Sondereinheit hatte Corona-Pause

Bremer Polizei kontrolliert wieder Raser und Poser

Im Juni ruhte die Arbeit der Sondereinheit der Polizei, die für Poser und Raser zuständig ist, noch. Mittlerweile haben die Beamten die Arbeit, nach einer Corona-Pause, jedoch wieder aufgenommen.
15.07.2020, 05:00
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Bremer Polizei kontrolliert wieder Raser und Poser
Von Maurice Arndt
Bremer Polizei kontrolliert wieder Raser und Poser

Die „Kontrollgruppe Raser und Poser“ hatte zuletzt coronabedingt Pause.

Uwe Anspach /dpa

Die Polizei geht wieder gegen illegale Straßenrennen und Lärmbelästigung vor. Im Blick der Beamten steht die sogenannte Poser-Szene, die überwiegend in den warmen Monaten mit ihren meist aufgetunten Autos für Ruhestörungen sorgt. Mit einer im Vorjahr gegründeten Kontrollgruppe tritt die Polizei dem Problem entgegen. In den vergangenen Monaten ruhte die Arbeit der Sondereinheit, unter anderem aufgrund der Corona-Pandemie.

Die „Kontrollgruppe Raser und Poser“ hat nicht nur die Lärmbelästigung im Blick. Sie hält auch nach technischen Manipulationen und illegalen Straßenrennen Ausschau. Die Notwendigkeit für diese Polizeistreifen wurde am Wochenende wieder deutlich: In Sebaldsbrück ereignete sich ein schwerer Verkehrsunfall. Vermutlich war ein illegales Autorennen auf der Sebaldsbrücker Heerstraße vorausgegangen.

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Die Beamten kennen die bremische Poser-Szene. Die Kollegen hätten in Bremen einige Hotspots im Blick, teilt Pressesprecherin Franka Haedke mit. Dazu zählen neben der Schlachte und dem Brill auch der Kommodore-Johnson-Boulevard beim Waller Sand in der Überseestadt. Im Blickpunkt seien, aufgrund der Erfahrung des vergangenen Jahres, auch das Viertel und der Rembertiring. „Brennpunkte für Lärmbelästigung und Posing sind in der Regel alle Örtlichkeiten, an denen sich viele Menschen im Freien aufhalten“, sagt die Sprecherin. Mit dem Auto soll Eindruck gemacht werden. Die Polizei spricht deshalb auch vom Publikumseffekt.

Die Kontrollgruppe kann auf Erfahrungswerte aus dem vergangenen Jahr zurückgreifen. Ende Juni 2019 nahm die Einheit ihre Arbeit auf. Mit zivilen Streifenwagen war sie an mehreren Tagen in der Woche unterwegs, um Raser und lärmende Poser aufzuspüren. 135 Fahrzeuge kontrollierten die Beamten zwischen Juni und September 2019. Das entspricht gut einem Fahrzeug pro Tag. Festgestellt wurden Geschwindigkeitsverstöße, unnötige Lärmbelästigung und unerlaubte Ein- und Umbauten am Pkw sowie illegale Rennen.

Phänomen Autoposing in erster Linie im Frühjahr und Sommer

Für dieses Jahr gibt es noch keine belastbaren Zahlen. Im Winter arbeitet die Kontrollgruppe nicht, weil sich das Phänomen Autoposing in erster Linie auf das Frühjahr und den Sommer konzentriert. Aufgrund der Corona-Pandemie wurden die Kontrollen nicht wie vorgesehen im April, sondern vor wenigen Tagen wieder aufgenommen.

Für ihre Arbeit setzt die Kontrollgruppe auf zivile Streifenwagen, die zum Teil mit Kameras und Tempomessern ausgestattet sind. Unterwegs sind die speziell geschulten Polizistinnen und Polizisten sowohl unter der ­Woche als auch am Wochenende, zu verschiedenen Zeiten. Wie viele Kollegen im Einsatz sind, wird aus polizeitaktischen Gründen nicht veröffentlicht, so Sprecherin Franka ­Haedke. „Grundsätzlich sind alle Polizisten angehalten, Verkehrsverstöße, die in das Themenfeld ‚Raser und Poser‘ einzuordnen sind, zu verfolgen“, sagt sie.

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Das Poser-Problem hat Bremen nicht alleine: Auch im benachbarten Oldenburg war die dortige Kontrollgruppe „Autoposer“ aktiv. Nach Beschwerden aus der Bevölkerung wurden laut NDR sechs Verfahren wegen Lärmbelästigung, zwei Verfahren wegen Geschwindigkeitsüberschreitung in einem verkehrsberuhigten Bereich sowie ein Verfahren wegen unnützen Umherfahrens eingeleitet.

Auch auf Bundesebene ist Lärmbelästigung durch Verkehrsteilnehmer ein Thema: Der Bundesrat hat Mitte Mai einen Beschluss gefasst, um unter anderem „zeitlich beschränkte Verkehrsverbote an Sonn- und Feiertagen aus Gründen des Lärmschutzes“ zu ermöglichen. Dabei stehen vor allem Motorräder im Fokus. Laut Beschluss sollen die zulässigen Geräuschemissionen aller neu zugelassenen ­Motorräder auf maximal 80 Dezibel (A) begrenzt werden.

Härtere Strafen für das Tunen von Motorrädern

Zudem plädiert der Bundesrat für härtere Strafen für das Tunen von Motorrädern, sofern es eine erhebliche Lärmsteigerung zur Folge hat. Das Sound-Design, über das Fahrerinnen und Fahrer die Soundkulisse selbst einstellen können, müsse verboten werden. Darüber hinaus fordern die Länder das Recht für Polizisten, bei gravierenden Lärmüberschreitungen sofort Fahrzeuge sicher-­zustellen und zu beschlagnahmen. Der ­Beschluss wurde der Bundesregierung zugeleitet.

Am Wochenende hatten Tausende Motorradfahrer gegen diesen Vorstoß protestiert. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) will den Beschluss der Länderkammer nicht umsetzen. „Wir haben ausreichende, geltende Regeln“, sagte er der DPA. Auch der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe und der Städte- und Gemeindebund hatten sich gegen einen möglichen Bann von Motorradfahrern an Sonn- und Feiertagen ausgesprochen. Stattdessen sollen beispielsweise Grenzwerte für Geräuschemissionen angepasst werden.

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