Künstliche Nebelwand im Spicarium Museums-Highlight landet im Abstellraum

Bremen-Nord. Als das Spicarium vor drei Jahren eröffnet wurde, zählte er zu den Hauptattraktionen: Der „Fog-Screen“, eine künstliche Nebelwand als Projektionsfläche für historische Spielszenen. Nun ist er im Abstellraum gelandet.
04.06.2014, 20:00
Lesedauer: 3 Min
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Museums-Highlight landet im Abstellraum
Von Jürgen Theiner

Das Konzept hatte eine klare Stoßrichtung. Als das Spicarium – die Touristenattraktion am Museumshaven – vor drei Jahren an den Start ging, da wurden vor allem die technischen Finessen der Ausstellung in den Vordergrund gestellt. Als Sahnehäubchen galt der „Fog-Screen“, eine künstliche Nebelwand als Projektionsfläche für historische Spielszenen. Der Umgang der Museumsbetreiber mit dieser teuren Maschine ist eine Geschichte für sich.

Eine solche Chance zur Eigenwerbung bietet sich nicht oft: Im Mai besuchten rund 150 Vertreter der Touristikbranche die Vegesacker Wasserkante. Bei ihrem Abstecher nach Bremen-Nord schauten die Teilnehmer der Messe „Germany Travel Mart“ auch im Spicarium vorbei. Auf zwei Etagen im Alten Speicher werden dort maritime Regionalgeschichte und die Zukunft der Meerestechnik präsentiert. Den „Fog-Screen“ bekamen die Reiseprofis dort nicht mehr zu sehen.

Die Maschine war in der ursprünglichen Konzeption des Spicariums die Hauptattraktion. Sie kann eine künstliche Nebelwand als Projektionsfläche für Filme erzeugen. Deutschlandweit gebe es in der Museumslandschaft nichts Vergleichbares, hieß es damals. Unter der Leitung des Bremer Regisseurs Hans König wurden vor der Eröffnung des Spicariums mehrere Kurzfilme gedreht, in denen gezeigt wird, wie die Menschen vor 150 Jahren rund um den Vegesacker Hafen lebten und arbeiteten.

Nach Informationen dieser Zeitung flossen in diesen Teil der Ausstellung rund 100 000 Euro. Der Betrag setzt sich zusammen aus 68 000 Euro für die reine Technik, 18 000 Euro für die Filmproduktion und einem Anteil an Beratung durch Historiker.

Zu sehen sind die Filme schon lange nicht mehr, und das liegt an Problemen mit der Hardware. Schon kurz nach dem Start des Spicariums im Frühjahr 2011 setzte die Technik gelegentlich aus und war vom Personal der Ausstellung mit Bordmitteln nicht mehr in Gang zu bringen. Auch die Einschaltung des Lieferanten brachte nur kurzzeitige Besserung. Die Einsätze des „Fog-Screen“ blieben sporadisch, sodass sich die Verantwortlichen im vergangenen Jahr entschlossen, ihn vorerst zu demontieren und einzulagern.

Die Leiterin des Spicariums, Christina Voigt, hat das Kapitel „Fog-Screen“ offenbar zu den Akten gelegt. So darf man wohl ihre Ankündigung deuten, dass eine „Teilaktualisierung der Ausstellung“ geprüft werde. Womit sie den Bereich, in dem der Nebel-Projektor stand, künftig bestücken will, mag Voigt noch nicht verraten.

Die Wirtschaftsförderung Bremen (WFB) schlägt ähnliche Töne an. „Die Existenz des Spicariums hängt nicht am ,Fog-Screen’“, sagt Sprecher Torsten Haar. Die WFB betreibt das Museum über eine Sub-Gesellschaft. Sie hatte auch die Kosten für das Gesamtprojekt von rund 1,2 Millionen Euro geschultert. Endgültig sei über das Schicksal des „Fog-Screen“ jedoch noch nicht entschieden, so Haar.

Museumsdesigner ausgebootet

Und was sagt der Lieferant der störungsanfälligen Maschine? Zunächst einmal ist er überrascht. Matthias Strobl, Geschäftsführer der Bielefelder Firma TNL, hört nach eigenem Bekunden zum ersten Mal, dass der „Fog Screen“ bereits im vergangenen Jahr abgebaut wurde. Laut Strobl hatte die WFB die Maschine eines finnischen Herstellers bei ihm „weit unter dem offiziellen Verkaufspreis“ erstanden. Allerdings auch mit eingeschränkter Garantie, weil es sich um ein Vorführgerät handelte. „Das war dem Auftraggeber bewusst“, so Strobl. Er selbst sei für zwei Gewährleistungseinsätze nach Bremen gekommen. Dafür habe er der WFB nichts berechnet.

Für Strobl illustriert der konkrete Fall ein grundsätzliches Problem. „Es gibt manchmal Kunden, die bei uns ein sehr anspruchsvolles Produkt bestellen, aber keine Wartungsverträge abschließen.“ Oft stelle sich dann heraus, dass das Personal vor Ort mit der Bedienung und Wartung einer solchen Anlage überfordert ist. Die schlechteste Lösung für alle Beteiligten sei es natürlich, wenn das gelieferte Gerät letztlich in irgendeinem Magazin eingemottet wird.

So sieht es auch Steffi Kollmann von der Hochschule Bremen. Ihr „Institute for New Dimensions“ hatte das Design der Ausstellung entworfen. Dem „Fog-Screen“ kam dabei eine wichtige Rolle zu. „Ich kann nicht nachvollziehen, warum er nicht genutzt wird“, sagt die Expertin. Vollends unverständlich sei, warum die eigens für das Spicarium gedrehten Filme nicht wenigstens auf einem konventionellen Schirm gezeigt würden.

Kollmann bietet an, sich noch einmal einzuschalten, „denn unser Herz hängt an diesem Vegesacker Projekt“. Allerdings hat die Ausstellungsmacherin nicht das Gefühl, dass ihre Mitarbeit noch gefragt ist. Das gilt nicht nur für den „Fog-Screen“, sondern auch für die beabsichtigte Überarbeitung der Ausstellung. „Mit uns spricht man nicht mehr“, so Kollmann.

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