Trinkwasserbrunnen am Antikolonialdenkmal Nach der ersten Bremer Trinkwassersäule kam nichts mehr

Fünf städtische Trinkwasserbrunnen sollten im Frühjahr 2019 in Betrieb gehen. Doch der Anfang war auch schon das Ende – nach dem Wasserspender am Antikolonialdenkmal versiegte das Projekt.
08.01.2020, 21:09
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Nach der ersten Bremer Trinkwassersäule kam nichts mehr
Von Frank Hethey

Verheißungsvoll klang, was im vergangenen Frühjahr aus dem Umweltressort zu hören war. Als Teil der Klimaanpassungsstrategie der Hansestadt sollten bis „voraussichtlich Ende Mai 2019“ fünf Trinkwasserbrunnen in Betrieb genommen werden. Den Anfang machte in Anwesenheit des damaligen Ressortchefs Joachim Lohse (Grüne) der Wasserspender am Antikolonialdenkmal im Nelson-Mandela-Park.

Doch danach schien der Eifer zu versiegen, kein Sterbenswörtchen mehr von den angekündigten Trinkwasserzapfstellen an der Schlengstraße in Hemelingen, am Ziegenmarkt in der Östlichen Vorstadt, an der Kreuzung Bremerhavener Straße/Vegesacker Straße in Walle und am Sedanplatz in Vegesack. Also der Wasserspender am Elefanten nur als Tropfen auf den heißen Stein? Ganz so nun auch wieder nicht, doch irgendwie stand das Projekt nach dem erfolgreichen Start unter keinem guten Stern. Schon beim Trinkwasserbrunnen in Hemelingen lief so ziemlich alles schief, was schieflaufen konnte.

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Erst kam es zu Verzögerungen wegen einer Baustelle, bei der der Fußgängerweg auf die andere Straßenseite verlegt werden musste, dann gesellte sich auch noch ein technischer Defekt hinzu. „Die Herstellerfirma hat eine kaputte Zapfsäule geliefert“, sagt Jens Tittmann, Sprecher des Umweltressorts. Bis die Säule ausgetauscht war, ging einige Zeit ins Land, es wurde Oktober. Und damit einigermaßen überflüssig, den Trinkwasserspender noch in Betrieb zu nehmen, weil der Hahn immer im Oktober wegen Frostgefahr ohnehin wieder zugedreht werden soll.

Bei den anderen drei Standorten kam es gar nicht erst so weit. Obwohl die Arbeiten laut Pressemitteilung schon begonnen hatten, machte die chronische Überlastung der Baubranche dem Vorhaben einen Strich durch die Rechnung. Immerhin ist es nicht damit getan, am vorgesehenen Standort eine Metallsäule zu platzieren, es müssen auch Wasserleitungen verlegt werden. Ein komplexer Vorgang, an dem auch Tiefbaufirmen beteiligt sind – wenn sie nicht gerade anderes zu tun haben. „Das war natürlich sehr ärgerlich, aber der Situation am Markt geschuldet“, so Tittmann.

Doch nun soll beim zweiten Anlauf alles besser werden. Mit weiteren unliebsamen Verzögerungen ist diesmal offenbar nicht zu rechnen, spätestens Anfang Mai soll das Wasser an den fünf angekündigten Standorten sprudeln. Zwar ziemlich genau ein Jahr später als ursprünglich vorgesehen, aber Schwamm drüber. Hauptsache, frisches Trinkwasser kommt zu Beginn der wärmeren Jahreszeit endlich auch bei denen an, die keinen so einfachen Zugang dazu haben – vor allem an Obdachlose richtet sich das neue Angebot.

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Die bisherigen Erfahrungen mit der Trinkwassersäule am Antikolonialdenkmal können sich anscheinend sehen lassen. Der Wasserspender sei „sehr gut angenommen“ worden, berichtete Mitinitiator Ralph Saxe (Grüne) bereits im Dezember bei der Sitzung der städtischen Deputation für Klima, Umwelt, Landwirtschaft und Tierschutz. Auch Umweltsenatorin Maike Schaefer (Grüne) unterstrich damals, wie sehr ihr dieser Punkt am Herzen liege. „Gerade in einem heißen Sommer ist es total wichtig, dass alle Menschen einen Zugang zu sauberem Wasser finden.“

Aus diesem Grund wünscht sich nicht nur Grünen-Politiker Saxe noch weitere Trinkwasserbrunnen. Auch im Beirat Östliche Vorstadt träumte man bereits im verflossenen Jahr von weiteren Zapfsäulen am Lüneburger Platz, am Brommy-Platz und am neuen Haupteingang des Klinikums Bremen-Mitte. Sonderlich viel Hoffnung kann ihnen Tittmann allerdings nicht machen. „Weitere Trinkwasserbrunnen sind erst einmal nicht geplant, weil dafür die Haushaltsmittel fehlen.“ Über die knappen Ressourcen ist sich auch Irmgard Lindenthal (Grüne) im Klaren, Mitglied im Fachausschuss Soziales, Kultur und Wirtschaft im Beirat Östliche Vorstadt.

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Ihr Lösungsvorschlag im vorigen Mai: Über das Programm „Kunst im öffentlichen Raum“ der Kulturbehörde sei es möglich, Trinkwassersäulen zu finanzieren und zu installieren. Doch in dieser Sache war sie augenscheinlich falsch informiert, das Kulturressort dementiert entschieden, in irgendeiner Form involviert zu sein. „Mit Trinkwasserbrunnen hat der Senator für Kultur nichts zu tun“, betont seine Sprecherin Alexandra Albrecht. In einem Papier aus dem Umweltressort heißt es im Falle von Wünschen für weitere Wasserspender denn auch ausdrücklich: „Sowohl für die Finanzierung des Baus als auch der Unterhaltung müssten in einem solchen Fall die Beiräte ein eigenes Konzept entwickeln.“

Zunächst seien die Beiräte bei der Standortsuche nicht beteiligt gewesen, sagt der Hemelinger Ortsamtsleiter Jörn Hermening. Erst später habe man sich gemeinsam auf die Suche nach geeigneten Standorten gemacht. Die Beiräte reichten beim Umweltressort jeweils einen Vorschlag ein, das Umweltressort beurteilte die Eignung der Standorte durch ein ausgeklügeltes Punktesystem. Dabei ging es unter anderem um eine ausgewogene Verteilung im Stadtgebiet, den voraussichtlichen Bedarf, die Sichtbarkeit und den bestmöglichen Schutz vor Beschädigungen.

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Von vornherein war klar, dass das Geld nur für fünf Trinkwasserbrunnen reichen würde. Nicht zum Zuge kamen die vorgeschlagenen Standorte auf dem Marktplatz Osterholz/St. Gotthard-Straße im Schweizer Viertel, die Piepe oder der Leibnizplatz in der Neudtadt, der Sodenmattsee in Huchting, der Spielplatz Knoops Park in Lesum, der Marktplatz Kattenturm in Obervieland und der Wasserturm in Blumenthal. Die Kosten für die fünf Trinkwasserbrunnen belaufen sich auf rund 60 000 Euro.

Finanziert wurden die Zapfstellen unter Beteiligung von SWB und Hansewasser, die bis 2022 auch die laufenden Betriebskosten in Höhe von 12 000 Euro pro Jahr übernehmen. Ab 2023 soll das Umweltressort dafür aufkommen, unter dessen Federführung das Projekt steht. Lange Zeit hat sich Bremen schwer getan mit öffentlichen Wasserspendern, andere Städte hatten schon vorgelegt. Erst die Einrichtung zweier Trinkwasserstellen an der katholischen Kirche St. Johann im Schnoor (2015) und an der Liebfrauenkirche (2016) brachte das Thema auf die Tagesordnung. Allerdings konnte keine Einigkeit über Finanzierung und Zuständigkeiten erzielt werden, bis der Hitzesommer 2018 die Behörden in Zugzwang brachte.

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