Mitten im Sommer

Die Vorzeichen waren dramatisch: Zwei Tage vor dem Mittsommerfestival im Lichtluftbad am Strandweg entwurzelte ein Unwetter einen riesigen Ahorn, und das Gelände stand unter Wasser. Nach dem Ende der Open-Air-Party konnten die Mitglieder des Vereins Prießnitz in Bremen aufatmen: Schätzungsweise 1000 Menschen hatten ungetrübten Spaß an der bunten Mischung aus Musik und Theatralik gehabt. Der Wind stand so, dass auch die Östliche Vorstadt etwas Live-Musik abbekam.
27.06.2013, 05:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Rainer Kabbert

Die Vorzeichen waren dramatisch: Zwei Tage vor dem Mittsommerfestival im Lichtluftbad am Strandweg entwurzelte ein Unwetter einen riesigen Ahorn, und das Gelände stand unter Wasser. Nach dem Ende der Open-Air-Party konnten die Mitglieder des Vereins Prießnitz in Bremen aufatmen: Schätzungsweise 1000 Menschen hatten ungetrübten Spaß an der bunten Mischung aus Musik und Theatralik gehabt. Der Wind stand so, dass auch die Östliche Vorstadt etwas Live-Musik abbekam.

UND MONIKA FELSING

Huckelriede·Ostertor. Es waren keine Glühwürmchen, die da in der Mittsommernacht im Lichtluftbad in der Dunkelheit tanzten. Der Auftritt des bremisch-thailändischen Duos Lenn Fei war einer der magischen Momente der Großveranstaltung, die friedlich verlaufen ist. Wolfgang Ger-hardy als einer der Initiatoren schätzt, dass 1000 Menschen am Sonnabend auf dem Gelände waren, nicht gleichzeitig, aber doch im Laufe des langen Abends. Die große Konkurrenz, das Hurricane-Festival, sei zu verschmerzen gewesen, sagt er, die Kosten für das Fest gedeckt.

"Die treue Stammkundschaft war da", hat Wolfgang Gerhardy beobachtet, "und dann kommen ja immer wieder neue dazu." Im Kulturzentrum Lagerhaus ist Gerhardy zuständig für Kulturprojekte. Auch für das Mittsommerfest des Vereins Prießnitz in Bremen, der sich nach einem Wasserdoktor benannt hat und deshalb keine Probleme mit Nässe haben sollte. Am Sonnabend aber hofften die Veranstalter des Freiluftfestes auf gutes Wetter, und ihr Wunsch erfüllte sich. Die Temperaturen waren angenehm, und die Schauer störten kaum.

Von der madagassischen Band Raoky bis zur Feuershow von Lenn Fei herrschte Kommen, Bleiben und Gehen auf dem Gelände auf dem Stadtwerder, und die Generationen vermischten sich so stark wie noch nie. Darüber hat sich Wolfgang Gerhardy ganz besonders gefreut. "Das kannte ich bisher überhaupt nicht, wie weit die Besucher altersmäßig auseinander waren: Von 20 bis 70 Jahren war alles vertreten, nebeneinander haben sie das Fest genossen."

Generationsgemischt

Und viele Ältere sind, anders als in den Vorjahren im Lichtluftbad, auch länger geblieben als sonst. Bis zu vier Generationen feierten Mittsommer ein Weilchen gemeinsam, denn junge Eltern brachten ihre Babys und Kleinkinder mit. Als Djane Sibyll Manragora gegen Mitternacht balearische Beats auflegte und dazu Funk, Soul und Deep House, waren die Kleinen aber schon lange im Bett und manche Jung- und Altsenioren allmählich auf dem Weg nach Hause.

Auf der Bühne wurde einiges geboten: Nach Raoky kamen Hoof & Mouth an die Reihe und zeigten, was alles musikalisch zusammenpassen kann: Ska mit Glockenspiel, Rock mit Posaune und Pop mit Melodica. Auf ihre Fans in Bremen kann die achtköpfige Oldenburger Formation Skalinka bauen, die mit ihrer Mischung aus Ska, Latin, Folk und Balkan schon vor Jahren im Lichtluftbad für eine Superstimmung gesorgt hat.

Ein bisschen ruhiger, aber nicht weniger temperamentvoll lassen es Gordon Ruff und seine thailändische Partnerin Ying angehen, die als Künstlerin auf ihren Nachnamen verzichtet. Die beiden sind schon mehrfach bei La Strada aufgetreten und haben auf dem Marktplatz ihre feurigen Hula-Hoop-Reifen Springseile und Fächer tanzen lassen. Der gebürtige Bremer, der in Horn aufgewachsen ist, und die Artistin haben sich in Bangkok kennengelernt, touren seit Jahren durch Europa, verbringen aber auch viel Zeit in Indien und Thailand. Im Liluba verblüfften sie ihr Publikum mit Amors Feuerpfeil, der aus zehn Metern ins Ziel ging und ein Herz auflodern lies.

Wolfgang Gerhardy ist seiner Zeit voraus. Im nächsten Jahr könnte man ja noch mehr Flächen bespielen, überlegt er, doch im Grunde macht er sich darüber jetzt noch keinen Kopf: Das Mittsommerfestival 2013 ist für ihn abgehakt, vom 10. bis 14. Juli ist Breminale. Und da muss sich Gerhardy denn auch wieder mit behördlichen Auflagen beschäftigen, etwa für den Fall, dass Windstärke 6 droht. Aber der Kulturmanager ist ja sturmerprobt: Wer mit plattgewehten Ahornbäumen fertig wird, nimmt es auch mit steifen Brisen am Osterdeich auf.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+