Wie Polen in Bremen die EM erleben Mitfiebern fern der Heimat

Bremen. Fühl dich wie zu Hause – unter diesem Motto begrüßen Polen und Ukrainer seit Freitag Fußballfans aus aller Welt. Doch wie erleben Polen in Bremen die Spiele in ihrem Heimatland?
09.06.2012, 05:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Judith Dietl

Bremen. Fühl dich wie zu Hause – unter diesem Motto begrüßen Polen und Ukrainer seit gestern Fußballfans aus aller Welt. Wie zu Hause fühlen sich die gebürtigen Polen Andreas und Anne Swierczynski in Bremen. Das Fußballspektakel in ihrer Heimat verfolgen sie deshalb von hier aus – im eigenen Irish Pub, das zum gestrigen Auftaktspiel Treffpunkt polnischer Fans war.

Irisches Bier, Jägermeister aus Deutschland, polnische Flaggen und Fußballschals. Alles ist bereit für das erste Spiel der Europameisterschaft 2012: in "Murphy’s Corner", einem Irish Pub in der Neustadt. Doch die Kneipenbesitzer kommen nicht von der grünen Insel, sondern aus einem Gastgeberland der EM. Andreas und Anne Swierczynski sind in Polen geboren und aufgewachsen, seit 25 Jahren leben sie in Bremen. "Wir wollten auf unserer Hochzeitsreise eigentlich nur ein paar Tage hier bleiben", erzählt Anne Swierczynski, "und daraus wurden dann eben ein paar Jahre mehr."

Das "Murphy‘s Corner" gehört ihnen seit vier Jahren. Aber warum ein Irish Pub und keine polnische Kneipe? "Das war reiner Zufall", sagt die Polin. Sie seien zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen. "Wir wurden gefragt, ob wir es übernehmen wollen und wir wollten." Sie hätten sich zwar überlegt, daraus ein polnisches Pub zu machen, aber da es schon als irische Kneipe geführt worden ist, beließen sie alles beim Alten.

Bier und Fußball passen gut zusammen. Eine halbe Stunde vor Spielanpfiff trudeln die ersten polnischen Fußballfans ein – mit der obligatorischen Flagge und anderem rot-weißen Zubehör. Dass ihre Mannschaft gewinnt, steht hier außer Frage. Höchstens ein Tor trauen sie der gegnerischen Mannschaft zu.

Alle Spiele auf der Leinwand

Die Spiele der Europameisterschaft werden in "Murphy’s Corner" auf einer Leinwand übertragen. Mit besonders großer Spannung verfolgen die Swierczynskis natürlich die Spiele der polnischen Nationalmannschaft. Auch weil sie aus zeitlichen Gründen nicht in ihre Heimat fahren können, um live dabei zu sein. Das sei schade, sie wären zu diesem Großereignis gerne nach Polen gereist, um sich die eine oder andere Partie anzusehen. "Freunde haben erzählt, dass die Stimmung dort einfach toll ist", sagt Anne Swierczynski etwas wehmütig. Und auch ihr Ehemann ist neidisch, wenn er an seine Arbeitskollegen denkt, die nach Polen gefahren sind und sogar bei mehreren Spielen im Stadion sitzen.

So drücken die beiden ihrer Mannschaft eben von Bremen aus die Daumen. Dass es die Polen bis ins Viertelfinale schaffen, davon ist die polnische Kneipenwirtin überzeugt: "Diese Mannschaft ist so gut aufgestellt, die kommen über die Vorrunde hinaus." Dann könnten sie auf die deutsche Mannschaft treffen – für Anne Swierczynski eine knifflige Situation als Fußballfan: "In meinem Herzen bin ich Polin. Aber Deutschland ist meine zweite Heimat." Sie male sich dann eine polnische Flagge auf die eine Wange und eine deutsche auf die andere. Wie bei der Weltmeisterschaft vor zwei Jahren. Die Deutschen hätten damals zwar gewonnen, schaltet sich ihr Ehemann ein, "aber die Tore haben Polen geschossen – Klose und Podolski", sagt er mit einem Schmunzeln. Anne Swierczynski sieht das pragmatisch: "Die beste Mannschaft soll gewinnen."

Dann fällt auch schon das erste Tor für ihre Heimmannschaft. Großer Jubel unter den anwesenden Fans. Es sind zwar nur eine Handvoll gekommen, laut und spannend ist es trotzdem, wenn sich der Ball dem gegnerischen Tor nähert. "Auf unsere Leute ist Verlass", sagt Anne Swierczynski, "die feiern eben gern." Und wenn die Polen gewinnen, würden zum nächsten Spiel am Dienstag auch mehr Gäste kommen, weiß sie. Bis zum Ende reichte es trotz der roten Karte für die Griechen dann aber nur für ein Unentschieden. Anne Swierczynski lag mit ihrem Tipp 2:1 für Polen also knapp daneben. Aber es gebe ja noch ein paar Chancen für ihre Mannschaft, Punkte zu machen. Und mit den Spielern aus Dortmund und Sebastian Boenisch von Werder sieht sie ihre Polen im Viertelfinale.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+