Kritik aus Kinder- und Familienzentrum am Heinrich-Imbusch-Weg / Behörde: „Veränderter Bedarf führt zu verändertem Anspruch“ Mütter brauchen Flexibilität in der Kita-Betreuung

Vahr. Eine gesicherte Kinderbetreuung ist der Grundstein einer Absicherung für Mütter – das sieht auch Bürgerschaftsabgeordnete Valentina Tuchel so. Viele Frauen, die sich weiterqualifizieren wollen, stecken jedoch in einer Zwickmühle: Ohne eine Ganztagsbetreuung ihrer Kinder könnten sie an keiner Qualifizierungsmaßnahme teilnehmen und hätten auch nicht die Möglichkeit, einen Job zu bekommen, meint die SPD-Politikerin.
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Von Solveig Rixmann

Eine gesicherte Kinderbetreuung ist der Grundstein einer Absicherung für Mütter – das sieht auch Bürgerschaftsabgeordnete Valentina Tuchel so. Viele Frauen, die sich weiterqualifizieren wollen, stecken jedoch in einer Zwickmühle: Ohne eine Ganztagsbetreuung ihrer Kinder könnten sie an keiner Qualifizierungsmaßnahme teilnehmen und hätten auch nicht die Möglichkeit, einen Job zu bekommen, meint die SPD-Politikerin.

Dass es nicht so einfach ist, Kinder und Beruf zu vereinen, auch wenn ein Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung besteht, erfuhren die Bürgerschaftsabgeordnete aus der Vahr und Deputationsmitglied Rolf Prigge (SPD) bei ihrem jüngsten Besuch im Kinder- und Familienzentrum am Heinrich-Imbusch-Weg. Etwa zwölf Frauen seien davon jedes Jahr betroffen, berichtet Tuchel von dem Gespräch mit der Kita-Leitung. Frauen, die eine ganztägige Qualifizierungsmaßnahme aufnehmen möchten, müssten Betreuungsplätze, die für sechs Stunden ausgelegt sind, kurzfristig um zwei Stunden aufstocken können, fordert Tuchel.

„Wir haben unglaublich viele Verbesserungen erzielt“, sagt die SPD-Politikerin, dennoch müsse auf die Praxis geschaut werden. Beschlüsse müssten bei ihrer Umsetzung begleitet werden. „Es geht um die bessere Vernetzung von Jobcenter und Kita“, sagt Valentina Tuchel. Dort setzt auch die Kritik aus der Kita an: Die Mitarbeiter des Jobcenters würden Qualifizierungsmaßnahmen nicht langfristig genug gemeinsam mit den jeweiligen Frauen planen. Eine Qualifizierung dürfe nicht an einer fehlenden Betreuung scheitern.

„Langfristig müssen wir daran arbeiten, dass wir diese Flexibilität schaffen.“ Einrichtungen wie das Kinder- und Familienzentrum am Heinrich-Imbusch-Weg sollten auf veränderte Betreuungsbedürfnisse reagieren können. Eine Idee sei, von den dort vorhandenen 60 Ganztagsplätzen erst einmal nur 55 zu belegen, um so Spielraum zu haben für Frauen, die akut zusätzliche Betreuungszeiten benötigten.

Die Möglichkeit, im Bedarfsfall die Kinder nach der Kita von einer Tagesmutter betreuen zu lassen, sei zwar gegeben, aber keine zufriedenstellende Lösung. „Theoretisch auf dem Papier funktioniert das, aber praktisch ist das nicht möglich“, sagt Valentina Tuchel. Frauen könnten nicht die Arbeitsstelle verlassen, um ihre Kinder für ein paar weitere Stunden zu einer Tagesmutter zu bringen.

Im Jobcenter Bremen zeigt man sich verwundert angesichts der Schilderung von Valentina Tuchel. In der Regel sei es so, dass eine Integrationsmaßnahme gemeinsam mit den Frauen geplant werde. Dabei werde in erster Linie darauf geachtet, dass eine Kinderbetreuung gesichert sei. „Dann erst werden die Integrationsmaßnahmen eingeleitet“, sagt Katrin Demendts, Pressesprecherin des Jobcenters Bremen. Die Qualifizierungsmaßnahmen seien sehr unterschiedlich.

Wolle eine Frauen zum Beispiel eine Umschulung machen, erhalte sie einen Bildungsgutschein. Mit dem könne sie sich selbst ein Bildungsangebot aussuchen – passend zu ihren Bedürfnissen. Außerdem könne das Jobcenter bei einer beruflichen Weiterbildungsmaßnahme auch eine Pauschale zur Deckung der Kinderbetreuungskosten bewilligen.

Ein veränderter Bedarf würde auch zu einem veränderten Betreuungsanspruch führen, teilt Bernd Schneider, Sprecher der Sozialsenatorin, mit. In der Regel funktioniere das auch, ohne dass Plätze freigehalten werden müssten. Denn meist gehe es um eine Aufstockung der Betreuung von sechs auf sieben oder acht Stunden. Falls die Kita einen Nachweis für erforderlich halte, könne der zuständige Fallmanager im Jobcenter auch eine Bescheinigung ausstellen, die dann Grundlage einer Stundenaufstockung sei.

„Wenn die Aufnahme einer Arbeitsstelle oder beruflichen Qualifikation tatsächlich an der Kinderbetreuung zu scheitern droht, dann wollen wir das wissen und helfen, eine Lösung zu finden. Der beste Weg ist dann, dass die Fachkraft aus dem Jobcenter sich an das Referat Kindertagesbetreuung in unserem Haus wendet“, erklärt Bernd Schneider. „Was aber nicht möglich ist, ist einen bestimmten Anteil der Plätze freizuhalten und so Überkapazitäten zu finanzieren.“

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