Emissionsfreier Verkehr in Bremerhaven

Wasserstoff für die Touristenbusse

Bremerhaven beschäftigt sich damit, seinen Busverkehr auf Wasserstoff umzustellen. Zunächst hat die Stadt den Hafenliner dafür im Blick. Ein entsprechendes Gutachten zeigt aber, dass das noch Zeit braucht.
12.08.2020, 05:00
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Von Helmut Stapel
Wasserstoff für die Touristenbusse

Der Hafenliner verbindet als touristische Buslinie den Fischereihafen mit den Havenwelten und Überseehäfen. Zukünftig könnte er mit Wasserstoff fahren.

Helmut Stapel

Touristische Standorte mit nachhaltigen Verkehrskonzepten voranbringen – das ist das Ziel des EU-Projektes „Desti-Smart“. Bremerhaven nimmt als einzige deutsche Stadt mit neun verschiedenen Partnerländern daran teil. Die Erlebnis Bremerhaven GmbH, die Tourismusgesellschaft der Stadt, hat deshalb ein Gutachten für den Einsatz von Bussen mit Wasserstoff-Antrieb in Auftrag gegeben und am Dienstag vorgestellt. Das Ergebnis: Zukunftsthema, aber machbar.

Im Koalitionsvertrag der Stadt Bremerhaven ist festgeschrieben, dass perspektivisch bestenfalls drei Fahrzeuge von Bremerhaven-Bus mit Wasserstoff fahren sollen. „Wir haben also von der Politik den Auftrag, die Möglichkeiten dafür auszuloten“, sagte der Geschäftsführer von Bremerhaven-Bus, Robert Haase. Die Bremerhavener Erlebnis GmbH möchte auf der Route des sogenannten Hafenliners die Touristen mit Brennstoffzellenantrieb chauffieren. Die Buslinie verbindet seit kurzem die Überseehäfen entlang der Havenwelten mit dem Fischereihafen.

„Bei einer durchschnittlichen Fahrleistung von 217 Kilometern pro Tag und Bus wäre das mit Wasserstoff problemlos umsetzbar“, sagte Eckert. Pro Jahr ließen sich durch drei Busse 127 Kilogramm Stickstoffoxide einsparen. Dafür müsste zunächst aber eine ausreichende Versorgung mit Wasserstoff geschaffen werden – wie mit der geplanten Wasserstoff-Tankstelle an der Autobahn 27 an der Abfahrt Wulsdorf. Sollte Bremerhaven-Bus perspektivisch die gesamte Flotte von 73 Bussen auf Wasserstoffbetrieb umstellen wollen, raten die Gutachter zu einer eigenen Tankstelle auf dem Betriebshof des städtischen Verkehrsdienstleisters.

Für Geschäftsführer Robert Haase wäre der kleine Projektstart zunächst ausreichend. „Wir beschäftigen uns seit 2015 intensiv mit dem Thema. Dabei ist es vor allem die Frage, welches System für uns das richtige wäre“, sagte er.

Die Gutachter kommen zu dem Ergebnis, dass das Projekt Wasserstoff-Bus in Bremerhaven vor allem durch zwei Faktoren begrenzt wird. Zum einen sind 18 Meter lange Gelenkbusse mit Brennstoffzellen-Antrieb wohl erst Anfang 2022 auf dem Markt. Zum anderen wäre ein solcher Bus mit einem Anschaffungspreis von etwa 560 000 Euro inklusive einer maximalen staatlichen Förderung immer noch 40 Prozent teurer als ein herkömmlicher Dieselbus“, sagte Eckert.

Bremerhaven-Bus-Chef Robert Haase: „Wir haben bei allen maßgeblichen Stellen unsere Kontonummer hinterlassen – aber Geld für den Kauf der Busse hat noch keiner überwiesen.“ Für Bremerhaven-Bus sei die mögliche Investition eine entscheidende Frage. „Wir sind im Vergleich zu anderen städtischen Verkehrsbetrieben wie beispielsweise München oder Frankfurt ein kleines Unternehmen. Wenn wir für drei Busse eine Million Euro ausgeben, darf das kein Fehlschuss sein.“

Die Zeit bis zur Marktreife von Brennstoffzellen-Gelenkbussen will er dafür nutzen, Förderanträge zu schreiben und das Unternehmen auf die emissionslosen Busse vorzubereiten. "Wir haben die erste Werkstattmitarbeiterin schon zur Schulung geschickt und sobald die Fördergelder zugesagt sind, starten wir die Ausschreibung für das Busprojekt.“

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