"Dialog-Forum": Günthner widerspricht der Diagnose "Stillstand" Muntere Standortdebatte

Vegesack. Welche Zukunft hat der Wohn- und Wirtschaftsstandort Bremen-Nord? Mit Diskussionsveranstaltungen zu dieser Frage kann man immer noch mittlere Säle füllen. Der Handelskammer gelang das am Dienstagabend in der Strandlust. Rund 150 interessierte Bürger und Gewerbetreibende fanden sich dort zum "Dialog-Forum" ein, um sich mit den Vorstellungen von Wirtschaftssenator Martin Günthner (SPD), Kammerpräses Otto Lamotte und weiteren Akteuren aus Politik und örtlicher Wirtschaft auseinanderzusetzen.
31.03.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Muntere Standortdebatte
Von Jürgen Theiner

Vegesack. Welche Zukunft hat der Wohn- und Wirtschaftsstandort Bremen-Nord? Mit Diskussionsveranstaltungen zu dieser Frage kann man immer noch mittlere Säle füllen. Der Handelskammer gelang das am Dienstagabend in der Strandlust. Rund 150 interessierte Bürger und Gewerbetreibende fanden sich dort zum "Dialog-Forum" ein, um sich mit den Vorstellungen von Wirtschaftssenator Martin Günthner (SPD), Kammerpräses Otto Lamotte und weiteren Akteuren aus Politik und örtlicher Wirtschaft auseinanderzusetzen.

Lamotte skizzierte eingangs die Defizite und Chancen, die Bremen-Nord aus seiner Sicht kennzeichnen. Bei wichtigen Zukunftsprojekten wie dem Science Park und dem Gesundheitspark Friedehorst sowie der Restrukturierung des BWK-Geländes gehe es sehr langsam voran. Zugleich würden Maßnahmen der Öffentlichen Hand im touristischen Bereich - etwa das Spicarium und der Farger U-Boot-Bunker - "in ihrer Strahlkraft möglicherweise überbewertet", so Lamotte. Wer Bremen-Nord eine Perspektive verschaffen und junge Familien anziehen wolle, müsse vor allem bemüht sein, die wirtschaftliche Basis des Stadtbezirks zu stärken. Mehrfach forderte Lamotte, die Rahmenbedingungen für Investitionen und die Schaffung neuer Arbeitsplätze zu verbessern. Was dafür konkret zu tun sei, ließ sich Lamottes Rede allerdings nicht entnehmen. Der Präses beließ es im Wesentlichen bei dem allgemeinen Appell, Bremen-Nord "im besonderen Fokus" der Wirtschaftsförderung zu belassen und "projektorientiert an wirklichen

Strukturverbesserungen zu arbeiten".

CDU-Wirtschaftspolitiker Jörg Kastendiek griff die Zweifel Lamottes an den öffentlichen Investitionen in die touristische Infrastruktur auf. Es sei ja in Ordnung, dass der Senat Geld in einige Projekte gesteckt habe, die schon zu Zeiten der rot-schwarzen Landesregierung angeschoben wurden, etwa die Ertüchtigung der "Schulschiff Deutschland" oder die Erschließung des U-Boot-Bunkers für eine geschichtlich interessierte Öffentlichkeit. Umso unverständlicher sei es dann jedoch, dass Bremen-Nord im aktuellen Tourismuskonzept für die Hansestadt nur mit einem Absatz abgehandelt werde.

Wirtschaftssenator Günthner musste also gegen den Eindruck ankämpfen, der Senat strafe Bremen-Nord mit Nichtbeachtung und lasse die Dinge schleifen. Das machte Günthner recht geschickt. Er warnte davor, den Stadtbezirk schlechtzureden. "Wir müssen den Dingen Zeit geben sich zu entwickeln", meinte Günthner und nannte beispielhaft den Science Park an der Jacobs University, der sich noch in sehr zarten Anfängen befindet. Dass dort noch keine Firmen angesiedelt sind, sei nicht die Schuld des Senats, sondern die Folge sehr langwieriger Prozesse bei der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben.

In der anschließenden Diskussion mit dem Publikum wurde der Wirtschaftssenator gleichwohl in die Pflicht genommen. Mehrere Redner sahen Bremen-Nord im Niedergang begriffen, weitgehend de-

industrialisiert und unattraktiv für junge Familien. Als ein Teilnehmer der Debatte gar eine Entwicklung zur "Geisterstadt" konstatierte, konnte man den zunächst so besonnen wirkenden Senator kämpferisch erleben. "Es stimmt einfach nicht, wenn hier von zwanzig Jahren Stillstand gesprochen wird", konterte Günthner. Man dürfe die unzweifelhaften Erfolge bei der Ansiedlung der Jacobs University und der Ausdehnung der Reha-Einrichtung Friedehorst nicht einfach vom Tisch wischen. Allerdings verfüge er über kein staatliches "Kombinat", das er anweisen könne, sich etwa auf dem BWK-Gelände anzusiedeln, formulierte Günthner ironisch. "Letztlich werden Unternehmer gebraucht, die man von den Vorteilen des Standortes Bremen-Nord überzeugen kann. Das bedeute, "dicke Bretter zu bohren".

Die Grambker Unternehmerin Janina Marahrens-Hashagen wies darauf hin, dass ansiedlungswillige Unternehmer von ihrem künftigen Standort nicht zuletzt eine gewisse Lebensqualität erwarteten. Deshalb müssten die Bemühungen der Politik auch darauf gerichtet sein, das Mittelzentrum Vegesack attraktiv zu halten.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+