Neue Software ab Juni

Corona-Meldungen auf digitalem Weg in Bremen

Ab Juni soll in Bremen eine neue Software die Zettelwirtschaft im Gesundheitsamt ersetzen: Der Abgleich von Corona-Daten soll dann digital möglich sein. Die Opposition stellt Frage an die Gesundheitsdeputation.
27.05.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Corona-Meldungen auf digitalem Weg in Bremen
Von Nina Willborn
Corona-Meldungen auf digitalem Weg in Bremen

Claudia Bernhard (Linke), Senatorin für Gesundheit in Bremen.

Sina Schuldt

Dass Corona-Infektionen in Bremen wie vom WESER-KURIER berichtet per Zettelwirtschaft erfasst werden, hat nicht nur in der Politik Erstaunen ausgelöst. Die Opposition forderte unlängst die Digitalisierung des Prozesses. Das Gesundheitsressort verweist darauf, dass die umständliche Methode nicht auf eigene Versäumnisse zurückgeht. Nach der Senatssitzung erläuterte Senatorin Claudia Bernhard (Linke), dass eine neu in Zusammenarbeit mit den Kollegen von Finanzen entwickelte Software die Systematik der Meldungen über Infektionen mit Covid-19 verbessern soll.

„Die geltenden Regelungen erscheinen vorsintflutlich“, sagte Bernhard angesichts der Tatsache, dass das gute alte Faxgerät auch im Jahr 2020 im Gesundheitswesen das technische Mittel der Wahl ist. Bundesweit, nicht nur in Bremen – das Gesetz will es so. Gesundheitsämter überall sind weitgehend digitale Brachen, deshalb nützt ihnen in einer Pandemie-Situation wie der aktuellen auch wenig, dass das Robert-Koch-Institut (RKI) seit 2014 ein digitales Melde- und Informationssystem für Infektionsschutz („Demis“) entwickelt hat.

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Der Ist-Zustand: Labore übermitteln Corona-Befunde (das gilt ebenso für alle anderen meldepflichten Krankheiten) per Fax, ebenso die Corona-Ambulanzen die Meldebögen, im Gesundheitsamt werden die Meldungen abgeglichen und zusammengefügt, „um ein umfassendes Bild über die positiv Getesteten zu erhalten“, heißt es in einer Mitteilung des Gesundheitsressorts. Erst dann könnten die Meldungen in vorhandene Software-Lösungen übertragen werden.

Mit der Software „Bremis“, kurz für „Bremer Elektronisches Melde- und Informationssystem für den Infektionsschutz“, an der die beiden Bremer Ressorts seit rund einem Monat arbeiten, soll das bald alles schneller gehen. Laut Bernhard soll ab Juni sowohl die Kommunikation zwischen den Corona-Ambulanzen und den Gesundheitsämtern, aber auch aus Arztpraxen den digitalen Weg nehmen als auch die Abgleichung zwischen Labormeldungen und Meldebögen der Ambulanzen. Bernhard: „Wir sparen durch die digitale Anwendung Zeit, die wir bei der Kontaktpersonennachverfolgung dringend benötigen.“

Zudem entstehe durch die Software nach und nach eine Datenbasis, die für die Nachverfolgung von Kontaktpersonen von Infizierten genutzt werden könne. Ein weiterer Effekt: Mehr Personal im Gesundheitsamt kann anderswo eingesetzt werden, wenn das Zusammenstellen der Papierbögen entfällt. „Wir brauchen auch weiterhin Teams, die in die Einrichtungen wie Pflegeheime fahren“, sagte Bernhard.

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Geplant ist auch, dass „Bremis“ später an die RKI-Software gekoppelt wird. „Mit ,Bremis‘ nimmt Bremen eine Vorbildrolle für andere Bundesländer ein“, sagte die Senatorin, „sie können die Software übernehmen.“ Fragen des Datenschutzes, bislang einer der zentralen Gründe für die zögerliche Digitalisierung im Gesundheitswesen, seien bei der Entwicklung berücksichtigt worden.

Um „Bremis“ wird es voraussichtlich auch in der nächsten Sitzung der Gesundheitsdeputation am 16. Juni gehen. Die gesundheitspolitischen Sprecher von CDU und FDP haben jeweils bereits Fragen und Berichtsbitten rund um das Corona-Thema hinterlegt. Dabei geht es sowohl um die Teststrategie der Behörde, die die Liberalen neben anderem interessiert, als auch um Zahlen und Informationen zu möglichen Corona-Hotspots wie der Landeserstaufnahmestelle in der Lindenstraße in Vegesack.

Rainer Bensch, Sprecher der CDU-Fraktion für Gesundheit und Krankenhäuser, fordert vom Ressort eine Aufschlüsselung der Infektionszahlen „wie von weiten Teilen der Bevölkerung und den Beiräten erwünscht“ auf Stadtteil- und Quartiersebene beziehungsweise die Gründe, was gegen eine Veröffentlichung der Daten auf dieser lokalen Ebene sprechen würde.

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Auch will Bensch wissen, weshalb das Gesundheitsressort bislang nicht genau sagt, in welchen Schulen und Kitas zuletzt Infektionen bekannt geworden sind. Am Dienstag erklärte Bernhard dazu, dass sich das Infektionsgeschehen dort bislang in „einem überschaubaren Maß“ hielte, die Veröffentlichung der Einrichtungen deshalb nicht nötig sei.

Weitere Fragen betreffen die Einbeziehung von wissenschaftlichen Einrichtungen wie dem Bremer Institut für Präventions- und Sozialforschung in die Erhebung der Daten und zum Klinikverbund Gesundheit Bremen Nord (Geno). Dort hakt Bensch insbesondere bei der Situation der Auszubildenden nach. Ob sie nach normalen Standards in der Corona-Krise gewährleistet sei, will er wissen.

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