Vier Klimawerkstätten starten in den Stadtteilen / Energieeinsparung ist ebenso Thema wie Gemeinschaftsgärten Miteinander für umweltfreundlichen Alltag

Es geht vielen so: Man wird in Sachen Klimaschutz persönlich nicht wirklich aktiv, obwohl die Probleme bekannt und bedrohlich sind. In den jetzt gegründeten "Klimawerkstätten", die noch weitere Teilnehmer kostenfrei aufnehmen, sollen Interessierte ein halbes Jahr lang lernen, ihren Alltag klimafreundlicher zu organisieren. Bei einer Auftaktveranstaltung im Forum Kirche wurde das Projekt jetzt vorgestellt.
26.04.2012, 05:00
Lesedauer: 6 Min
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Von Ina Schulze

Es geht vielen so: Man wird in Sachen Klimaschutz persönlich nicht wirklich aktiv, obwohl die Probleme bekannt und bedrohlich sind. In den jetzt gegründeten "Klimawerkstätten", die noch weitere Teilnehmer kostenfrei aufnehmen, sollen Interessierte ein halbes Jahr lang lernen, ihren Alltag klimafreundlicher zu organisieren. Bei einer Auftaktveranstaltung im Forum Kirche wurde das Projekt jetzt vorgestellt.

Schwachhausen."Heute ist ein guter Tag für Bremen", sagte Joachim Lohse, Senator für Umwelt, Bau und Verkehr, im Forum Kirche an der Hollerallee. Denn parallel zur Gemeinschaftsaktion"Bremen räumt auf" fiel der Startschuss für die ersten Bremer Klimawerkstätten, die sich einem umweltfreundlicheren Alltag widmen. In Gang gebracht von den Vereinen Ökostadt Bremen und Sozialökologie, sollen neue Wege beschritten werden, um Menschen zum Klimaschutz anzuregen. "Wir müssen wegkommen von der Selbstanklage und dem schlechten Gewissen", sagt Peter Brodersen von Ökostadt Bremen. Es gehe vielmehr darum, ganz konkret Dinge im Alltag zu verändern.

Es gibt vier Klimawerkstätten, an denen Interessierte noch teilnehmen können: in Walle/Findorff, Vahr/Sebaldsbrück, Ostertor/Steintor und Hastedt/Peterswerder. In den Klimawerkstätten arbeiten die Teilnehmer über einen Zeitraum von sechs Monaten daran, ihren Alltag klimafreundlich zu gestalten – jeder nach seinen Möglichkeiten. Bei regelmäßigen Treffen tauschen sich die Teilnehmer unter Anleitung einer Koordinatorin aus und diskutieren neue Ideen.

In den vier Gruppen soll auch herausgefunden werden, was in den einzelnen Stadtteilen sinnvoll und wirkungsvoll ist. "Es geht dabei um ein persönliches Alltagsexperiment", erklärte Marianne Pfaffinger aus München. "Was möchten Sie selbst einmal ausprobieren?", fragte sie an die Adresse der Teilnehmer. Pfaffinger arbeitet maßgeblich an der Umsetzung dieses Projekts mit, das in München und Chiemgau bereits erste Erfolge verzeichnet hat. Dort nahmen sich die Teilnehmer die Anregungen aus den Klimawerkstätten zu Herzen und behielten zu 92 Prozent ihre Alltagsveränderungen nach dem Projektabschluss bei. Bei den meisten hat sich etwas im Haushalt geändert, zum Beispiel wurden Kippschalter an Steckdosen angebracht oder mit einem Messgerät heimliche Stromfresser enttarnt. Beim Einkaufen wird nun verstärkt auf die Verpackung und auf saisonale und regionale Produkte geachtet.

Jan Herrmannsen aus Peterswerder, der in einem Faltblatt von dem Bremer Projekt gelesen hatte, findet Ideen für Gemeinschaftsgärten interessant. Außerdem möchte er in seinem Stadtteil gerne während des Projektes eine "kreative Wiederverwertung" anregen. Ganz wichtig ist nicht nur für ihn die Gruppendynamik. "Denn alleine verliert man leicht die Motivation", weiß auch Marianne Pfaffinger.

Irene Vagts, die als Koordinatorin für die Klimawerkstatt Walle/Findorff zuständig ist, sieht sich nicht nur als Moderatorin, sondern auch als Teilnehmerin. "Ich bin sehr gespannt, welche Ideen in der Gruppe entstehen werden", so die Diplom-Biologin.

Was kann in den verschiedenen Ecken Bremens angeregt und umgesetzt werden? Die vorhandenen Strukturen in den verschiedenen Stadtteilen sind recht unterschiedlich. "Was zum Beispiel in Findorff klappt, muss nicht in Obervieland klappen", sagt Pastor Friedhelm Blüthner, Umweltbeauftragter der Bemischen Evangelischen Kirche. "Bremen als Dorf mit Straßenbahn" hat in den Augen von Blüthner auf jeden Fall in Sachen Mobilität schon einen enormen Vorteil, das gute Angebot des öffentlichen Nahverkehrs könne auch noch stärker genutzt werden. Die Werkstätten sollen sich auch in den Bereichen Ernährung, Konsum, Strom- und Heizenergie Gedanken machen. Unter anderem sind sogar Kochkurse geplant, in denen die Teilnehmer auch Tipps für einen klimabewussteren Einkauf erhalten. "Wir wollen den Genuss wiederentdecken und erkennen, dass weniger auch mehr ist", sagt Blüthner.

"Wir können in den Klimawerkstätten zusammenarbeiten und voneinander lernen", betonte Senator Joachim Lohse.

Wer bei der Klimawerkstatt mitmachen möchte, kann sich wenden an den Verein Sozialökologie, Ruf 3499077, E-Mail sozialoekologie@web.de, oder den Verein Ökostadt Bremen, Telefon 70100030, E-Mail info@oekostadt-bremen.de.

Miteinander für umweltfreundlichen Alltag

Vier Klimawerkstätten starten in den Stadtteilen / Energieeinsparung ist ebenso Thema wie Gemeinschaftsgärten

Es geht vielen so: Man wird in Sachen Klimaschutz persönlich nicht wirklich aktiv, obwohl die Probleme bekannt und bedrohlich sind. In den jetzt gegründeten "Klimawerkstätten", die noch weitere Teilnehmer kostenfrei aufnehmen, sollen Interessierte ein halbes Jahr lang lernen, ihren Alltag klimafreundlicher zu organisieren. Bei einer Auftaktveranstaltung im Forum Kirche wurde das Projekt jetzt vorgestellt.

Schwachhausen."Heute ist ein guter Tag für Bremen", sagte Joachim Lohse, Senator für Umwelt, Bau und Verkehr, im Forum Kirche an der Hollerallee. Denn parallel zur Gemeinschaftsaktion"Bremen räumt auf" fiel der Startschuss für die ersten Bremer Klimawerkstätten, die sich einem umweltfreundlicheren Alltag widmen. In Gang gebracht von den Vereinen Ökostadt Bremen und Sozialökologie, sollen neue Wege beschritten werden, um Menschen zum Klimaschutz anzuregen. "Wir müssen wegkommen von der Selbstanklage und dem schlechten Gewissen", sagt Peter Brodersen von Ökostadt Bremen. Es gehe vielmehr darum, ganz konkret Dinge im Alltag zu verändern.

Es gibt vier Klimawerkstätten, an denen Interessierte noch teilnehmen können: in Walle/Findorff, Vahr/Sebaldsbrück, Ostertor/Steintor und Hastedt/Peterswerder. In den Klimawerkstätten arbeiten die Teilnehmer über einen Zeitraum von sechs Monaten daran, ihren Alltag klimafreundlich zu gestalten – jeder nach seinen Möglichkeiten. Bei regelmäßigen Treffen tauschen sich die Teilnehmer unter Anleitung einer Koordinatorin aus und diskutieren neue Ideen.

In den vier Gruppen soll auch herausgefunden werden, was in den einzelnen Stadtteilen sinnvoll und wirkungsvoll ist. "Es geht dabei um ein persönliches Alltagsexperiment", erklärte Marianne Pfaffinger aus München. "Was möchten Sie selbst einmal ausprobieren?", fragte sie an die Adresse der Teilnehmer. Pfaffinger arbeitet maßgeblich an der Umsetzung dieses Projekts mit, das in München und Chiemgau bereits erste Erfolge verzeichnet hat. Dort nahmen sich die Teilnehmer die Anregungen aus den Klimawerkstätten zu Herzen und behielten zu 92 Prozent ihre Alltagsveränderungen nach dem Projektabschluss bei. Bei den meisten hat sich etwas im Haushalt geändert, zum Beispiel wurden Kippschalter an Steckdosen angebracht oder mit einem Messgerät heimliche Stromfresser enttarnt. Beim Einkaufen wird nun verstärkt auf die Verpackung und auf saisonale und regionale Produkte geachtet.

Jan Herrmannsen aus Peterswerder, der in einem Faltblatt von dem Bremer Projekt gelesen hatte, findet Ideen für Gemeinschaftsgärten interessant. Außerdem möchte er in seinem Stadtteil gerne während des Projektes eine "kreative Wiederverwertung" anregen. Ganz wichtig ist nicht nur für ihn die Gruppendynamik. "Denn alleine verliert man leicht die Motivation", weiß auch Marianne Pfaffinger.

Irene Vagts, die als Koordinatorin für die Klimawerkstatt Walle/Findorff zuständig ist, sieht sich nicht nur als Moderatorin, sondern auch als Teilnehmerin. "Ich bin sehr gespannt, welche Ideen in der Gruppe entstehen werden", so die Diplom-Biologin.

Was kann in den verschiedenen Ecken Bremens angeregt und umgesetzt werden? Die vorhandenen Strukturen in den verschiedenen Stadtteilen sind recht unterschiedlich. "Was zum Beispiel in Findorff klappt, muss nicht in Obervieland klappen", sagt Pastor Friedhelm Blüthner, Umweltbeauftragter der Bemischen Evangelischen Kirche. "Bremen als Dorf mit Straßenbahn" hat in den Augen von Blüthner auf jeden Fall in Sachen Mobilität schon einen enormen Vorteil, das gute Angebot des öffentlichen Nahverkehrs könne auch noch stärker genutzt werden. Die Werkstätten sollen sich auch in den Bereichen Ernährung, Konsum, Strom- und Heizenergie Gedanken machen. Unter anderem sind sogar Kochkurse geplant, in denen die Teilnehmer auch Tipps für einen klimabewussteren Einkauf erhalten. "Wir wollen den Genuss wiederentdecken und erkennen, dass weniger auch mehr ist", sagt Blüthner.

"Wir können in den Klimawerkstätten zusammenarbeiten und voneinander lernen", betonte Senator Joachim Lohse.

Wer bei der Klimawerkstatt mitmachen möchte, kann sich wenden an den Verein Sozialökologie, Ruf 3499077, E-Mail sozialoekologie@web.de, oder den Verein Ökostadt Bremen, Telefon 70100030, E-Mail info@oekostadt-bremen.de.

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