Reste eines Rehbocks gefunden

Möglicher Wolfsriss in Borgfeld

In Borgfeld sind am Sonntagmittag die Überreste eines Rehbocks gefunden worden – die Landesjägerschaft Bremen geht davon aus, dass es sich dabei um einen Wolfsriss handeln könnte.
27.03.2017, 09:52
Lesedauer: 3 Min
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Möglicher Wolfsriss in Borgfeld
Von Kristin Hermann
Möglicher Wolfsriss in Borgfeld

In Borgfeld wurde ein Rehbock gerissen, die Landesjägerschaft Bremen geht davon aus, dass es sich bei dem "Vorfall eindeutig um einen Wolfsriss handelt".

Marcus Henke / Landesjägerschaft Bremen

In Borgfeld sind am Sonntagmittag die Überreste eines Rehbocks gefunden worden – die Landesjägerschaft Bremen geht davon aus, dass es sich dabei um einen Wolfsriss handeln könnte.

In Bremen ist zum ersten Mal ein totes Tier gefunden worden, das mit großer Wahrscheinlichkeit ein Wolf gerissen hat. Das hat am Montag die Landesjägerschaft Bremen bekannt gegeben. Demnach sind am Sonntag in Borgfeld die Überreste eines Rehbocks entdeckt worden, die wolfstypische Spuren aufweisen. Das Tier wurde nach Angaben der Landesjägerschaft durch einen Kehlbiss getötet, außerdem wurde beinahe der gesamte Rehbock gefressen.

Eine Spaziergängerin hatte das tote Tier auf einer Wiese an dem Weg „Am Großen Dinge/Ecke Kuhweideweg“ gefunden und anschließend die Landesjägerschaft informiert. „Von dem Tier waren nur noch der Kopf, der Träger, die rechte Hälfte der Decke, Knochen und der rechte Vorderlauf vorhanden“, sagt Marcus Henke von der Landesjägerschaft. Der übrige Rest inklusive der Eingeweide war gefressen worden.

Dass diese Fressspuren auch von einem Hund stammen könnten, hält die Landesjägerschaft für unwahrscheinlich. „Hunde beißen in der Regel häufiger zu und fressen nicht an die 20 Kilogramm Fleisch“, sagt Henke. Deshalb ist es für die Landesjägerschaft so gut wie eindeutig, dass der Rehbock von einem Wolf gefressen wurde. Die offizielle Überprüfung steht allerdings noch aus.

Untersuchung von Proben soll Klarheit schaffen

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Marcus Henke hat am Sonntag Gewebeproben von den Überresten des Tieres entnommen, die er an die Landesjägerschaft in Niedersachsen geschickt hat. Von dort aus sollen die Proben zum Senckenberg-Institut in Frankfurt geleitet werden, um zu prüfen, ob der Rehbock tatsächlich von einem Wolf getötet wurde. Das Ergebnis der Untersuchung wird in einigen Tagen vorliegen. Erst dann kann man auch prüfen, ob der betroffene Wolf bereits bekannt und ob er schon anderswo in Erscheinung getreten ist.

Der Fund verursacht bei den umliegenden Landwirten in Borgfeld Verunsicherung. Heike Klatte, Geschäftsführerin vom Bremischen Landwirtschaftsverband, war am Sonntag auch vor Ort, als das Tier gefunden wurde. Eine ihrer Weiden grenzt direkt an das Gebiet. „Ich will im Mai meine jungen Rinder auf diese Weide stellen. Nun habe ich natürlich Angst, dass der Wolf auch sie angreifen könnte“, sagt sie. Die größte Befürchtung der Landwirtin sei nicht einmal ein Wolfsriss: „Was passiert, wenn der Wolf die junge Herde aufscheucht und Rinder auf die angrenzenden Straßen laufen?“

Obwohl die Bremer Umweltbehörde bei einem Expertentreffen Anfang März zugesichert hat, Landwirte im Falle von Schädigungen zu unterstützen, seien viele Bauern in der Region nach wie vor besorgt. „Ob Bremen da wirklich unabhängig von Niedersachsen handeln kann, wird sich erst noch zeigen“, sagt Klatte. In Niedersachsen müssen Landwirte ihre Weiden ausreichend schützen, wenn sie entschädigt werden wollen, in Bremen soll das keine Grundvoraussetzung werden, kündigte die Behörde an.

Umweltbehörde beobachtet vorerst

Die Bremer Umweltbehörde schätzt den Riss vom Wochenende eher vorsichtig ein. „Wir beobachten die Entwicklungen, können aber noch nicht bestätigen, dass es sich um einen Wolfsriss handelt. Das werden erst die Untersuchungen zeigen“, sagt Umweltstaatsrat Ronny Meyer. Dass ein Wolf ein Reh reißt, sei zudem nicht als außergewöhnlich oder gefährlich einzustufen.

So sieht es auch der Naturschutzbund Bremen (Nabu). Die Euphorie der Bauern kann der Nabu nicht ganz nachvollziehen. „Dass ein Wolf einen Rehbock frisst, ist das Natürlichste der Welt“, sagt Annette Sieger, Wolfsbotschafterin beim Nabu. Der Wolf in Deutschland ernähre sich zu mehr als 50 Prozent von Rehen. „Es ist doch besser, als wenn er ein Nutztier gerissen hätte.“ Dass Wölfe gelegentlich auch Nutztiere angreifen, kann der Nabu indes nicht ausschließen. In Niedersachsen haben die Naturschützer deshalb ein Pilotprojekt gestartet, das neue Herdenschutzmaßnahmen untersucht.

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