle arbeiten daran, dass wir wenigstens an den Traum einer anderen - besseren - Welt glauben. Denn in dieser Welt wird alles dafür getan, dass wir nicht mehr daran glauben! Anderen Menschen mit derselben Neugier begegnen wie der Kunst, wenn wir das schaffen, dann werden wir an Erfahrungen reicher."

Wer sich Willi Pramanns Schaffen mit Neugier nähert, der kann in der chronologisch geordneten Ausstellung nun gut dessen künstlerische Entwicklung von figürlichen, gegenständlichen und landschaftlichen Darstellungen hin zu großformatigen Farbraumbildern zurückverfolgen, in denen alle sichtbaren Gegenstandsbezüge aufgehoben sind. Gerade diese Arbeiten seien es, unterstrich der ehemalige Pramann-Schüler, Kunstwissenschaftler, Künstler und Kunstpädagoge Wulf Schomer, die Willi Pramann schließlich zu einer so außergewöhnlichen Künstlerpersönlichkeit machten.

Die Ausstellung "Kunst für das BlauHaus an der Hafenkante" mit Bildern des Künstlers Willi Pramann ist bis Sonnabend, 19. November, im Roten Salon im Speicher XI, Segment Nr. 1, Am Speicher XI, zu sehen. Geöffnet: montags bis sonnabends von 11 bis 16 Uhr, sonntags von 15 bis 18 Uhr; Schlüssel im Restaurant Port auf Anfrage. Die Finissage mit einem Beitrag der Show-Gruppe der Blauen Karawane ist am Sonnabend, 19. November, um 19 Uhr.

Mehr über die Blaue Karawane, über das Blauhaus-Projekt und zur Ausstellung unter www.blauekarawane.de.

Informationen zu Willi Pramann sind unter www.willipramann.de zu finden.

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