Auftaktveranstaltung in der Ronzelenstraße

Mit Zisch die Zeitung selbst gestalten

Für nahezu 3000 Mädchen und Jungen gehört das Zeitunglesen in den kommenden Monaten fest zum Schulunterricht. Sie nehmen teil am Projekt „Zeitung in der Schule“, das am 3. November begonnen hat.
11.10.2014, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Stefanie Waterkamp
Mit Zisch die Zeitung selbst gestalten

Prominententreff im Café Zisch: Gestern haben sich in der Oberschule an der Ronzelenstraße US-Präsident Thomas Jefferson, Kaiser Napoleon und andere Figuren der jüngeren und älteren Geschichte getroffen. Der Auftritt der Achtklässler bot zum Auftakt des Zisch-Projekts Witziges und Nachdenkliches zum Thema Tageszeitung.

Volker Crone

Für nahezu 3000 Mädchen und Jungen gehört das Zeitunglesen in den kommenden Monaten fest zum Schulunterricht. Sie nehmen teil am Projekt „Zeitung in der Schule“, das am 3. November begonnen hat und zuvor mit einer Feier eröffnet wurde.

Solch illustre Gäste gab es noch nie bei „Zeitung in der Schule“. Oben auf der Bühne, im Café Zisch, sitzen Größen wie die FDP-Ikone Hans-Dietrich Genscher, Kaiser Napoleon und der längst verstorbene US-Präsident Thomas Jefferson. Sie sind in die Zeitungslektüre vertieft.

„Wo Pressefreiheit herrscht und jedermann lesen kann, da ist Sicherheit“, proklamiert Jefferson. Auch Napoleon meldet sich zu Wort: „Ich fürchte drei Zeitungen mehr als hundert Bajonette.“ Und Hans-Dietrich Genscher verblüfft die Schüler in der Schulaula mit der Aussage, dass er lieber Zeitungen ohne Regierung hätte als Regierungen ohne Zeitungen.

Qualitätsjournalismus und Zeitung als Aufpasser und feste Größe in der Demokratie – darüber werden alle Zisch-Teilnehmer noch viel diskutieren. Und natürlich noch mehr: Was macht einen guten Zeitungsbericht aus? Was ist der Unterschied zwischen Gerüchten und gut recherchierten Nachrichten? Was hat ein Kommentar, was eine Nachricht nicht hat?

Jeden Morgen werden die Schülerinnen und Schüler im Klassenraum ihren eigenen WESER-KURIER finden. Es wird damit ein bisschen so sein wie am Frühstückstisch von Jürgen Koopmann, Schulleiter der Oberschule an der Ronzelenstraße. „Die Zeitung gehört für mich einfach dazu“, erzählt er. Wofür eine Zeitung von Nutzen ist, wissen die Mädchen und Jungen seiner Schule sehr wohl, wie sie beim Fliegen klatschen und Schuhe ausstopfen humorvoll beweisen. „Man kann sogar drin lesen“, stellen sie am Ende ihres Programmes fest. Dennoch, so weiß Koopmann, bezögen die Jugendlichen ihre Informationen heute eher aus dem Internet. „Aber mit Zisch dürft ihr nun Zeitung selbst gestalten und ein Gefühl für sie bekommen.“

Zum ersten Mal in der elfjährigen Zisch-Geschichte nehmen Grundschüler und Klassen weiterführender Schulen gleichzeitig am Zeitungsprojekt teil. Der WESER-KURIER ist damit einem Wunsch der Lehrkräfte nachgekommen. Es gibt eine weitere Neuerung: Die Zeitungsseiten, für die die Klassen recherchieren und schreiben, sollen erstmals in einen Wettbewerb einfließen. Eine Jury wird im Sommer die besten Seite, Texte und Fotos prämieren. Projektlehrer Stefan Hüttermann weiß bereits, mit welchem Thema seine Klasse an den Start gehen wird: „Wir werden uns mit unbegleiteten Flüchtlingen beschäftigen.“

Wie aus Gesprächen Texte und später eine Zeitung wird, darüber informiert ein kleiner Vortrag als Teil des Programms, das Projektlehrerin Anja Andresen mit den Achtklässlern vorbereitet hat. Dazu zählt auch eine Choreografie der Rhythmischen Sportgymnastik aus der Kaderklasse und das Pianospiel von Janita Hüffmeier.

Stefan Dammann, Leiter redaktionelle Projekte beim WESER-KURIER, lädt die Zisch-Teilnehmer an diesem Morgen ein, ohne Angst durch die Zeitung zu stöbern. „Wenn ihr nachher wisst, dass in der Zeitung viel Spannendes steht, haben wir viel erreicht.“ Mögen dabei die Worte von Regisseur Alberto Sordi beim Prominententreff den Schülern in den Ohren warnend weiterklingen: „Der beste Weg, in die Zeitung zu kommen, besteht darin, eine zu lesen, während man die Straße überquert.“

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