Unterwegs im Velo-Taxi Mit Muskelkraft durch die Stadt

Neues Angebot in Bremen: Hannes Albrecht und Björn Borchert bieten zwischen April und Oktober Fahrservice mit dem Rad an.
04.04.2015, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Mit Muskelkraft durch die Stadt
Von Kristin Hermann

Eines ist klar – wer sich für eine Fahrt im Velotaxi entscheidet, dem ist Aufmerksamkeit gewiss. Leute beobachten neugierig, winken oder rufen einem etwas zu. Nachvollziehbar, denn diese Art von Fortbewegungsmittel ist in Bremen bisher nicht üblich.

Und auch das Fahrgefühl ist ein anderes. Etwas ruckeliger als in einem normalen Taxi geht es zu. Dafür fährt man umweltfreundlicher von A nach B und kann bei gutem Wetter die Aussicht über die Weser genießen.

Idee kam Jungunternehmer in München

Was in anderen deutschen Städten funktioniert, das muss auch in Bremen laufen, hat sich Jungunternehmer Björn Borchert gedacht. Die Idee dazu kam dem 25-Jährigen während eines Besuchs in München. „Ich war mit meinem Vater beim Oktoberfest, und als wir kein normales Taxi bekommen haben, sind wir in einem Velotaxi gelandet und waren davon sehr angetan“, erzählt Borchert. Er will mit seinem Geschäft eine umweltfreundliche Alternative zum herkömmlichen Taxi schaffen. „Bremen ist eine Fahrradstadt, in der solche Fahrzeuge einfach dazugehören sollten“, sagt Borchert. Er und sein Vater haben sich deshalb dem Netzwerk der Velotaxis angeschlossen, das seinen Ursprung in Berlin hat. Dort kommen die etwas anderen Taxis bei Einheimischen und Touristen gut an. Sie sind wendig und kommen der Natur zugute.

Eigentlich ist Björn Borchert noch Student. Doch neben seinem betriebswirtschaftlichen Studium will er schon jetzt versuchen, sich eine kleine Existenz aufzubauen. Der Anfang dafür ist mit einigen Kosten verbunden gewesen. Den genauen Preis für ein Velotaxi will Borchert zwar nicht nennen, doch die Anschaffung pro Rad läge im fünfstelligen Bereich. Bei der Bremer Tourismusbehörde hat die Idee Unterstützer gefunden. Nach Angaben von Borchert will die Behörde schon bald im Internet für das Angebot werben.

Schwerpunkt Innenstadt

Die überdachten Gefährte bieten Platz für zwei Personen, ein Kleinkind und kleinere Gepäckstücke. Gefahren werden soll schwerpunktmäßig in der Bremer Innenstadt. Zwischen 10 und 20 Uhr stehen die Räder beispielsweise am Marktplatz oder am Hauptbahnhof. Borchert und seine Kollegen dürfen überall fahren, wo auch Fahrräder unterwegs sein dürfen. Via Handzeichen können Interessierte die Velotaxis zu sich heranwinken. Am besten eignen sich die Velo-Taxis für kurze Strecken. Der erste Kilometer kostet fünf Euro, jeder weitere vier Euro. Zusätzlich bietet das junge Unternehmen kleine Stadttouren an, die bei 15 Minuten beginnen und elf Euro kosten. Wie bei einem normalen Taxi ist auch hier eine Reservierung per Telefon möglich.

Einer, der sich schon jetzt dazu entschlossen hat, bei dem neuen Projekt mitzuarbeiten, ist Hannes Albrecht. Er hat seinen Bürojob aufgegeben, um im Frühling und Sommer durch Bremens Straßen zu radeln. „Ich fahre unheimlich gerne Rad und will nicht mehr nur am Schreibtisch sitzen“, sagt er. Falls seine eigene Muskelkraft mal nicht ausreichen sollte, hat er die Möglichkeit einen Hilfsmotor zuzuschalten, der ihn beim Pedale treten unterstützt. Die Kammern, in der die Fahrgäste sitzen, sind überdacht und halten kleinen Regenschauern stand.

Ungewöhnliches Geschäftsmodell

So unkonventionell wie die Velotaxis auf der Straße erscheinen, so ungewöhnlich ist auch das Geschäftsmodell. Nicht die Einnahmen aus dem Fahrbetrieb der Fahrer bringen Borchert den Umsatz. „Wir bekleben unsere Fahrzeuge mit Werbung – dadurch finanzieren wir uns“, sagt er. Drei Fahrzeuge will der 25-Jährige von jetzt an bis zum Oktober durch Bremens Straßen fahren lassen. Dafür sucht er noch nach Mitarbeitern. Besondere Erfahrung müssen die Fahrer nicht mitbringen. Sie arbeiten selbstständig und dürfen die Einahmen der Gäste vollständig behalten. Für das Velotaxi zahlen sie an Borchert dafür eine Tagesmiete von fünfEuro.

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