Bremer Recycling-Müll nach Braunschweig

Mülltourismus auch beim Gelben Sack

Sortierung und Verwertung der Gelben Säcke aus Bremer Haushalten finden nicht mehr vor Ort statt. Bereits seit Februar wird der Recycling-Abfall zum größeren Teil nach Braunschweig gefahren.
09.10.2017, 20:38
Lesedauer: 2 Min
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Mülltourismus auch beim Gelben Sack
Von Jürgen Theiner
Mülltourismus auch beim Gelben Sack

Welchen Weg die Gelben Säcken nach dem 31. Dezember nehmen werden, ist noch nicht bekannt.

dpa

Bremer Biomüll nach Osnabrück: Als Ende August bekannt wurde, dass ab Mitte 2018 rund 25.000 Tonnen organischer Abfälle pro Jahr über 100 Kilometer in eine Vergärungsanlage im südwestlichen Niedersachsen gekarrt werden sollen, war die Empörung groß. Aus der Politik wurde der „Mülltourismus“ gegeißelt, auch viele Leser des WESER-KURIER brachten im Internet und in den Leserbriefspalten ihr Unverständnis zum Ausdruck.

Doch der Biomüll ist nicht der einzige Abfall, der von der Hansestadt aus eine längere Reise antritt. Betroffen sind seit einigen Monaten auch die Gelben Säcke mit Recyclingstoffen, die noch bis zum Jahresende von der Firma Nehlsen eingesammelt werden, bevor auch in dieser Sparte ein neuer Entsorger zum Zuge kommt.

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Bis Februar wurden die Gelben Säcke auf dem Nehlsen-Gelände an der Hüttenstraße nicht nur angeliefert, sondern auch sortiert. Das heißt: Nehlsen-Mitarbeiter trennten den Inhalt der Gelben Säcke in verschiedene Wertstoffgruppen wie etwa Metalle oder Kunststoffe und bereiteten sie so für das Recycling durch das Duale System vor.

Doch die Anlage, auf der das geschah, ist inzwischen stillgelegt. „Sie war schon ziemlich altersschwach“, sagt Nehlsen-Sprecher Michael Drost. Seither wird ein größerer Teil der rund zehn Millionen Gelben Säcke, die jährlich in Bremen zusammenkommen, nach Braunschweig kutschiert, immerhin gut 170 Kilometer von der Hansestadt entfernt.

Erst dort erfolgt dann die Sortierung der Inhalte. Der restlichen Gelben Säcke werden nach Soltau und Bassum gebracht. Jeden Tag werden sechs Groß-Lastwagen, sogenannte Walking Floors, mit Gelber-Sack-Müll vom Sammelplatz Hüttenstraße aus in Marsch gesetzt.

Eine reine Kostenfrage

Ist das ökologisch? Zumindest ist es nicht unüblich, sagt Joachim Wuttke, Fachgebietsleiter für kommunale Abfallwirtschaft beim Umweltbundesamt. Der Spielraum für Städte und Gemeinden, bei der Ausschreibung von Abfallentsorgungsleistungen ökologische Belange zu verankern, sei nicht besonders groß.

Das größte Gewicht komme dem Preis zu, und da sei es für die Anbieter eben eine reine Kostenfrage, ob sich ein Transport auch über größere Entfernungen lohne. „Es gibt durchaus auch grenzüberschreitende Transporte. Distanzen von 300 bis 500 Kilometern sind nichts Ungewöhnliches“, weiß Wuttke. Für manche speziellen Abfallarten gebe es auch gar keine Alternative zu langen Fahrten. „Es gibt zum Beispiel in ganz Europa nur wenige Anlagen zum Recycling von Batterien.“

Weg der Gelben Säcke ab 31. Dezember noch unklar

Wirklich ursprungsnah klappt in Bremen vor allem die Verwertung des Hausmülls, und der stellt mit fast 90.000 Tonnen pro Jahr den mit Abstand größten Anteil am Gesamtabfallaufkommen. Der Inhalt der grauen Tonnen wird ins Müllheizkraftwerk der SWB nahe der A 27 gebracht und dort verfeuert, wobei Fernwärme und Strom erzeugt werden. Der Bio-Abfall wird zurzeit noch auf der Kompostierungsanlage von Nehlsen am Fahrwiesendamm verarbeitet.

Welchen Weg die Gelben Säcken nach dem 31. Dezember nehmen werden, ist noch nicht bekannt. Wie berichtet, hat Nehlsen den Einsammlungsauftrag an die Wiesbadener Firma RMG Rohstoffmanagement verloren. Sie übernimmt zum 1. Januar. Geschäftsführer Klaus Kögel wollte sich auf Anfrage noch nicht dazu äußern, wie er im neuen Jahr die Verwertung des Bremer Recycling-Mülls organisiert.

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