Nach der Fahrt in der Klinik verschollen

Auf der stundenlangen Suche nach der Tante

Die 89-jährige Tante von Martina Ziegler musste vor kurzem in einem Bremer Krankenhaus behandelt werden. In welchem, erfuhr die Delmenhorsterin erst nach langer Suche.
05.04.2021, 05:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Auf der stundenlangen Suche nach der Tante
Von Nina Willborn
Auf der stundenlangen Suche nach der Tante

Im Klinikum Bremen-Mitte fand Martina Ziegler ihre Tante schließlich - nach stundenlanger Suche.

Frank Thomas Koch

Kann es sein, dass ein Mensch auf dem Weg ins Krankenhaus verschwindet? Eigentlich nicht, aber Martina Ziegler aus Delmenhorst hat sich dieser Gedanke kürzlich aufgedrängt. Vor einigen Tagen musste ihre 89-jährige Tante, die in einem Bremer Pflegeheim lebt, nach einem Sturz in die Klinik – aber in welcher die betagte Dame gelandet war, erfuhr Martina Ziegler erst nach Stunden des Wartens und unzähligen Anrufen.

Klinikum Bremen-Mitte weiß nichts von Patientin

„Die Ambulanz wollte sie eigentlich ins St.-Joseph-Stift bringen, diese Auskunft hatte mir das Pflegeheim gegeben“, sagt Ziegler, „aber die Sanitäter hatten auch gleich dazu gesagt, dass dort möglicherweise kein Platz sei.“ Also habe sie die Leitstelle für die Rettungswagen angerufen, dort aber aus datenschutzrechtlichen Gründen keine Auskunft erhalten. „Ich habe alle Daten meiner Tante genannt, Name, Geburtsdatum, Meldeadresse, aber man sagte mir, es gebe keine andere Möglichkeit, als es bei den Krankenhäusern zu probieren“, sagt Ziegler. „Ich verstehe das nicht, man sollte doch als Angehöriger zumindest wissen, wo ein Verwandter hingebracht wird. Und ich bin die einzige, die sich um die Tante kümmert.“

Lesen Sie auch

Bei insgesamt sieben Krankenhäusern rief Ziegler an, bekam dann aus Bremen-Nord den Hinweis, ihre Tante sei im Klinikum Bremen-Mitte. „Da hatte ich zwar schon angerufen“, sagt sie, „aber das habe ich dann noch mal gemacht und bekam wieder gesagt, dort sei sie nicht.“ Die Tante war nachmittags gestürzt, inzwischen war es Abend. „Dann wollte ich meine Tante bei der Polizei als vermisst melden“, erzählt die Delmenhorsterin. „Da hatte ich eine sehr nette Polizistin dran. Es hat keine fünf Minuten gedauert, bis sie mir bestätigt hat, dass meine Tante in Mitte ist.“ Also wählte sie zum dritten Mal die Zentrale an der St.-Jürgen-Straße an – und bekam erneut zu hören, ihre Tante sei nicht dort. „Dann habe ich gefragt, ob sie vielleicht noch in der Notaufnahme behandelt wird und darum gebeten, mich dorthin zu verbinden“, sagt Ziegler und seufzt beim Erzählen, „aber der Mitarbeiter war dazu nicht in der Lage.“ Also suchte sie sich die Nummer selbst heraus, rief dort an und erhielt die Bestätigung: Ja, ihre Tante werde dort behandelt.

Verschwundene Tante: Nach zwei Tagen meldet sich ein Arzt

Bis Martina Ziegler erfuhr, wie es der Tante ging, vergingen zwei weitere Tage. „Dann hat mich endlich ein Arzt zurückgerufen“, sagt sie. „Das geht doch nicht, vor allem nicht in der aktuellen Situation.“ Normalerweise wäre sie nach Bremen gefahren, um selbst nachzusehen. „Inzwischen geht es meiner Tante wieder besser. Aber ich ärgere mich wirklich sehr über diese ganze Sache“, sagt sie.

Grundsätzlich sei es aus datenschutzrechtlichen Gründen sowie der ärztlichen Schweigepflicht nicht möglich, dass die Rettungswagen-Leitstelle Anrufern Auskunft über Patienten gebe, sagt Rose Gerdts-Schiffler, Sprecherin des Innenressorts. „Die Leitstelle kann am Telefon nicht verifizieren, ob es sich bei dem Anrufer oder der Anruferin tatsächlich um Angehörige handelt.“ Das sei am Einsatzort, wo man sich identifizieren könne, anders. „Dort geben die Rettungskräfte Auskunft darüber, in welches Krankenhaus die Person gebracht werden soll. Es kann jedoch sein, dass kurzfristig noch ein anderes Krankenhaus angefahren werden muss.“

Auch Auskünfte über die Behandlungen in den Kliniken unterlägen strengen datenschutzrechtlichen Richtlinien, sagt Karen Matiszick, Sprecherin der Gesundheit Nord. „Ausnahmen gibt es für die Polizei oder zum Beispiel für Eltern. Ansonsten geht der Patientenschutz vor.“ Grundsätzlich seien die Zentralen allerdings angehalten, mit Augenmaß zu handeln. „Wir wollen es ja auch für die Angehörigen nicht schlimmer als sowieso schon machen“, sagt sie.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+