28-Jähriger soll in Bremen für pakistanischen Geheimdienst Drohnentechnik ausgekundschaftet haben Mutmaßlicher Spion aus Haft entlassen

Karlsruhe·Bremen.Sieben Monate saß er in Haft – der Verdacht: Er soll in Bremen für den pakistanischen Geheimdienst ein Raumfahrtunternehmen ausspioniert haben. Am Donnerstag konnte Umar R.
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Mutmaßlicher Spion aus Haft entlassen
Von Jürgen Hinrichs

Sieben Monate saß er in Haft – der Verdacht: Er soll in Bremen für den pakistanischen Geheimdienst ein Raumfahrtunternehmen ausspioniert haben. Am Donnerstag konnte Umar R. das Gefängnis als freier Mann verlassen; der Haftbefehl gegen ihn wurde aufgehoben. Das teilte gestern der Anwalt des 28-Jährigen mit.

„In seiner Entscheidung stellt der Bundesgerichtshof fest, dass gegen meinen Mandanten kein dringender Tatverdacht mehr besteht“, sagte Bernhard Docke. Aus Sicht des Gerichts in Karlsruhe sei der Vorwurf geheimdienstlicher Tätigkeit nicht ausreichend belegt, betonte der Rechtsanwalt.

Für Bremen war es im März dieses Jahres ein einmaliger Vorgang: Spektakuläre Festnahme eines mutmaßlichen Spions, der sich als Werkstudent in ein Unternehmen eingeschlichen haben soll, das streng geheime Militärtechnik entwickelt. „Mein Mandant war in seiner Wohnung im Studentenwohnheim, als plötzlich vermummte und schwer bewaffnete Männer vor ihm standen“, erzählt Docke. Der Verdächtige wurde nach Karlsruhe gebracht und mit einem Haftbefehl wegen mutmaßlicher Spionage konfrontiert. Dann kam er in Untersuchungshaft.

„Mein Mandant hat von Anfang an den Vorwurf bestritten“, sagte Docke. „Was von den Bundesanwälten vorgebracht wurde, war rein spekulativ, alles im Konjunktiv, ausnahmslos Behauptungen.“ Besonders bitter sei für den Mann gewesen, dass er an der Hochschule gerade mit seiner Arbeit für den Masterabschluss beschäftigt gewesen sei und durch die Verhaftung herausgerissen wurde.

Sein Mandant sei ein „Technik-Freak“, so der Anwalt. „Er interessiert sich für die Luft- und Raumfahrt, speziell für die Drohnentechnologie.“ Das sei ihm von den Anklägern falsch ausgelegt worden. Mittlerweile sei der 28-Jährige zurück in Bremen. „Er wird sein Studium an der Hochschule wieder aufnehmen“, kündigte Docke an.

Bei dem Unternehmen, das angeblich ausspioniert wurde, soll es sich um das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) handeln. Ziel der Spionage soll die Forschungsabteilung gewesen sein und dort das Fachgebiet Drohnen. Die unbemannten Flugkörper werden zur Überwachung eingesetzt; das Militär in den USA nutzt sie aber auch zur gezielten Tötung von Terrorverdächtigen, zum Beispiel in Pakistan.

Der Verdacht, dass der 28-Jährige Spionage betrieben hat, um den Geheimdienst in Pakistan mit neuesten Erkenntnissen zur Drohnentechnik zu versorgen, ist noch nicht vollkommen vom Tisch. So jedenfalls liest sich die Stellungnahme des Generalbundesanwalts: „Anders als die Bundesanwaltschaft ist der Bundesgerichtshof bei der Würdigung der bislang vorliegenden Beweise zur Auffassung gelangt, dass nunmehr ein dringender Tatverdacht nicht mehr bestehe“, teilte die Behörde mit. „Die Bundesanwaltschaft wird den Beschluss des Bundesgerichtshofes sorgfältig analysieren und auf dieser Grundlage die Schlüsse für ihr weiteres Vorgehen ziehen“, antwortete der Generalbundesanwalt auf Anfrage unserer Zeitung.

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