Onkel von Bremer Ex-Hells-Angel Mord in Oldenburg gibt weiter Rätsel auf

Ein Bremer Ex-Hells-Angel verschwindet, dann wird in Oldenburg sein Onkel erschossen. Auch zwei Tage nach der Tat bleibt das Motiv unklar.
29.07.2017, 18:45
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Mord in Oldenburg gibt weiter Rätsel auf
Von Jan Oppel

Seit knapp vier Wochen wird der frühere Hells-Angels-Rocker Rezan Cakici aus Bremen vermisst. In Oldenburg wurde nun sein Onkel erschossen, sein Vater brutal zusammengeschlagen. Den mutmaßlichen Täter hat die Polizei gefasst. Er sitzt in Untersuchungshaft. Auf der Suche nach den Hintergründen der Bluttat tappt die Polizei im Dunkeln.

„Bisher hat sich in der Sache noch nichts Neues ergeben“, sagte ein Beamter der Polizei Oldenburg am Sonnabend. Der 38-jährige Tatverdächtige soll am Donnerstagabend gegen 18 Uhr den 65-jährigen Onkel des vermissten Rezan Cakici durch drei Schüsse getötet und den 60-jährigen Vater mit massiven Schlägen schwer verletzt haben. Er wurde in ein Krankenhaus gebracht. Cakicis Onkel starb noch am Tatort.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass sich Opfer und Täter kannten und erließ am Freitag Haftbefehl wegen Totschlags. Nach Angaben der Polizei hatte der Festgenommene unter anderem mit dem Bruder von Rezan Cakici in einer Oldenburger Trockenbaufirma der Familie zusammengearbeitet. Dort ereignete sich auch die Schießerei.

Ob bei der Tat Verbindungen ins Rockermilieu eine Rolle spielen, ist zurzeit unklar. Seit 2011 war der Deutsch-Kurde Rezan Cakici Anhänger der Hells Angels. Wie das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ berichtet, soll Cakici zuvor beim Bremer Ableger der verfeindeten Mongols aktiv gewesen sein.

Im August 2014 schmissen die Hells Angels Cakici raus und erklärten ihn für vogelfrei. Ein Grund dafür soll verschiedenen Medienberichten zufolge gewesen sein, dass sich Cakici öffentlich für das Engagement der Kurden im Syrienkonflikt ausgesprochen hatte. Auf einem Foto, das im Netz kursiert, posiert er zudem mit einer Flagge, die das Konterfei von PKK-Anführer Abdullah Öcalan zeigt.

Polizei ermittelt in alle Richtungen

Die Arbeiterpartei Kurdistans wird in Deutschland als terroristische Vereinigung eingestuft. Ein Porträt des PKK-Chefs hatte sich Cakici auch auf den Unterarm tätowieren lassen. Offenbar passten diese politischen Statements den Rockern nicht in den Kram. Nach Angaben der Bild-Zeitung soll Cakici auch Geld von den Hells Angels abgezweigt haben. Von einer sechsstelligen Summe ist die Rede.

Cakici wandte sich damals in einer Videobotschaft an die Hells Angels. „Der Hells Angels Club Nomads Turkei hat zu mir gesagt, es gibt kein Kurdistan, es gibt keine kurdische Flagge“, sagt Cakici in die Kamera. Und: „Wer von euch meint, meine Familie zu bedrohen oder mich zu bedrohen, der wird sehen. Ich kämpfe bis zum letzten Tropfen!“ Später hatte sich Cakici für dieses Video entschuldigt. In der Zwischenzeit soll er sich mit dem Rockerklub wieder versöhnt haben. Im Falle der Schießerei vom Donnerstag ermittelt die Polizei in alle Richtungen und schließt auch persönliche oder geschäftliche Streitigkeiten nicht aus.

Die Polizei hat für die Suche nach Cakici eine Sonderkommission gegründet. Etwa 15 Beamte aus verschiedenen Fachkommissariaten arbeiten an dem Fall. Der 29-Jährige ist in Bremen gemeldet. Zuletzt wurde er in den Abendstunden des 3. Juli in der Oldenburger Shisha-Bar Smokingzz im Stadtteil Nadorst gesehen. In dem Lokal arbeitet ein Verwandter Cakicis, der offenbar bei den Hells Angels in Oldenburg aktiv ist.

Angehörige hatten den Bremer als vermisst gemeldet. Die Polizei schließt nicht aus, dass auch er mittlerweile getötet wurde. Cakici hatte am Tag seines Verschwindens durch die Hintertür der Shisha-Bar seine Handys und das Auto zurückgelassen. Einige Tage zuvor hatte der Bremer ein Foto von sich auf seiner Facebook-Seite veröffentlicht. Darüber schrieb er: „Erzähl den Leuten nur das, was du die wissen lassen möchtest“.

Hinweise zu Rezan Cakicis Aufenthaltsort nimmt die Polizei Oldenburg unter 0441 / 7 90 41 15 entgegen.

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