JVA Bremen Mongols-Chef beantragt Ausgang

Ibrahim M., Chef der Bremer Mongols, sitzt wegen Drogenhandels im Gefängnis. Dazu gilt der Rocker-Boss als einflussreiches Mitglied eines kurdisch-libanesischen Clans. Nun plant er seine Rückkehr.
24.01.2017, 20:00
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Mongols-Chef beantragt Ausgang
Von Jan Oppel

Ibrahim M., Chef der Bremer Mongols, sitzt wegen Drogenhandels im Gefängnis. Dazu gilt der Rocker-Boss als einflussreiches Mitglied eines kurdisch-libanesischen Clans. Nun plant er seine Rückkehr.

Ibrahim M. sitzt wegen bandenmäßigen Drogenhandels im Gefängnis. Der 44-Jährige ist Präsident des mittlerweile verbotenen Rockerclubs Mongols MC Bremen und einflussreiches Mitglied des libanesisch-kurdischen Miri-Clans. Nun plant er seine Rückkehr: M. will die Justizvollzugsanstalt (JVA) tageweise ohne Begleitung verlassen dürfen.

„Er hat einen Antrag auf Vollzugslockerung gestellt“, bestätigt Sebastian Schulenberg, Sprecher des Justizressorts. Gegenwärtig prüfe die JVA, ob M. die Möglichkeit unbegleiteter Ausgänge gewährt werden könne. Dazu hat das Gefängnis Informationen der Bremer Polizei und der Staatsanwaltschaft angefordert. „Sollte die JVA den Antrag genehmigen, hat die Fachaufsicht der Justizbehörde aber noch die Möglichkeit, ein Veto einzulegen“, erläutert Schulenberg. Der Mongols-Chef M. wurde 2014 zu sechs Jahren, seine rechte Hand Dirk K. und der Mitangeklagte Tobias H. zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt.

„Jeder, der im Gefängnis sitzt, hat die Möglichkeit, eine Verkürzung der Haftzeit zu beantragen“, erklärt Helmut Kellermann, Sprecher des Landgerichts. „Ein anhängiges Verfahren ist aber ein Aspekt, der bei einer Entscheidung über eine Zweidrittelstrafe berücksichtigt werden muss“. Oft käme es in diesem Fall nicht zu einer positiven Entscheidung. Dagegen könnten aber auch aktuelle Geschehnisse oder persönliches Verhalten sprechen.

Erster Antrag im Juli abgelehnt

Bereits im Juli 2016 hatte das Landgericht einen Antrag M.'s auf Halbstrafe abgelehnt. Nach der Hälfte und nach zwei Dritteln der Haftzeit kann das Gericht den Rest zur Bewährung aussetzen, wenn „dies unter Berücksichtigung des Sicherheitsinteresses der Allgemeinheit verantwortet werden kann“ und „verantwortet werden kann zu erproben, ob der Verurteilte außerhalb des Strafvollzugs keine Straftaten mehr begeht“, heißt es dazu im Paragraf 57 des Strafgesetzbuches. Diese Voraussetzungen sah das Gericht bei M. nach der Hälfte der Haftzeit offenbar nicht gegeben. Im Juli dieses Jahres hätte der Mongols-Chef die Möglichkeit, einen Antrag auf eine Zweidrittelstrafe zu stellen. Ob dieses Vorhaben auch Aussicht auf Erfolg hätte, ist zumindest fraglich: Beim Bremer Landgericht liegt noch ein altes Verfahren gegen M. und vier andere Personen vor. Wann es eröffnet wird, ist noch nicht bekannt.

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Wie sich unbegleitete Ausgänge von M. auf den Konflikt zwischen Mongols und den Hells Angels auswirken könnten, ist unklar. Die Bremer Polizei will sich zu dem Thema aktuell nicht äußern. „Prognosen zu Auswirkungen von Entscheidungen, die noch nicht getroffen wurden, geben wir nicht ab“, heißt es aus der Pressestelle. Im Oktober hatte Andree Lehmann, Leiter der Abteilung Organisierte Kriminalität, im Gespräch mit dem WESER-KURIER noch gesagt: „M. war als Präsident Dreh- und Angelpunkt der Bremer Mongols." Seit seiner Verhaftung hätten es die Rocker allerdings nicht geschafft, sich neu zu formieren. Gleichwohl kam es immer wieder zu Sticheleien gegen die Erzfeinde: „Wir sehen, wie Bloody Warrior und die Mongols die Hells Angels verstärkt provozieren“, so Lehmann.

Bremer Innenbehörde rechnet Rockerclubs je 30 bis 40 Mitglieder zu

Bloody Warrior ist ein Unterstützerclub der Mongols aus Bremerhaven. Anfang Oktober liefen Anhänger der Gruppierung in ihren Kutten an der Bremer Schlachte auf und dokumentierten ihren „Kleinen Spaziergang“ bei Facebook. Mit dem Gruppenfoto hätten die Rocker Stärke gezeigt und territoriale Ansprüche angemeldet, sagte Lehmann damals dieser Zeitung. „Die Gegenseite kann das als eine Art Kriegserklärung auffassen.“ Vor wenigen Tagen richtete Bloody Warrior über Facebook eine neue Botschaft an ihre Gegner: „Adios – Angels die in our states“. Eine Reaktion der Hells Angels blieb bislang aus.

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Die Bremer Innenbehörde rechnet den Mongols und den Hells Angels jeweils 30 bis 40 Mitglieder zu. Offiziell gibt es die verfeindeten Rockergangs in Bremen gar nicht mehr, doch im Verborgenen kämpfen die Anhänger beider Clubs nach Einschätzung der Sicherheitsbehörden weiter um die Vorherrschaft. So posierten Mitglieder der Mongols etwa in T-Shirts mit den Aufdrucken „Fuck the Hells Angels“ oder „Free Ibrahim M.“ und verbreiteten die Bilder im Internet.

Im September vergangenen Jahres hatte das in den USA beheimatete Hauptquartier der Mongols zeitweise alle deutschen Ortsvereine verboten. Zu den Gründen für das verordnete Aus der deutschen Chapter hieß es in einem Text auf der mittlerweile gelöschten Facebook-Seite des Mongols MC Europe: die Art und Weise, wie die deutschen Anhänger des Rockerclubs tätig seien, entspreche nicht der „Art und Weise der mongolischen Nation – und sie folgen nicht unseren Regeln.“ Medienberichten zufolge reisten Ende 2016 Vertreter der Bremer Mongols in die USA und nach Mexiko – vermutlich, um die Wogen zu glätten. Wenige Tage später war ihr Ortsverein wieder auf der offiziellen Mongols-Homepage gelistet.

Mongols gegen Hells Angels
Im Mai 2011 hat Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) den Rockerklub Mongols MC Bremen verboten, zwei Jahre später auch Hells Angels Charter Bremen. Immer wieder war es zwischen beiden Lagern zu heftigen Auseinandersetzungen gekommen. Mehrere Personen wurden dabei teils schwer verletzt. Schon damals ging es um die Vorherrschaft in Bremen, etwa auf der Diskomeile am Breitenweg. Seit den Verboten ist es den Anhängern beider Clubs untersagt, ihre Kutten sowie Clubkleidung ohne Ortsbezeichnung öffentlich zu tragen. Mitglieder von Chaptern und Chartern anderer Städte dürften ihre Abzeichen in Bremen weiterhin zeigen.
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