Mittelaltermusik

Mit Leidenschaft am Zink

Irgendwann war es soweit. Christian Panse entdeckte seine Leidenschaft für Historische Musik und für ein besonderes Instrument, den Zink.
27.09.2019, 18:13
Lesedauer: 4 Min
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Von Kim Böß
Mit Leidenschaft am Zink

Das Ensemble Weserwind.

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„Lange Jahre der Einsamkeit“ mussten für Christian Panse vergehen, bevor er seine Leidenschaft für historische Musik mit anderen teilen konnte. An seinem zehnten Geburtstag schenkte ihm seine Großmutter eine Kassette mit den Werken von Bach. „Damit fing alles an“ sagt Panse heute. Er habe sich ausprobiert in verschiedene Richtungen orientiert: Mit zehn Jahren fängt er an Klavier zu spielen, später kommt auch die Kirchenorgel dazu. Er beginnt mit vierzehn Jahren in Chören und später auch als Solist zu singen.

Er habe ein großes Herz für verschiedene Musikrichtungen, erzählt er. Seine Leidenschaft sei aber die historische Musik. Bei einem Konzert in der Liebfrauenkirche in Fischerhude hört er in den 1990er Jahren zum ersten Mal das Blechblasinstrument Zink und verliebt sich sofort in dessen Klang.

Der Zink sei zwischen dem 15. und dem 17. Jahrhundert eingesetzt worden mit Blütezeit im späten 17. Jahrhundert, erläutert Panse. Seit den 1920er Jahren sei das Instrument langsam wieder entdeckt worden, wobei es heute noch immer sehr wenige Zinkenisten gibt. Obwohl der Zink aus Holz gefertigt wird, zählt er wegen seines Kesselmundstückes zu den Blechblasinstrumenten. Er verbindet die Anblastechnik der Blechblasinstrumente mit der Fingertechnik der Holzblasinstrumente.

In den Jahren nach diesem ersten Konzert hört Panse bei historischen Konzerten weitere Zinken und spricht eines Tages einen der Musiker an. Der Zinkenist leiht ihm einen Zink aus Kunststoff und Panse beginnt zu üben. Nach einiger Zeit kauft er sich einen eigenen Zink, auf dem er zwei Jahre lang keinen richtigen Ton zustande bringt. Zinken seien damals vor der Zeit des Internets schwierig zu finden gewesen, berichtet der Gymnasiallehrer. Inzwischen finde man ab und zu einen Zink, und auch einige Instrumentenbauer ließen sich ausfindig machen, die Zinken anfertigen. Der Zink auf dem Christian Panse inzwischen spielt, stammt aus Italien. Sein zweiter Zink, einer aus Kunststoff wurde von einem schweizerischen Instrumentenbauer im 3D-Drucker angefertigt.

Das Instrument gilt als schwierig zu erlernen. Dafür müsse man „frustrationstolerant“ sein, sagt Panse, der sich von Beginn autodidaktisch das Zinkspielen angeeignet hat. Einerseits weil er schon vorher „recht umfassend musikalisch ausgebildet“ war, wie er sagt, andererseits gab es praktisch keine qualifizierten Lehrer. Bremer Zinkenisten gab es schon, erzählt der 51-jährige, aber diese zu finden und zu treffen, gestaltete sich schwierig. Jahrelang mühte er sich ab und musste die Töne aus dem Instrument heraus zwingen, bevor bei einem Urlaub an einem stillen, abgelegenen Örtchen plötzlich der Knoten platzt.

Vor drei Jahren scheinen seine musikalisch einsamen Jahre zu Ende zu gehen. Er lernt den Posaunisten Detlef Reimers kennen, der auf Frühbarockposaunen spielt und in Bremen Fans historischer Musik zusammenbringen möchte. Reimers kam als Soloposaunist an das philharmonische Staatsorchester nach Bremen. Obwohl er national und international mit seiner Musik unterwegs ist, sucht er in seiner Heimat noch nach einer Gruppe, mit der er Musizieren und seiner Leidenschaft nachgehen kann. Seit den 1990er Jahren hat er sich auf historische Musik des 16. und 17. Jahrhunderts spezialisiert und spielt auch auf Renaissance-Posaunen.

Reimers findet auf seiner Suche neben Panse noch einen Zinkenisten aus Ostfriesland, der noch einen Posaunisten mitbringt. Ein weiterer Posaunist kommt aus Oldenburg, einer aus Nienburg und eine Dulzianspielerin stößt aus Verden dazu. Gemeinsam mit ihnen gründet der professionelle Posaunist Reimers das Ensemble für historische Blasmusik „Weserwind“. Ein bis zwei Mal im Monat kommen die Musiker zusammen, um zu üben. „Drei Stunden ist so das Maximale was man machen kann, danach hat man zerfranste Lippen“, erklärt Christian Panse.

Gemeinsam spielen sie viel Renaissance-Musik, einen Schwerpunkt haben sie auf die Stücke des englischen Komponisten John Dowland gelegt, der im elisabethanischen Zeitalter aktiv war. „Man kann alles spielen was in diesen alten Zeiten auch für andere Instrumente geschrieben wurde“, sagt Christian Panse. Mit dem Zink könne man sogar Stücke spielen, die für die menschliche Stimme geschrieben wurden. Wenn in einem seiner Gesangsensembles eine Sopranstimme fehlt, kann er diese mit seinem Zink ersetzen.

Die Leidenschaft für sein besonderes Instrument möchte Panse nun mehr Menschen näher bringen. Gemeinsam mit „Weserwind“ und dem Vokalensemble „Una Volta“ hat er ein Konzert konzipiert, das in ebenjener Kirche stattfindet, in der Panse vor über zwanzig Jahren zum ersten Mal einen Zink erklingen hörte. Panse suchte die Stücke aus, inszeniert das Konzert und kümmert sich um die Organisation. Trotz des Aufwands, ist er voller Vorfreude. „Es klingt einfach, ein elementares, physikalisches Erlebnis“ beschreibt er den Klang der ausgewählten Werke in der Kirche. Die Klänge seien rein und würden mathematisch genau stimmen, weswegen ein „wirklich ganz ganz anderes“ Klangerlebnis entstehen soll.

Das Konzert wird sich vor allem den Werken von Heinrich Schütz widmen. Beginnen soll es mit den musikalischen Exequien aus dem Jahr 1636. Diese wurden von den Nachfahren des Landesherren von Schütz zu seiner Beerdigung in Auftrag gegeben. Dieser war sehr fromm und hatte schon vor seinem Tod verfügt, das sein Sarg mit Bibelversen und Liedtexten beschriftet sein sollte. Diesen Sarg hat Schütz dann sozusagen vertont. Anschließend soll es noch ein weiteres Werk von Schütz geben, das er im gleichen Jahr komponiert hat. Von diesem unbekannten Werk ist Panse begeistert, er sagt das „Wumms und Gedröhn“ des Stückes wären für die Zeit sehr ungewöhnlich. Mit bis zu sechs Sängern, acht Bläsern, einer Truhenorgel, einer Gambe und einer Langhalslaute haben sie „richtig aufgefahren“, wirbt Panse. Die Klänge sollen den Zuschauern „durch und durch gehen“ und ihre große Wirkung entfalten.

Das Konzert des Ensembles für historische Blasinstrumente „Weserwind“ und des Vokalensembles „Una Volta“ findet am Samstag, 28. September um 19 Uhr in der Liebfrauenkirche in Fischerhude statt sowie am Sonntag, 29. September um 18 Uhr in der St. Ursula-Kirche in Bremen-Schwachhausen. Letztere Kirche hat Platz für circa 400 Zuhörer. Das Konzert soll an beiden Abenden eine gute Stunde dauern und ist kostenlos. Zuhörer können die Musiker mit Spenden unterstützen.

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