Politik appelliert an Gesellschaft

Jedes Jahr grüßt das Müllproblem

Tausende Menschen strömen an heißen Tagen zu den elf Bremer Badeseen. Dabei hinterlassen sie eine Menge Müll. Die Bremer Stadtreinigung setzt auf mehr Abfallbehälter, die Politik auf den Ordnungsdienst.
10.07.2020, 07:30
Lesedauer: 4 Min
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Von Mario Nagel
Jedes Jahr grüßt das Müllproblem

Kein schöner, aber leider ein häufiger Anblick: An Bremens Badeseen hinterlassen manche Besucher haufenweise Abfall, wie hier am Werdersee.

Frank Thomas Koch

Bremen. Wenn es ab Sonntag wieder wärmer und sonnig wird, wird es zum Beginn der Schulferien auch wieder Tausenden an die insgesamt elf Badeseen in Bremen ziehen. Unzählige Grünflächen oder kleine Sandstrände laden hier zum Verweilen ein. Das Problem: Viele Menschen verursachen auch viel Müll.

Ein kleines Eis, die Tüte Pommes oder das mitgebrachte Essen werden zwar gerne an den Badeseen verzehrt. Nicht immer finden leere Packungen aber in der Folge den Weg in die bereitgestellten Abfalleimer. Erst vor rund zwei Wochen hatte zurückgelassener Müll am Achterdieksee für Verärgerung bei den Besucherinnen und Besuchern gesorgt. Über zwei Tage lag an der Brücke und am kleinen Strand Unrat herum. Statt ihn zu entfernen, wurde dieser sogar noch von einem Rasenmäher zerkleinert.

Am Werdersee bietet sich den Besuchern an warmen Tagen ein ähnliches Bild. Besonders am Werderseestrand und der angrenzenden Grünfläche wird eine erhebliche Menge an Müll hinterlassen. Egal ob auf der Grillwiese oder in der Nähe des Holzstegs, direkt vor der DLRG-Rettungswache – sobald sich die Badegäste auf den Heimweg machen, sind Unmengen an Abfall zu finden. Umweltsenatorin Maike Schaefer (Grüne) sind die seit Jahren herrschenden Müllprobleme an den Bremer Badeseen natürlich bekannt. Die Bremerinnen und Bremer wünschten sich zu Recht, dass diese Orte sauber sind, sagt sie. „Einige Menschen hinterlassen dort jedoch reine Müllkippen - das ist mehr als rücksichtslos“, kritisiert Schaefer.

Das sieht Martin Michalik, umweltpolitischer Sprecher der CDU, genauso: „Grillschalen, Plastikflaschen, sogar ganze Müllsäcke werden auf den Badewiesen liegen gelassen. Es ist ein Skandal, dass wir das Problem seit Jahren nicht gelöst bekommen.“ Die Politik stünde zwar in der Pflicht, Lösungen zu finden. „Aber auch jede Bremerin und jeder Bremer muss Verantwortung tragen und dafür sorgen, dass der eigene Müll in die dafür vorgesehen Mülltonnen wandert“, fordert Michalik.

Die Reinigung der Grünflächen und der Badeseen samt ihrer Liegeflächen liegt in den Händen der Bremer Stadtreinigung. Die gebe sich eine große Mühe, die Reinigung auch zu gewährleisten, sagt Maike Schaefer. Doch die Umweltsenatorin nimmt auch die Bremerinnen und Bremer in die Pflicht: „Alle Menschen, die die Seen gerne nutzen, können und müssen dazu beitragen, die Badeseen sauber zu halten, indem sie ihren Abfall ordnungsgemäß entsorgen.“ Auch Ingo Tebje, umweltpolitischer Sprecher der Linksfraktion, kritisiert: „Es ist für viele offensichtlich zu viel verlangt, den eigenen Müll zu entsorgen.“

Die Bremer Stadtreinigung versucht der Problematik derweil mit extra aufgestellten Abfallbehältern entgegenzuwirken. „Die Leerung dieser Abfallbehälter erfolgt bedarfsgerecht. Falls notwendig, werden die Behälter auch mehrmals täglich geleert“, sagt Sprecher Torben Kapp. Insgesamt 122 Abfallbehälter stünden an den elf Bremer Badeseen zur Verfügung, 56 von ihnen würden extra wegen der Sommermonate aufgestellt. Genaue Zahlen, wie hoch das Budget für die Reinigung der Badeseen und der Grünflächen ist, kann Kapp nicht nennen.

Laut Umweltressort gab die Bremer Stadtreinigung im letzten Jahr jedoch knapp 300 000 Euro für die zusätzliche Reinigung aus. Für die Haushaltsjahre 2020 und 2021 stünden jeweils bis zu 425 000 Euro zur Verfügung. Die sind vermutlich auch dringend nötig, schließlich habe die Bremer Stadtreinigung in den letzten Monaten festgestellt, dass die Badeseen und Grünanlagen in diesem Jahr noch intensiver als in den letzten Jahren genutzt werden. „Wenn sich hier zeigt, dass darüber hinaus noch Bedarf besteht, stellen wir auch während der Saison noch weitere Gefäße auf, um die Abfallmengen bewältigen zu können“, sagt Kapp.

„An den gesammelten Mengen merken wir: Die meisten Besucher nutzen die Abfallbehälter und halten Ordnung“, sieht Arno Gottschalk, umweltpolitischer Sprecher der SPD, erste positive Schritte. Mit der Erhöhung der Zahl der Abfallbehälter und einer schnelleren Leerung allein sei es aber nicht getan. Der Müll muss schließlich immer noch von den Besuchern entsorgt werden. „Wir können uns deshalb eine größere Präsenz des Ordnungsdienstes an kritischen Orten vorstellen“, betont Gottschalk.

Laut Ingo Tebje plant die Koalition für den kommenden Haushalt bereits 30 neue Vollzeitstellen beim Ordnungsdienst ein. „Damit wird es möglich sein, auch an den Badeseen die Vermüllung besser zu ahnden“, sagt er. Allein: In diesem Sommer wird es noch nicht zu vermehrten Kontrollen an den Bremer Badeseen geben. „Oberste Priorität hat seit Monaten die Bewältigung der Corona-Krise, also die Kontrolle der Einhaltung der Rechtsverordnung, der Abstands- und Hygieneregeln in der gesamten Stadt“, sagt Karen Stroink, Sprecherin im Innenressort.

Die 30 bisherigen Kräfte des Ordnungsdienstes seien deshalb momentan stark eingebunden. „Die Kontrollen an den Badeseen gehören zwar zu ihrem Aufgabenbereich, zählen aber zur Zeit nicht zu ihren vorrangigen Schwerpunkten“, sagt Stroink. Die Erfahrung habe ohnehin gezeigt, dass in der Regel nicht überprüfen werden kann, wer den Müll zurück lässt. „Denn wenn der nicht entsorgte Müll entdeckt wird, haben die Verursacherinnen und Verursacher den Platz schon verlassen." CDU-Politiker Michalik fordert deshalb, schon den Kindern in der Kita oder Schule von klein auf einen verantwortungsvollen Umgang mit Müll beizubringen. „Bildung spielt eine entscheidende Rolle bei der Frage, ob man seinen Müll an der Badewiese lässt oder ihn 300 Meter weiter zur nächsten Mülltonne bringt.“

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