Sie hat bereits Plakatkampagnen gekippt und Unternehmen bloßgestellt, weil Frauen diskriminiert wurden: Stevie Schmiedel ist Sprecherin des Vereins "Pinkstinks Deutschland" und kämpft vor allem dagegen, dass Mädchen eine "limitierende Geschlechterrolle" zugewiesen wird. Jetzt war die 41-Jährige auf einem Frauenfest der Bremischen Evangelischen Kirche (BEK) im Forum Kirche zu Gast.
Schwachhausen. Die Prägung auf die eigene Geschlechterrolle durch das tägliche Umfeld und speziell durch die Werbung war Thema eines Vortrags von Stevie Schmiedel im Forum Kirche. Sie ist in Deutschland Gründerin der Initiative "Pinkstinks", die ihre Wurzeln in England hat. Und sie ist Lehrbeauftragte für Geschlechterforschung in Hamburg.
Seit März 2012 arbeitet Schmiedel hauptamtlich 60 Stunden und mehr pro Woche für die Kampagne. "Wir wollen, dass Mädchen und Frauen die Wahl haben und nicht sexualisiert in der Werbung vorkommen", so Schmiedel. Mädchen stehen unter dem gesellschaftlichen Druck, schön und schlank zu sein. "Fühlten sich 2006 noch 70 Prozent der befragten Mädchen wohl in ihrer Haut, waren es 2012 nur noch 47 Prozent." Die Fernsehsendung "Germanys Next Topmodel" sei mitschuldig an dieser rapiden Abnahme, meint Schmiedel.
Ihre Kritik: Von klein auf bekommen Mädchen und Jungen durch die Werbung suggeriert, dass ihre Rolle vorbestimmt sei. So kümmert sich die Märchenfigur Prinzessin Lillifee aufopferungsvoll um ihre Tiere, während die männliche Gegenfigur, Kapitän Sharky, eher draufgängerisch und mutig agiert.
"Kinder suchen nach Orientierung und bekommen durch die Werbung einseitige Rollenbilder präsentiert", sagt Schmiedel. Die frühe Prägung auf Konsumartikel zeige den Mädchen, aber auch den Jungen, wie sie sein sollen. "Und dagegen will Pinkstinks etwas tun – mit Demonstration, Aktivitäten im Internet und selbstverständlich auch konstruktiven Gesprächen mit der Industrie", erklärt sie.
Im Gründerland der Kampagne, Großbritannien, hat Pinkstinks nach Auskunft von Schmiedel große Schlagkraft. Aber auch der deutsche Ableger habe Einfluss. So wurde ein T-Shirt für Mädchen mit der Aufschrift "In Mathe bin ich nur Deko" des Komikers Otto Waalkes nach einem Protest im Internet wieder aus den Regalen genommen. "Wenn das Shirt für Mädchen und Jungen gewesen wäre, dann hätte ich das vielleicht witzig gefunden", sagt Schmiedel. "Mädchen kann man auf viele Weisen sein und Pinkstinks soll genau darauf aufmerksam machen."
Pinkstinks – ein Name mit Programm. Zur Einstimmung befragte Ruth Heß die vielen Gäste, ob sie die Farbe Pink mögen. Und Schmiedel begann ihr Referat sogar mit der Aussage, die Farbe Pink keineswegs diskriminieren zu wollen. Die über 60 Anmeldungen für das Referat im Forum Kirche hatten den drei Veranstalterinnen – der Evangelischen Frauenarbeit, dem Frauenpolitischen Forum der Bremischen Evangelischen Kirche (BEK) und der Gleichstellungsbeauftragten der BEK – das große Interesse an der Veranstaltung mit der deutsch-britischen Vorkämpferin für die Gleichberechtigung der Mädchen signalisiert.
Ruth Heß, die Gleichstellungsbeauftragte der BEK, hatte die Einführung ins Thema übernommen. Sie sagte: "Einengende Rollenbilder für Mädchen, aber auch für Jungen, beschäftigen mich schon lange. Sie sind die Basis vieler Probleme in der Geschlechterpolitik."