Außenseiterin im Aufwind Stadttaube ist Favorit bei Nabu-Wahl zum Vogel des Jahres

Taubenfreundinnen und -freunde nutzen die Nabu-Wahl zum "Vogel des Jahres, um ihren Favoriten nach vorn zu bringen. Mit Erfolg: Die Außenseiterin ist Erste unter zehn Favoriten - auch dank Bremer Stimmen.
30.12.2020, 05:00
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Stadttaube ist Favorit bei Nabu-Wahl zum Vogel des Jahres
Von Justus Randt

Der Naturschutzbund (Nabu) und der Landesverband für Vogelschutz in Bayern suchen wieder bundesweit den „Vogel des Jahres“. Aus 307 Arten von „Deutschlands Brut- und Gastvögeln“ konnte, wer wollte, seinen Liebling wählen. Es bahnt sich eine kleine Sensation an, wie das Ergebnis des internet-öffentlichen Vorwahlgangs vermuten lässt: Nicht die vom Aussterben bedrohte Feldlerche oder der Eisvogel, dem seine Schönheit schon zweimal den Titel beschert hat, ist diesmal der Favorit. Mit 8937 Stimmen geht ausgerechnet die viel geschmähte Stadttaube im Frühjahr als Favoritin ins Finale. Knapp 130.000 Menschen haben sich an den Vorwahlen beteiligt, davon 1117 Bremerinnen und Bremer.

Steter Existenzkampf

Bisher, musste man annehmen, haben die grauen Citybewohner vor allem ein Imageproblem. Auch in Bremen werden immer wieder Stimmen laut, die ein Fütterungsverbot fordern, wie es viele Städte längst verhängt haben. Jetzt haben sich viele zu Wort gemeldet, die auf die missliche Lage der Stadttaube hinweisen: Die Nachfahren der Felsentaube sind keine Nestbauer, finden in den Innenstädten kein artgerechtes Futter und führen einen steten Existenzkampf. Mehrere Brutzyklen im Jahr sind den Brieftauben angezüchtet.

„Dabei lässt der Brutzwang nach, wenn sie gefüttert werden“, sagt Christine Dittmann, Sprecherin des Vereins Stadttauben Bremen. Sie und Mitstreiterinnen werden nicht müde, darüber aufzuklären, dass Tauben und ihr Kot nicht gefährlicher seien als andere Vögel und ihre Hinterlassenschaften. Und sie füttern sie beharrlich, obwohl ihnen das schon viele Anfeindungen eingebracht hat.

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Gemeinsames, im rot-grün-roten Koalitionsvertrag der Landesregierung festgeschriebenes Ziel ist es, betreute Taubenhäuser zu errichten, um kontrollierbare Sammlungspunkte für die Vögel zu schaffen, an denen ihre Gelege gegen Gipseier ausgetauscht werden können. So soll die Population beeinflusst werden.

Dass Stadttauben nicht nur ein Problem sind, um das man sich kümmern muss, ist mittlerweile Konsens, den auch die CDU mitträgt. Christine Dittmann findet das gut, noch aber gibt es die Taubenhäuser nicht. Ein Fütterungsverbot hingegen ist in Vorbereitung, nur die ausgewiesenen Taubenschützer sollen davon ausgenommen sein. Sie sorgen für artgerechtes Körnerfutter, während der Kulturfolger Taube sich notfalls eben auch auf weggeworfene Essensreste stürzt. Weil während der Corona-Pandemie aber auch der fressbare Müll in den Innenstädten rar geworden ist, haben Städte wie Hannover und Köln beispielsweise ihre Fütterungsverbote wieder gelockert. Aus Tierschutzgründen, weil die Tauben sonst zu verhungern drohen.

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„Ich habe das mitbekommen, dass viele die Stadttaube als Vogel des Jahres favorisieren“, sagt Christine Dittmann. „Das hat mich gewundert. Ich habe aber nicht mitgewählt. Wir finden das klasse, weil sich viele so mehr mit der Stadttaube auseinandersetzen. Perdita Goltz vom Verein Bremer Taubenhaus sieht das ganz ähnlich: „Die Taube im Fokus – das ist immer gut. Ich hoffe, dass die Leute ihre Abneigung verlieren.“ Ab dem 18. Januar können Vogelfreunde online auf der Website zum „Vogel des Jahres“ über die zehn Finalisten abstimmen. Das Ergebnis soll am 19. März verkündet werden.

Finale ab dem 18. Januar

Sollte die Stadttaube „Vogel des Jahres 2021“ werden, „dann ist es immer noch die Frage, was man daraus macht und ob die Taube mehr Sympathie bekommt, statt als komischer Vogel betrachtet zu werden“, sagt Perdita Goltz. Auch sie habe nicht gewählt. „Alle anderen Taubenfreunde wahrscheinlich aber schon. Wir sind aufseiten der Taube, aber auch der Rotmilan und das Rotkehlchen haben es verdient.“

Letzteres rangiert bundesweit auf Rang zwei. In Bremen nimmt bisher der Spatz diesen Listenplatz ein.

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Der entscheidende Wahlgang auf der „Vogel des Jahres“-Homepage beginnt am 18. Januar. Am 19. März soll der Titelträger feststehen. Die Top Ten der bundesweiten Vorauswahl sind: 1. Stadttaube (Bremen: Stadttaube), 2. Rotkehlchen (Haussperling), 3. Amsel (Goldregenpfeifer), 4. Feldlerche (Rotkehlchen), 5. Goldregenpfeifer (Feldlerche), 6. Blaumeise (Kiebitz), 7. Eisvogel (Amsel), 8. Haussperling (Basstölpel), 9. Kiebitz (Blaumeise), 10. Rauchschwalbe (Eisvogel).

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