Fitnesspark nahe der Grohner Düne

Mit Sport gegen Gewalt

Unter der Trägerschaft der Stiftung Aktion Hilfe für Kinder soll offene Jugendarbeit mit dem Hood-Training auf der SAV-Sportanlage betrieben werden. Dafür wird ein Fitnesspark gebaut.
04.02.2018, 18:09
Lesedauer: 3 Min
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Von Sylvia Wörmke

Vegesack. Eine sogenannte Hood-Anlage soll auf dem Platz der Sportgemeinschaft Aumund-Vegesack (SAV) in der Nähe der Grohner Düne gebaut werden. Bundesmittel gibt es dafür und finanzielle Unterstützung von Krankenkassen. Die Behörden und der SAV-Vorstand stehen hinter dem Projekt. Es handelt sich um offene Jugendarbeit, die in dem Fitnesspark mit speziellen Geräten stattfinden soll. Beim Hood-Training in Trägerschaft der Stiftung „Aktion Hilfe für Kinder“ geht es um Gewaltprävention, um Integration, um das Lernen von Regeln und Strukturen. In der SAV wird das Projekt aber auch scharf kritisiert.

Die Idee für dieses Jugendprojekt wurde im Zusammenhang mit dem Integrierten Entwicklungskonzept für die Grohner Düne ins Spiel gebracht. Seit Monaten wird an der Umsetzung gefeilt. Inzwischen gibt es Bundesmittel aus dem Topf Städtebau und für drei Jahre Präventionsmittel der Krankenkassen für das Training und die Wartung der Anlage. Ein Planungsbüro beschäftigt sich auch schon mit dem Bauvorhaben.

Demnächst wollen sich die beteiligten Akteure zu einem weiteren Gespräch zusammensetzen, um die letzten Einzelheiten zu klären. „Es geht nur noch um Formalitäten“, bestätigt Hachem Gharbi, Mitarbeiter der „Aktion Hilfe für Kinder“. Geklärt werden muss auch noch, wer die Verantwortung für die Jugendlichen und die Anlage ­übernimmt. Es ist geplant, dass die Organisation mit ihren Trainern, die sowohl eine Sport- als auch Pädagogikausbildung besitzen, an drei Tagen pro Woche Kinder und Jugendliche trainieren. Von Behördenseite müssen laut Jens Tittmann, Sprecher des Bausenators, auch noch organisatorische Probleme beseitigt werden.

Bei der Arbeit mit den Jugendlichen geht es nicht allein um Sport. „Dahinter steht ein pädagogisches Konzept“, beschreibt ­Gharbi die offene Jugendarbeit. Daniel Magel, der Erfinder dieses Trainings, hat unter anderem in Tenever Kinder und Jugendliche aus schwierigen Verhältnissen mit seinem Hood-Training (abgeleitet vom englischen Wort neighborhood – Nachbarschaft) von der ­Straße geholt. Sport statt Prügeleien, ­Respekt vor anderen, sich an Regeln halten, Jugendliche an der Basis abholen und ihnen ­andere Möglichkeiten als Gewalt als Konfliktlösung anzubieten – das sind die Pfeiler des Konzepts.

Es gehe darum, so Gharbi, ihre Fähigkeiten zu stärken, sie möglicherweise langfristig dazu zu bringen, selber einmal Hood-Trainer zu werden. Die Teilnehmer sollen gefördert werden, ihnen soll ein Gemeinschaftsgefühl und soziale Integration vermittelt werden. Nicht nur in diesen Anlagen im Freien. Nach Auskunft von Gharbi werden die Jugendlichen auch in Schulen, noch nicht in Bremen-Nord, und Einrichtungen begleitet. Wie berichtet gibt es eine Kooperation mit dem Träger Wildfang, der die Rekumer Straße 12 (ehemals Kannenberg-Einrichtung) in Blumenthal übernommen hat und dort Kinder betreut. Inzwischen wird das Hood-Training auch in Gröpelingen angeboten. Pläne für weitere Stadtteile gibt es auch schon.

„Der SAV-Vorstand hat das Okay gegeben“, sagt der zweite Vorsitzende Wilhelm Asmus. „Wir betreiben die Anlage aber nicht.“ Darum kümmere sich die Stiftung „Aktion Hilfe für Kinder“. Die SAV stelle nur die Fläche für die Geräte zur Verfügung. In den nächsten Tagen soll mit den anderen Akteuren geklärt werden, wo genau der neue Fitnessbereich auf dem Gelände gebaut werden soll. Asmus spricht davon, dass die drei vorhandenen Container versetzt werden sollen. Er kann nicht nachvollziehen, warum der Vorsitzende der SAV-Fußballabteilung Bernd Siems so vehement gegen dieses Projekt spricht.

Siems reagiert verärgert auf das ­Vorhaben, auf dem Platz die Hood-Anlage zu ­bauen. „Wir von der Fußballabteilung haben es abgelehnt“, sagt er. Siems befürchtet noch mehr Schmutz und Müll, dass noch mehr Personen auf dem Gelände herumlaufen. Vor allem abends. „Dem Vandalismus wird Tor und Tür geöffnet“, bezieht er sich auf die Erfahrungen der vergangenen Jahre mit vielen Vorkommnissen (wir berichteten).

Siems befürchtet, dass das Projekt „irgend­wann allein an der Fußballabteilung hängen bleibt“. Er fragt: „Wer entfernt den Müll?“ Der Vorsitzende der Abteilung stellt die Einwilligung als Alleingang des Vorstands dar und sagt: „Nicht mit uns.“ Er schlägt vor, die Anlage auf den Oeversberg zu bauen oder auf dem Bahnhofsvorplatz. Da sei Platz genug.

Asmus nimmt die Kritik gelassen. „Die Fußballer waren einverstanden“, korrigiert er Siems‘ Aussage. „Im Dunkeln wird dort niemand herumturnen“, geht er auf das geplante Konzept ein, abends gebe es kein Training. In Bezug auf Vandalismus meint er: „Schlimmer kann es nicht werden.“

Wilhelm Asmus meint auch, dass es mehr Papierkörbe geben werde, die öfter vom Umweltbetrieb geleert werden würden. „Wir sind nur Pächter der Sportanlage und haben mit der Hood-Anlage nichts zu tun, verantwortlich ist die ,Aktion Hilfe für Kinder‘“, unterstreicht er die Zuständigkeiten. Er begründet den Unmut des Vorsitzenden der Fußballabteilung damit, „dass es ihm nur um die Versetzung seiner Container geht“. Laut Asmus hat Siems sie der Sportgemeinschaft Aumund-Vegesack zur Verfügung ­gestellt.

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