Vortragsreihe an der Oberschule Koblenzer Straße gestartet

Mütter vererben Hochbegabung

Die besten Schüler und Schülerinnen nach Noten sind nicht immer die begabtesten. Und die begabtesten sind nicht automatisch diejenigen mit den besten Schulleistungen. Das ist ein seit Langem bekanntes Ergebnis der Begabtenforschung. Doch wie sind hochbegabte Kinder zu erkennen? Und wie können Eltern und Schule diese unterstützen? Darum geht es in einer Vortragsreihe zur Hochbegabung, die jetzt an der Oberschule Koblenzer Straße gestartet ist.
29.06.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Katharina Delling

Die besten Schüler und Schülerinnen nach Noten sind nicht immer die begabtesten. Und die begabtesten sind nicht automatisch diejenigen mit den besten Schulleistungen. Das ist ein seit Langem bekanntes Ergebnis der Begabtenforschung. Doch wie sind hochbegabte Kinder zu erkennen? Und wie können Eltern und Schule diese unterstützen? Darum geht es in einer Vortragsreihe zur Hochbegabung, die jetzt an der Oberschule Koblenzer Straße gestartet ist.

Über das Stichwort „Inklusion“ wird in der Schullandschaft schon seit einiger Zeit intensiv diskutiert. Viele Schulen richten sich danach aus, gestalten Projekte und Lernwerkstätten neu. Ein Großteil der Bevölkerung denkt bei dem Wort „Inklusion“ indes zuerst an Kinder mit Behinderung. Gemeint ist aber, dass alle Kinder mit einbezogen werden sollen – unabhängig von Nationalität, sozialer Herkunft und Begabung.

„Natürlich kümmern wir uns um Kinder mit Lernbehinderungen, aber auch Kinder, die bestimmte Begabungen haben, müssen unterstützt werden“, sagt Michaela Rastede, Sonderpädagogin an der Oberschule Koblenzer Straße. Der Unterricht solle so gestaltet werden, dass sowohl lernbehinderte Kinder als auch hochbegabte gefördert und gefordert werden.

Der Begabungsbegriff des Erziehungswissenschaftlers Howard Gardner, bei dem unabhängig vom Intelligenzquotienten (IQ) auf einzelne Begabungen der Kinder eingegangen wird, ist der rote Faden durch das Konzept der Oberschule Koblenzer Straße. Um das Thema der Hochbegabung stärker in das öffentliche Bewusstsein zu rücken und Eltern unterstützend zur Seite zu stehen, kooperiert jetzt die Oberschule mit der Deutschen Gesellschaft für das hochbegabte Kind (DGhK) und der Grundschule am Pfälzer Weg. In diesem Rahmen sollen noch bis zum November zwei öffentliche Vorträge zur Hochbegabung gehalten werden.

„Besonders an unserem Standort in Tenever müssen wir Eltern Mut machen und ihnen zeigen, dass sie begabte Kinder haben“, sagt Michaela Rastede. Schwierig sei es oft, über die Sprachbarrieren hinweg Begabungen zu erkennen und zu erklären.

Kürzlich kamen zahlreiche Eltern in die Oberschule, um den Vortrag „Mein Kind ist hochbegabt. Und ich?“ von Petra Leinigen von der DGhK Oldenburg zu hören und sich auszutauschen. Neben Maresi Lassek, Schulleiterin der Grundschule Pfälzer Weg, war auch die Vorsitzende der DGhK für Bremen und Niedersachsen, Martina Rosenboom, anwesend.

Woher kommt die Hochbegabung?

Petra Leinigen, die Elterngruppen bei der DGhK leitet und Eltern am Telefon berät, ist Mutter zweier hochbegabter Kinder. Viele Eltern, die anrufen, könnten sich nicht erklären, wo die Hochbegabung ihrer Kinder herkomme. „Mich rufen 80 Prozent Mütter an, und fast jedes Mal bekomme ich zu hören, dass die Hochbegabung bestimmt nicht von ihnen kommen könne. Ihr Mann oder ihr Bruder seien die Schlauen in ihrer Familie.“ Fakt sei jedoch, dass die Voraussetzung zur Hochbegabung nur über das X-Chromosom von der Mutter vererbt werde. Und demnach sei in fast allen Fällen nicht nur eines der eigenen Kinder speziell begabt, sondern dies sei bei allen Sprößlingen einer Mutter der Fall.

Die Mutter stelle sozusagen den Einkaufswagen bereit, in den dann die Gene beider Eltern gelangten. Dieser sinnbildliche Einkaufswagen werde über Generationen hinweg von Frau zu Frau identisch weitergegeben. Erst wenn ein Junge geboren wird, werde diese Linie unterbrochen. Auf welchem Gebiet ein Kind besonders talentiert sei, werde natürlich zu gleichen Stücken von beiden Elternteilen vererbt, erklärte Petra Leinigen.

„Viele hochbegabte Kinder werden nicht erkannt, weil sie nicht besonders auffallen, sondern einfach so durchs Leben rutschen“, sagt Leinigen. Sie rät nachdrücklich dazu, jedes der eigenen Kinder testen zu lassen, wenn bereits eines als hochbegabt eingestuft wurde. „Die Geschwister verstehen sonst nicht, wieso sie es nicht auch wert sind, getestet zu werden.“ Meist lägen die Kinder IQ-technisch sehr nah beieinander.

Die Eltern müssen laut Leinigen ihre Kindern nicht ausdrücklich darauf hinweisen, dass sie einen hohen IQ oder eine Hochbegabung haben. Wichtig sei allerdings, dass die Kinder verstehen, dass sie sich nicht etwa auf schlechte Art und Weise von anderen Jungen und Mädchen unterscheiden. „Besonders in der Pubertät ist es wichtig für Kinder, nachvollziehen zu können, wieso sie anders sind. Das kann sie dann sehr entlasten“, so die Referentin.

In der Fachwelt werde noch darüber gestritten, ob ein Intelligenztest unbedingt notwendig ist, um Hochbegabung festzustellen. Einige Forscher vertreten auch die Auffassung, dass jedes Kind auf seinem Gebiet begabt ist und besondere Chancen habe. Festzuhalten sei, dass Schulnoten nicht immer eine klare Aussage über die Begabung der Kinder treffen. Michaela Rastede hob ferner hervor: „Begabungsförderung ist Lehrerfortbildung.“

Die weiteren Veranstaltungen der Vortragsreihe sind für 23. September und 25. November jeweils um 19.30 Uhr vorgesehen. Die Themen lauten dann „Individuelle Schullaufbahnen: Was muss, was kann Schule leisten“ und „Wozu brauchen wir einen Intelligenztest?“ in der Oberschule Koblenzer Straße, Koblenzer Straße 15.

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