Bremer Start-up-Unternehmen "Sophieplus"

Mit Wichtelarbeit auf Erfolgskurs

Sarah Kinard liebt Papiere, Tee und Handarbeit: Seit gut einem Jahr vertreibt sie von Bremen aus Glückwunschkarten, Geschenkpapier, Windlichter und ähnliches.
24.11.2014, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Mit Wichtelarbeit auf Erfolgskurs
Von Silke Hellwig
Mit Wichtelarbeit auf Erfolgskurs

Für Sarah Kinard ist schon seit Juli Weihnachten – seitdem läuft die Produktion mit „Sophieplus“-Weihnachtsartikeln, die vor allem in Handarbeit entstehen.

Frank Thomas Koch

Sarah Kinard liebt Papiere, Tee und Handarbeit: Seit gut einem Jahr vertreibt sie von Bremen aus Glückwunschkarten, Geschenkpapier, Windlichter und ähnliches. Besonders erfolgreich ist die Kommunikationsdesignerin mit ihren sogenannten Teegeschenken. Von Freitag an werden die Mitbringsel erstmals auch auf dem Bremer Weihnachtsmarkt verkauft.

. Bei Sarah Kinard weihnachtet es sehr, bereits seit Juli. Im Hochsommer war sie schon von Engeln, Weihnachtsmännern und dem Duft von Zimt, Arnis und Nelken umgeben. Denn sie saß alleine, mit ihrer Mutter, manchmal auch mit ihrem Ehemann oder einer Freundin in einer Wohnung im Viertel, wog auf der Küchenwaage Weihnachtstee ab, befüllte und klebte transparente Umschläge mit Schnee- und Sternmotiven. „Das ist echte Wichtelarbeit, und mir macht sie nach wie vor Spaß, auch wenn es manchmal ein bisschen viel wird“, sagt die Bremerin. Das Ergebnis der Heimarbeit sind sogenannte Teegeschenke. Seit dem Sommer entstanden davon 25 000 sowie rund 5000 ebenfalls selbst abgefüllte und dekorierte Teedosen, berichtet Sarah Kinard.

Eine Bremer Firma importiert die verschiedenen Sorten Tee, er wird auch in Bremen gemischt. Die Kartons, in denen die Waren verschickt werden, sind ebenso in Bremen hergestellt. Das Papier stammt aus Düren und wird in Stuttgart bedruckt – in einer Druckerei, die mit Transparentpapier umgehen kann. Das alles ist kein Zufall, sondern gewissermaßen Firmenphilosophie: „Es macht für mich schon einen Unterschied, ob ich etwas von irgendwoher mitnehme, das dort und in Handarbeit entstanden ist oder ob es nur auf einer Messe geordert wurde und vielleicht aus China kommt.“

Sarah Kinard liebt nicht nur Tee, sondern auch Papier. Vermutlich sei ihr das in die Wiege gelegt worden: Ihre Mutter Marlene Teichert ist Inhaberin des Geschäfts „Teicherts feine Papiere“ am Domshof. Nach dem Abitur begann Sarah Kinard für sie ihre ersten Papeterieartikel zu designen – zuerst für Kunden mit Extrawünschen, dann entstanden ganze Kollektionen, vor allem aus transparentem Papier. „Das gab es bis dahin eigentlich noch nicht, weil es sehr schwer zu bedrucken ist.“

Direkte Reaktionen von Kunden

Die Karten und das Briefpapier wurden zuerst im Geschäft am Domshof angeboten. „Das war ein Supertest, weil wir die Reaktionen von Endkunden direkt sehen konnten, das ist ja selten so.“ Die Entwürfe fanden Gefallen, die Motive waren farbenfroh, schlicht und fröhlich, oft mit maritim-hanseatischem Anklang. „Ich bin ein großer Bremen-Fan. Wenn man so wie ich mit Tee und Papier umgeht, also im Grunde mit alten Handelswaren, ist Bremen ideal.“ Auch bei den Karten war viel Handarbeit vonnöten – „weil das Transparentpapier leicht bricht. Sogar meine Oma hat nach der ersten Messe bei mir gesessen und mitgefaltet.“

Ein Freund der Familie, ein Buchbinder, der ebenfalls in Handarbeit Papeteriewaren für „Teicherts“ herstellte, hatte die junge Frau auf die erste Fachmesse mitgenommen. Auch da stießen Sarah Kinards Designs auf große Resonanz, bei Kunden aus dem deutschsprachigen Raum. Ihr größter und treuester Kunde ist seither das renommierte Kaufhaus Ludwig Beck in München. Für die Münchner lässt „Sophieplus“ mittlerweile einen Haustee und andere Sorten speziell mischen, wie „Ludwig Becks Weihnachtstee – feinster schwarzer Biotee mit Orangenschalen, Mandeln, Zimt, Anis, Äpfeln, Orangenblüten und Nelke“.

Sarah Kinard hat Kommunikationsdesign in Hamburg studiert und eröffnete ein Geschäft in Oldenburg. Die Liebe brachte sie dazu, das Geschäft, ihre Firma und ihre Designs vor einigen Jahren zu verkaufen – sie folgte ihrem Ehemann, einem US-Amerikaner, nach Charleston in South Carolina, wo sie als ausgebildete Pferdebereiterin eine Farm übernahm und später für die Firma Bosch deutsche Ingenieure betreute. Die Papeterie habe sie jedoch nie losgelassen, nebenher entstanden weiterhin Designs für Kunden, auch neue Ideen – wie der Verschenktee, der ihre Liebe zu Tee und Transparentpapier vereine. Als „das Heimweh immer schlimmer wurde“ – vor gut einem Jahr – kehrte sie nach Bremen zurück.

Hilfe für das Unternehmen

Nicht nur großer familiärer Beistand wurde der Bremerin hier zuteil. „Was wirklich großartig für mich war, ist die bremische Unterstützung für junge Unternehmen wie meines. Die Bremer Aufbau-Bank hat mir sehr geholfen.“ Ohne diese Hilfe hätte sie beispielsweise nicht wichtige Spezialmessen besuchen können, die der jungen Firma einen Sprung nach vorne verschafften. „Ich hätte das nie und nimmer bezahlen können.“

Die Papeterie-Branche sei nicht einfach. „Ein Auftrag im Umfang von 500 Euro ist schon sehr ordentlich. Aber ich nehme auch jeden Auftrag für kleine Kunden an.“ Dass die mit Tee gefüllten Transparentumschläge gerne verschenkt werden, ist für den Geschäftserfolg von Vorteil – die Produkte kommen von alleine herum; werden weitergegeben, ziehen Anfragen von Firmen nach sich, als kleine Aufmerksamkeit für Mitarbeiter oder Kunden.

Wie geht es weiter – wächst „Sophieplus“ über die Familie hinaus? Eigentlich lege sie es nicht darauf an, sagt Sarah Kinard. Die Handarbeit liege ihr, die Nähe zu den Kunden sei ihr wichtig. „Wenn es einmal eine Beschwerde gibt, weiß ich ganz genau, wovon geredet wird.“ Vom nächsten Jahr an wird die Unternehmerin zur Hälfte bei Bremen und in den USA leben, weil ihr Mann für eine Spezialeinheit beim US-Militär arbeitet. Aber eines steht fest – die nächste Investition: eine Teepackmaschine. „Viel weiter denke ich noch nicht.“

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