Kurt Seibert hat die Reihe „Piano Podium“ beendet / Ab 6. Oktober Gesprächskonzerte mit Erik Roßbander

Musizieren aus der Seelentiefe

Nach 20 Jahren „Piano Podium“ ist Schluss. Die Reihe im Haus im Park ist am vergangenen Sonntag beendet worden. Ab 6. Oktober will Professor Kurt Seibert gemeinsam mit Erik Roßbander in vier Gesprächskonzerten dem „Mythos Beethoven“ nachspüren.
15.09.2013, 00:00
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Von Sigrid Schuer

Nach 20 Jahren „Piano Podium“ ist Schluss. Die Reihe im Haus im Park ist am vergangenen Sonntag beendet worden. Ab 6. Oktober will Professor Kurt Seibert gemeinsam mit Erik Roßbander in vier Gesprächskonzerten dem „Mythos Beethoven“ nachspüren.

Professor Kurt Seibert, 1944 in Lodz geboren, stammt aus einer polnischen Pianisten-Dynastie. „Die Damen waren Pianistinnen, die dazugehörenden Herren Offiziere“, sagt Seibert, der von 1979 bis 2009 den Pianisten-Nachwuchs an der Hochschule für Künste Bremen ausbildete. Bis Ende April 2012 unterrichtete er noch über seine Emeritierung hinaus. Allein sieben seiner Schüler sind heute in Wien und in Korea selbst als Professoren tätig.

„Es kann für die jungen Pianisten nicht nur darum gehen, das Repertoire, das bei internationalen Wettbewerben gefordert wird, zu trainieren“, ist Seibert überzeugt, vielmehr müsse an der Hochschule mit Ruhe und Substanz eine ganzheitliche, breite Ausbildung angeboten werden. Zumal auf dem Sektor der klassischen Musik im Zeitalter von Orchesterzusammenlegungen mit harten Bandagen gekämpft wird. Gerade auch unter jungen Pianistinnen und Pianisten herrscht ein erbarmungsloser Verdrängungswettbewerb.

„Leider findet an der Hochschule die interdisziplinäre Vernetzung zwischen den Fächern oft nicht statt“, bedauert der Pianist mit internationaler Vortrags- und Lehrerfahrung. Schuld sei daran auch der extreme Druck des in Bachelor- und Master-Examina aufgesplitteten Musikstudiums. Seiberts künstlerisches Credo war es allerdings von jeher, die „Seelentiefe“ einer kulturhistorischen Epoche wie etwa der Romantik zu erfassen. „Aus der Seelentiefe“ war auch der Titel einer über 90 Veranstaltungen umfassenden Reihe zur Jahrhundertwende, die Seibert in Kooperation mit der Hochschule für Künste und mit Stephan Uhlig, Leiter des Kreativbüros im Zentralkrankenhaus, 1995 ins Leben rief.

Die von Seibert konzipierte Reihe „Piano Podium“ lief 20 Jahre erfolgreich und wurde am vergangenen Sonntag zum letzten Mal im Haus im Park auf dem Gelände des Klinikums Bremen-Ost angeboten. Seibert spielte mit seiner Schülerin Karin Schreiber aus Schwachhausen unter anderem eine Fantasie von Schubert und eine Sonate von Mozart. Schon lange, bevor die Bremer Philharmoniker das Mini-Festival „phil intensiv“ erfanden, bei dem sie sich intensiv mit einer Komponisten-Persönlichkeit beschäftigen, widmete sich Seibert mit seinen Schülern beim Piano Podium den kompositorischen Kosmen von Liszt, Chopin, Schumann, Schubert oder Beethoven im historischen Kontext. „In diesem wunderbaren Konzertsaal steht einer der schönsten Bremer Steinway-Flügel“, schwärmt Seibert.

„Mir ging es immer darum, meinen Schülerinnen und Schülern einmal pro Monat nicht nur die Gelegenheit zu bieten, Konzerte zu spielen, sondern auch Stücke vorzustellen und Konzerte zu moderieren. Ich habe unter meinen Schülerinnen und Schülern sogar so manche Ehe gestiftet“, schmunzelt Seibert. So ist Markus Goede, der gemeinsam mit dem promovierten Kunsthistoriker Detlef Stein musikalisch-literarische Abende in der Kunsthalle gibt, mit der spanischen Pianistin Caro verheiratet. Und Markus Blume hat mit seiner Frau Mia Na in Bremen inzwischen eine Musikschule gegründet.

Schon seit einigen Jahren arbeitet Kurt Seibert mit dem Schwachhauser Erik Roßbander, langjähriges Mitglied der Bremer Shakespeare Company, zusammen. Gemeinsam haben sie die Reihe der „Gesprächskonzerte“ entwickelt. An das Piano Podium knüpfen sie mit vier Gesprächskonzerten zum ungemein vielschichtigen Thema „Mythos Beethoven“ an.

Beim Auftakt-Gesprächskonzert von „Mythos Beethoven“ interpretiert Seibert unter anderem die „Mondscheinsonate“ und die „Appassionata“. Termin ist Sonntag, 6. Oktober, 16 Uhr, im Haus im Park, Züricher Straße 40. Der Eintritt kostet 20 Euro, ermäßigt acht. Weitere Termine: 3. November, 26. Januar und 30. März. Karten gibt es im Vorverkauf unter Telefon 353637 oder an der Abendkasse.

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