Betreiberwechsel im Pier 2

Musikpromoter will Profil des Pier 2 prägen

Open-Airs, Café, Kopfhörer-Partys und Programm - Olli Brock hat als neuer Betreiber des Bremer Veranstaltungszentrums Pier 2 viel vor. Er will auch mit eigenen Aktionen das Profil prägen.
16.01.2018, 20:21
Lesedauer: 3 Min
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Musikpromoter will Profil des Pier 2 prägen
Von Pascal Faltermann

Ein neues Team, neue Perspektiven und ein neuer Chef ziehen ins Bremer Pier 2 ein. Nach 22 Jahren hat die Konzerthalle in Nachbarschaft der Getreideverkehrsanlage und der Waterfront Bremen mit Olli Brock einen neuen Betreiber. Heiner Hellmann gibt das operative Geschäft in Bremens größtem privat geführten Veranstaltungszentrum ab, will aber als Berater und Verpächter dem Haus verbunden bleiben. Der Betreiberwechsel soll nicht nur frischen Wind an der Weserecke im Getreidehafen wehen lassen, sondern auch Veränderungen und neue Impulse mit sich bringen: So denkt der neue Geschäftsführer über Open-Airs, eine Wiederbelebung des Cafés mit Weserblick und ein Programm für den Sommer nach.

Das Pier 2 braucht eine neue Perspektive

„Er will bestimmt ein paar Dinge anders machen, was sicherlich auch zu dem ein oder anderen Reibungspunkt führen wird“, sagt Hellmann über seinen Nachfolger Brock. „Und das ist auch gut so“, fügt er hinzu. Denn genau das sei auch der Grund, warum er selbst aufhöre. Hellmann hätte noch vier, fünf Jahre dran hängen können, aber es sei nun so weit, dass er in die Jahre komme. „Das Pier 2 braucht eine neue Perspektive und muss verlässlich weitergeführt werden“, sagt Hellmann über die Halle, die er mit seinem Partner Edu Wolters­dorff auf dem verwaisten Gelände der AG Weser am Rande des Hafenbezirks Industriehäfen in eine Konzerthalle umfunktionierte und 1996 eröffnete. Für einen Kaufpreis von damals einer Million D-Mark kauften die Pier-2-Gründer die ehemalige Hojo-Halle.

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„Olli ist ein aktiver Musikpromoter“, sagt Hellmann über den neuen Chef, „der stets bei Konzerten, Festivals oder Musikkonferenzen unterwegs ist und den Kontakt zu den Künstlern pflegt“. Durch Brock, der zudem Chef des Tower Musikclub und der Kneipe Malenchen im Bremer Viertel ist, könne das Pier 2 mit eigenen Veranstaltungen auch ein eigenes Profil bekommen. Bislang sei man Dienstleister gewesen, so Hellmann.

„Ich habe großen Respekt vor diesem Schritt, hier habe ich 2500 Besucher mehr als im Tower“, sagt Brock, der allerdings schon viele große Konzerte im Pier 2 oder der ÖVB-Arena veranstaltet hat. Für ihn sei wichtig gewesen, sich ein zweites Standbein aufzubauen. Denn lokale Veranstalter würden immer mehr von großen, überregionalen Agenturen bedrängt, die Events in Eigenregie machten. „Nun kommen die Großen nicht mehr so einfach an uns vorbei“, so Brock. Das sei auch Taktik.

Open-Airs und kleinere Festivals

Bislang gab es jährlich durchschnittlich 120.000 Besucher bei rund 70 Veranstaltungen. Ein Pensum, das Brock beibehalten will. Erste lose Anfragen beim Stadtamt habe es bereits wegen Open-Air-Veranstaltungen gegeben. Denn der neue Betreiber will in den für Konzerthallen eher problematischen Sommermonaten das Gelände beleben. Dabei denkt er an Open-Airs oder kleinere Festivals, die er selbst organisieren will. Zudem gebe es Ideen, wie zum Beispiel temporär das Café zu aktivieren und das Engagement beim Gröpelinger Sommer fortzuführen. Für solche Vorschläge seien auch die Verantwortlichen des Einkaufszentrums Waterfront offen, so Brock. Überlegungen gebe es auch für Elektro- oder Kopfhörer-Partys.

Vor dem Betreiberwechsel habe es Gespräche mit den Mitbewerbern Koopmann und Revue gegeben, wodurch sich das Verhältnis sehr verbessert habe und man weiterhin miteinander arbeiten wolle. Zwischenzeitlich habe es auch die Idee gegeben, dass es man es zu dritt mache. Nun ziehen durch Brock und seine Veranstaltungsagentur Cult Pro Events vier neue Personen ins Pier 2 ein. Wichtig sei, dass man aus dem bestehenden Team den Haustechniker übernommen habe und auf einen Pool von 90 bis 100 Tresenkräfte zurückgreifen könne.

Die Bedeutung der ehemaligen Industriehalle heben Christiane Gartner vom Verein „Kultur vor Ort“ und Stadtteilmanager Lars Gerhardt hervor. Das Pier 2 habe für eine kulturelle Belebung des industriell geprägten Stadtteils gesorgt. „Das Pier 2 als gallisches Dorf war ein Motor für Gröpelingen“, sagt Gartner. Es sei vieles Hand in Hand passiert.

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