Kurt Seibert beendet heute die Reihe „Piano Podium“ / Ab 6. Oktober Gesprächskonzerte mit Erik Roßbander

Musizieren aus der Seelentiefe

Nach 20 Jahren „Piano Podium“ ist Schluss. Am heutigen Sonntag, 8. September, wird die Reihe im Haus im Park beendet. Ab 6. Oktober spürt Professor Kurt Seibert aber gemeinsam mit Erik Roßbander in vier Gesprächskonzerten dem „Mythos Beethoven“ nach.
08.09.2013, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Sigrid Schuer

Nach 20 Jahren „Piano Podium“ ist Schluss. Am heutigen Sonntag, 8. September, wird die Reihe im Haus im Park beendet. Ab 6. Oktober spürt Professor Kurt Seibert aber gemeinsam mit Erik Roßbander in vier Gesprächskonzerten dem „Mythos Beethoven“ nach.

Professor Kurt Seibert, 1944 in Lodz geboren, stammt aus einer polnischen Pianisten-Dynastie. „Die Damen waren Pianistinnen, die dazugehörenden Herren Offiziere“, erinnert sich Seibert, der von 1979 bis 2009 den Pianisten-Nachwuchs an der Hochschule für Künste Bremen ausbildete. Bis Ende April 2012 unterrichtete er noch über seine Emeritierung hinaus. Allein sieben seiner Schüler sind heute in Wien und in Korea selbst als Professoren tätig.

„Es kann für die jungen Pianisten nicht nur darum gehen, das Repertoire, das bei internationalen Wettbewerben gefordert wird, zu trainieren“, ist Seibert überzeugt, vielmehr müsse an der Hochschule mit Ruhe und Substanz eine ganzheitliche, breite Ausbildung angeboten werden. „Es kann doch nicht das alleinige Ziel sein, Wunderkinder zu züchten“, moniert er. Zumal auf dem Sektor der klassischen Musik im Zeitalter von Orchesterzusammenlegungen mit harten Bandagen gekämpft wird. Gerade auch unter jungen Pianistinnen und Pianisten herrscht ein erbarmungsloser Verdrängungswettbewerb.

So sei es erkenntnisstiftend und deshalb wünschenswert, so Kurt Seibert weiter, dass sich die jungen Musikerinnen und Musiker auch einmal auf Entdeckungsreise abseits der ausgetretenen Mainstream-Pfade begäben. Der aus Weiden in der Oberpfalz stammende Max Reger sei beispielsweise ein Komponist, dessen Klavier- und Kammermusik noch immer nicht ausreichend im Konzertleben präsent sei. Um das zu ändern, gründete Kurt Seibert 1998 die Reger-Tage. Ein Festival, das bis 2007 mit großem Erfolg lief und in dessen Rahmen Jahr für Jahr 60 Konzerte in ganz Nordbayern veranstaltet wurden.

Interdisziplinäre Vernetzung fehlt

„Leider findet an der Hochschule die interdisziplinäre Vernetzung zwischen den Fächern oft nicht statt“, bedauert der Pianist mit internationaler Vortrags- und Lehrerfahrung. Schuld sei daran auch der extreme Druck des in Bachelor- und Master-Examina aufgesplitteten Musikstudiums. Kurt Seiberts künstlerisches Credo war es allerdings von jeher, die „Seelentiefe“ einer kulturhistorischen Epoche wie etwa der Romantik zu erfassen. „Aus der Seelentiefe“ war auch der Titel einer über 90 Veranstaltungen umfassenden Reihe zur Jahrhundertwende, die Seibert in Kooperation mit der Hochschule für Künste und mit Stephan Uhlig, Leiter des Kreativbüros im Zentralkrankenhaus, 1995 ins Leben rief. Im Fokus stand damals auch das Schaffen Max Regers.

Ein ähnlich interdisziplinäres Ziel verfolgt auch die von ihm konzipierte Reihe „Piano Podium“, die zwanzig Jahre lang lief und am Sonntag, 8. September, um 16 Uhr zum letzten Mal im Haus im Park auf dem Gelände des Klinikums Bremen-Ost angeboten wird. Schon lange, bevor die Bremer Philharmoniker das Mini-Festival „phil intensiv“ erfanden, bei dem sie sich intensiv mit einer Komponisten-Persönlichkeit beschäftigen, widmete sich Seibert mit seinen Schülern beim Piano Podium umfassend den kompositorischen Kosmen von Liszt, Chopin, Schumann, Schubert oder Beethoven im historischen Kontext. „In diesem wunderbaren Konzertsaal steht einer der schönsten Bremer Steinway-Flügel“, schwärmt Seibert.

Am heutigen Sonntag spielt der Pianist mit seiner Schülerin Karin Schreiber aus Schwachhausen eine Fantasie von Schubert, eine Sonate von Mozart und Variationen von Brahms über die letzte Komposition des mit ihm befreundeten Robert Schumann, der 1856 in geistiger Umnachtung starb.

„Mir ging es immer darum, meinen Schülerinnen und Schülern einmal pro Monat nicht nur die Gelegenheit zu bieten, Konzerte zu spielen, sondern auch Stücke vorzustellen und Konzerte zu moderieren. Ich habe unter meinen Schülerinnen und Schülern sogar so manche Ehe gestiftet“, schmunzelt Seibert. So ist Markus Goede, der gemeinsam mit dem promovierten Kunsthistoriker Detlef Stein musikalisch-literarische Abende in der Kunsthalle gibt, mit der spanischen Pianistin Caro verheiratet. Der Ecuadorianer Boris Cepeda wohnt mit seiner Frau Katja inzwischen in Dessau, dort arbeitet er am Theater als Studienleiter. Und Markus Blume hat mit seiner Frau Mia Na in Bremen inzwischen eine Musikschule gegründet.

„Leider arbeiten heute etwa an der Musikschule Bremen-Mitte nur noch Honorarkräfte statt der 70 hauptamtlich angestellten Lehrkräfte, die den Sparvorschlägen der Controller von McKinsey zum Opfer gefallen sind. Musikpädagogen sind einfach unterbezahlt“, kritisiert Kurt Seibert. Ginge es nach ihm, würde vor allem Geld in die Breitenbildung an den Musikschulen investiert werden.

Schon seit einigen Jahren arbeitet Kurt Seibert mit dem Schwachhauser Erik Roßbander, langjähriges Mitglied der Bremer Shakespeare Company, zusammen. Gemeinsam haben sie die Reihe der „Gesprächskonzerte“ entwickelt. An das Piano Podium knüpfen sie mit vier Gesprächskonzerten zum ungemein vielschichtigen Thema „Mythos Beethoven“ an. Schon 1840, wenige Jahre nach Beethovens Tod, schrieb Franz Liszt: „Der Name Beethoven ist heilig in der Kunst“. Der Mythos Beethoven, der die europäische Kulturgeschichte der vergangenen 200 Jahre prägte, war geboren. „Beethovens Name steht aber auch für die Selbstbestimmung des Menschen und ist eng mit den Idealen der Französischen Revolution verbunden“, erläutert der Musikwissenschaftler. Im musikalischen Mittelpunkt stehen die berühmtesten Klaviersonaten von Beethoven.

Beim Auftakt-Gesprächskonzert von „Mythos Beethoven“ interpretiert Seibert unter anderem die „Mondscheinsonate“ und die „Appassionata“. Termin ist Sonntag, 6. Oktober, um 16 Uhr, im Haus im Park, Züricher Straße 40. Der Eintritt kostet 20 Euro, ermäßigt acht Euro. Weitere Termine: Sonntag, 3. November , Sonntag 26. Januar, Sonntag, 30. März. Karten gibt es im Vorverkauf unter Telefon 353637 oder an der Abendkasse.

Die letzte Ausgabe des „Piano Podium“ im Haus im Park, Gelände Klinikum Ost, gestalten heute, 8. September, um 16 Uhr, Professor Kurt Seibert und Karin Schreiber. Der Eintritt ist frei.

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