Vorschlag zur Rettung des Spicariums Museumsverbund als Chance?

Das Schulschiff und das Spicarium könnten mit dem Schifffahrtsmuseum Bremerhaven verbunden werden. So lautet ein Vorschlag zur Rettung der Ausstellung im Spicarium. Dazu gibt es weitere Überlegungen.
06.08.2015, 00:01
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Museumsverbund als Chance?
Von Jürgen Theiner

Hat das Spicarium eine Überlebenschance? Eine klare Ansage aus der Politik steht noch aus, nachdem Bürgermeister Carsten Sieling (SPD) den Schließungsbeschluss im rot-grünen Koalitionsvertrag vor Kurzem zum „Prüfauftrag“ umetikettiert hat. Vielleicht verschafft dieser Aufschub den Unterstützern der defizitären Einrichtung ausreichend Zeit, um die hafen- und schifffahrtsgeschichtliche Dauerausstellung im Alten Speicher auf eine neue wirtschaftliche Grundlage zu stellen.

Hinter den Kulissen sind jedenfalls schon länger entsprechende Bemühungen im Gange. Das Erfreuliche daran: Es handelt sich um Privatinitiative. Um Bremer, die das Spicarium für eine sinnvolle Einrichtung halten und es für die Vegesacker Wasserkante erhalten wollen. Einer der Akteure ist Hans-Dieter Kunze. Der emeritierte Professor war neun Jahre lang Direktor des Fraunhofer-Instituts für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung (Ifam) in Lesum. Auch im Ruhestand verfügt Kunze noch über gute Kontakte in die örtliche Wirtschaft. Er weiß um deren grundsätzliche Bereitschaft, sich für das Spicarium zu engagieren.

Kunze hat eine Vorstellung entwickelt, wie man sowohl dem Spicarium als auch dem ebenfalls unterfinanzierten Schulschiff Deutschland eine Perspektive verschaffen könnte. Ihm schwebt vor, sie in einen Verbund mit dem „Deutschen Schiffahrtsmuseum Bremerhaven“ einzubringen. Das Museum gehört zur Leibniz-Gemeinschaft, einem Zusammenschluss deutscher Forschungseinrichtungen verschiedenster Fachrichtungen. Die Leibniz-Gemeinschaft verwaltet einen Jahresetat von ungefähr 1,5 Milliarden Euro. Kunze hält es für denkbar, dass aus diesem gewaltigen Volumen auch ein Scherflein für das Spicarium und das Schulschiff abgezweigt werden könnte. „Es würden alle davon profitieren“, ist Kunze überzeugt. Dem Bremerhavener Museum hat er seine Überlegungen bereits vorgetragen.

Ist ein maritimer Ausstellungsverbund aus Bremerhaven und Bremen-Nord ein Modell, über das es ernsthaft zu reden lohnt? Die geschäftsführende Direktorin des Schifffahrtsmuseums, Sunhild Kleingärtner, findet die Idee sympathisch, beschreibt aber auch deutlich die Grenzen des Machbaren. In einem wie auch immer gearteten Verbund müssten sich die Partner „wirtschaftlich auf Augenhöhe begegnen“, sagt Kleingärtner und fügt hinzu: „Wir können keinen Unterschlupf bieten für kränkelnde Einrichtungen.“ Man dürfe sich auch keinen falschen Vorstellungen über die Leibniz-Gemeinschaft hingeben. Dieser Zusammenschluss fördere Forschungsprojekte, nichts anderes. Das Schifffahrtsmuseum Bremerhaven werde seine diesbezüglichen Aktivitäten in naher Zukunft noch ausbauen. Das Spicarium sei zwar eine museumsdidaktisch interessant aufgebaute Ausstellung, „in der Inhalte gezeigt werden, die wir in Bremerhaven nicht haben“. Mit Forschung habe das jedoch nichts zu tun. Gleiches gelte für das Schulschiff. „Der inhaltlich-thematische Zusammenhang ist gegeben“, bejaht Kleingärtner die Nähe ihres Hauses zu Spicarium und Schulschiff. Mehr jedoch nicht.

Beim Schulschiff-Verein, der in Kunzes Vorstoß eingebunden war, sieht man in diesem reservierten Statement keine Absage. Vorsitzender Claus Jäger glaubt, dass das Spicarium sehr wohl „auch Forschungsaufgaben erfüllen“ könne. Es gelte, solche Ansätze nun konzeptionell auszuarbeiten. So oder so sei eine inhaltliche Verzahnung von Spicarium, Schulschiff und Schifffahrtsmuseum wünschenswert.

Vegesacks Ortsamtsleiter Heiko Dornstedt findet die Verbund-Idee „zumindest gesprächswürdig“. Er begrüßt die Privatinitiative des ehemaligen Ifam-Direktors Hans-Dieter Kunze. Sie zeige, dass es in Bremen-Nord eine große Verbundenheit mit dem maritimen Standort gebe. Kunzes Aktivitäten zur Rettung des Spicariums seien allerdings nicht die einzigen. „Es laufen Gespräche auf vielen Ebenen“, lässt Dornstedt durchblicken. Eingebunden seien die regionalen Werften, die Wirtschaftsförderung Bremen und Bürgerschaftsabgeordnete aus Bremen-Nord. „Allerdings befindet sich das alles noch in einem frühen Stadium. Da kann man jetzt noch nichts herausposaunen.“ Der Ortsamtsleiter ist jedenfalls zuversichtlich. Auf den Erhalt des Spicariums mag er zwar nicht Haus und Hof verwetten, aber: „Ich bin überzeugt, dass es die Ausstellung heute in einem Jahr noch gibt.“

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+