Schwerer Menschenhandel Mutter und Sohn gemeinsam auf der Anklagebank

Eine Frau und ihr Sohn stehen seit Montag vor Gericht. Gemeinsam sollen sie zwei Frauen festgehalten und sie zur Prostitution gezwungen haben.
16.08.2016, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Mutter und Sohn gemeinsam auf der Anklagebank
Von Ralf Michel

Eine Frau und ihr Sohn stehen seit Montag vor Gericht. Gemeinsam sollen sie zwei Frauen festgehalten und sie zur Prostitution gezwungen haben.

Die beiden Opfer sind Prostituierte. 20 Freier am Tag mussten sie bedienen, auch ungeschützt. Waren es weniger, wurden sie geschlagen, getreten und bedroht. Ihre Einnahmen mussten sie fast komplett abgeben. Begehrten sie dagegen auf, gab es wieder Schläge.

Getan haben sollen all dies eine Mutter und ihr Sohn, 39 und 23 Jahre alt. Seit Montag müssen sich die beiden vor dem Landgericht verantworten. Schweren Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung wirft ihnen die Staatsanwaltschaft vor. Zudem listet die Anklageschrift eine lange Reihe schwerster körperlicher Misshandlungen auf.

Die beiden Frauen arbeiteten bereits vor dem Zeitraum, in dem sich die Straftaten zugetragen haben sollen, als Prostituierte. Zwischen Juni 2014 und Februar 2016 sollen dann aber die beiden Beschuldigten die Frauen in Bremerhaven dazu gezwungen haben, sich in einem Koberfenster und auf der Straße zu prostituieren. Koberfenster werden Bordell-Schaufenster genannt, in denen die Prostituierten sitzen und sich Freiern anbieten.

Schläge und Morddrohungen

Laut Anklageschrift haben die Beschuldigten den kompletten Tagesablauf ihrer Opfer bestimmt und überwacht. 20 Freier täglich lautete die Vorgabe. Mit Kondom, aber auch ohne, manchmal für nicht mehr als 15 Euro pro Geschlechtsverkehr.

100 bis 300 Euro am Tag seien so pro Frau zusammengekommen. Doch das Geld hätten die Mutter und ihr Sohn kassiert. Den beiden Frauen sei nur das Lebensnotwendigste überlassen worden. Und schlafen durften die beiden nur, wenn auch die 39-Jährige schlief, damit diese sie überwachen konnte. Widersetzte sich eine der Frauen gegen die Vorgaben oder bediente nicht genug Freier, hätten Mutter und Sohn zugeschlagen. Immer wieder, oft mehrfach am Tag.

Einmal schien eine der Frauen während der Arbeit eingeschlafen zu sein, zumindest lehnte sie mit dem Kopf an der Scheibe ihres Fensters. Daraufhin habe die Angeklagte sie an den Haaren ins Wohnzimmer geschleift und ihr dort mit angedeuteten Schnittbewegungen am Hals gedroht, sie zu töten. Ein anderes Mal habe sie ihr Opfer so lange geschlagen und getreten, dass die Frau schließlich bewusstlos wurde. Dabei sei die zwölfjährige Tochter der 39-Jährigen mit im Raum gewesen, ergänzte der Staatsanwalt.

Fortsetzung des Prozesses im September

Eine weitere Misshandlung habe es im Januar dieses Jahres gegeben: Dort soll die Angeklagte eine der Frauen kalt abgeduscht und dann in Unterwäsche auf die Straße geschickt haben. Verbunden mit der Drohung, wenn sie nicht in zwei Minuten einen Freier bediene, würde sie erneut kalt abgeduscht.

Verbunden gewesen seien die körperlichen Misshandlungen stets auch mit Drohungen gegen Leib und Leben der Opfer. Als eine der beiden Frauen der 39-Jährige sagte, dass sie nicht mehr für sie arbeiten wolle, habe diese gesagt: „Du musst weiter mein Besitz bleiben.“ Sonst würde man sie finden und töten. Ähnlich soll der mitangeklagte Sohn der Frau gedroht haben. Wenn sie zur Polizei ginge, würde man sie und ihre Familie töten.

Im Februar wendete sich schließlich doch eine der beiden Frauen an die Polizei. Mutter und Sohn landeten kurze Zeit später in Untersuchungshaft. Was an den gegen sie erhobenen Vorwürfen dran ist, soll nun in einem auf zehn Verhandlungstage angesetzter Prozess geklärt werden. Am Montag blieb es bei der Verlesung der Anklageschrift, die Beschuldigten äußerten sich nicht zu den Vorwürfen. Der Prozess wird am 1. September um 9 Uhr fortgesetzt. Dann soll eines der Opfer als Zeugin gehört werden.

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