Verein „DerElefant!“ warnt am Tag des offenen Denkmals vor dem Niedergang des Antikolonial-Mahnmals Monument vor dem Verfall

Das Antikolonial-Denkmal im Nelson-Mandela-Park erinnert seit mehr als 80 Jahren an die Unterdrückung der Völker in Afrika. Mittlerweile steht der „Der Elefant“ zunehmend vor dem Verfall. Am bundesweiten Tag des offenen Denkmals warnt Gudrun Eickelberg, die Vorsitzende des Vereins „DerElefant!“, vor dem Niedergang des Denk
18.09.2014, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Das Antikolonial-Denkmal im Nelson-Mandela-Park erinnert seit mehr als 80 Jahren an die Unterdrückung der Völker in Afrika. Mittlerweile steht der „Der Elefant“ zunehmend vor dem Verfall. Am bundesweiten Tag des offenen Denkmals warnt Gudrun Eickelberg, die Vorsitzende des Vereins „DerElefant!“, vor dem Niedergang des Denk

Am Elefanten bröckelt es. Jeder Bremer kennt ihn, doch wohl die wenigsten wissen um seine Geschichte: den Elefanten in der Nähe der Bürgerweide, der als „Anti-Kolonial-Denkmal“ an die deutsche Kolonialherrschaft erinnert. Dabei sollte er, als er 1932 eingeweiht wurde, noch den Anspruch auf die ehemaligen Kolonien bekräftigen.

Heute steht das Mahnmal unter Denkmalschutz, dennoch ist der stadtbekannte Riese vom Verfall bedroht. Normalerweise ist die Tür an seinem Sockel verschlossen, doch am bundesweiten Tag des offenen Denkmals am 14. September lud der Verein „DerElefant!“ ein, die Krypta des Elefanten zwischen Hermann-Böse-Straße und Bürgerweide zu besichtigen.

Die Vorstandsvorsitzende Gudrun Eickelberg hielt dabei Vorträge zur Geschichte des Mahnmals, begleitet von der Trommelmusik des Krefelder Künstlers Caco. Von dem großen Andrang am Denkmal zeigte sich selbst Eickelberg überrascht: „Nach zwei Stunden waren meine Materialien alle vergriffen.“

Als alte Handels- und Seefahrtstadt hatte Bremen stark von den Kolonien in Übersee profitiert. Nach deren Verlust bestand in Bremen seit dem Jahr 1927 das Interesse, ein Kolonialdenkmal zu errichten. Mit dem Einzug der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) in den Senat wurde das von Fritz Behn entworfene Mahnmal 1931 vom Bremer Architekten Otto Blendermann errichtet. Neben dem Bremer Roland auf dem Martkplatz ist der aus Oldenburger Klinker erbaute Elefant eines der höchsten Denkmäler in der Hansestadt.

Bei der feierlichen Einweihung 1932 wurde noch die Notwendigkeit von Kolonien für die wachsende deutsche Bevölkerung hervorgehoben. Nachdem jedoch die amerikanischen Besatzer nach dem Zweiten Weltkrieg die Terrakottatafeln abgeschlagen hatten, auf denen die Namen der ehemaligen deutschen Kolonien standen, kümmerte sich niemand mehr so recht um den Elefanten.

Ins Rampenlicht trat er erst wieder im Zuge der Anti-Apartheids-Bewegung, die sich für eine Umwidmung des Mahnmals einsetzte. Der Elefant wurde – zeitgleich mit der Unabhängigkeit der ehemaligen Kolonie Deutsch-Südwestafrika, dem heutigen Namibia – 1990 nach 58 Jahren als Kolonialehrendenkmal zum Anti-Kolonial-Denk-Mal.

Einige Meter weiter erinnert ein Kreis mit Steinen aus der Omaheke-Wüste an den Kolonialkrieg in Namibia, in dem zwischen 1904 und 1908 etwa 80 000 Angehörige der Nama- und Herero-Völker umgebracht wurden oder in der von deutschen Truppen abgeriegelten Wüste verdursteten.

„Inzwischen hat die UN das als Völkermord anerkannt“, sagt Eickelberg, „Deutschland aber nicht.“ Nur die ehemalige Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul habe sich einmal dafür entschuldigt, „aber die Regierung hat sofort betont, dass das privat war“.

Unter den Besuchern am Tag des offenen Denkmals ist auch Edith Schütt. Ihr Sohn brachte die Steine aus der Omaheke-Wüste nach Bremen. Die 91-Jährige ist Vorsitzende des Vereins Praktische Solidarität International, der „damals dafür mitgekämpft hat, dass der Elefant restauriert und umgewidmet wurde“, sagte Schütt.

Mit 62 Jahren begann sich Edith Schütt ehrenamtlich für Namibia zu engagieren. Sie baute dort eine Krankenstation auf, half bei der Verteilung von Hilfsgütern und trug durch ihre in mehreren Sprachen veröffentlichten Bücher dazu bei, die Probleme der Bevölkerung bekannt zu machen. „Die Weißen haben zum Beispiel alle Bäume gefällt, sodass sich die Wüste immer weiter ausbreitet.“ Daher wird Edith Schütt, die seit 65 Jahren in Bremen lebt, bald wieder nach Namibia reisen. Sie will sich für die Einführung einer Technologie einsetzen, die die landwirtschaftliche Nutzung von Wüstenboden ermöglicht.

Um die deutsche Kolonialgeschichte wieder stärker in das Bewusstsein der Bremer zu rücken, schlägt die Trägerin der Bundesverdienstmedaille die Einführung von Gedenktagen am Elefanten vor. Anbieten würde sich zum Beispiel der 21. März, an dem Namibia seine Unabhängigkeit feiert – 2015 wird es das 25. Mal sein. Doch der Zustand des Elefanten, dessen Krypta zwischenzeitlich als Abstellraum für Gartengeräte genutzt wurde, verschlechtert sich zusehends. Als er abgerissen werden sollte, gründete sich 2008 der Verein „DerElefant!“. Seitdem finden regelmäßig Kulturveranstaltungen im Inneren des Mahnmals statt.

Im Juli 2014 wurde der umliegende, bisher namenlose Park in Nelson-Mandela-Park umbenannt, in dem der Verein teilweise selber sauber macht. Zwar steht der Elefant seit 2008 unter Denkmalschutz. „Doch er kann zusammenbrechen“, betont Gudrun Eickelberg und deutet auf das Bäumchen, das aus dem Elefanten herauswächst und dessen Wurzeln die Steine schädigen. Sie sagt: „Es wäre etwas peinlich für Bremen, wenn das Mahnmal in Vergessenheit geriete.“

Durch die Beiträge seiner 25 Mitglieder versucht der Verein die Kosten für die Sanierung zu stemmen, ist aber dringend auf Spenden angewiesen. Der zunehmende Verfall des Denkmals müsse verhindert werden, sagt Gudrun Eickelberg. Denn „sonst wissen die Bremer ja gar nicht mehr, wo sie sich zum Freimarkt treffen sollen“.

Wissenswertes über das Denkmal sowie den Verein „DerElefant!“ erfahren Interessierte unter www.der-elefant-bremen.de. Der Verein Praktische Solidarität International stellt ist unter der Online-Seite www.psi-namibia.org vor erreichbar.

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